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Kurzrezension: Christian Grenier "Dreiundachtzig Gigabyte"

Cover GrenierLesealter 12+(Edition Quinto bei Terzio 2008, 190 Seiten)

Jahrelang wurde der Jugendbuchmarkt mit Fantasy-Büchern überschüttet – doch so langsam deutet sich ein Wandel an: Die Fantasy-Bücher werden weniger, dafür erscheinen zunehmend mehr Thriller für Jugendliche. Der Terzio-Verlag hat sich mit seiner Edition Quinto besonders den Thrillern verschrieben, und mit „Drei & 8zig Gigabyte“ des französischen Autors Christian Grenier (Übersetzung: Maren Partzsch) schickt der Verlag ein Buch über einen Kriminalfall, der auch etwas mit Computern zu tun hat, ins Rennen.

Im ländlichen Gebiet der Dordogne kommt es innerhalb von einigen Wochen zu insgesamt fünf Todesfällen. Das Seltsame daran ist, dass alle Toten, wie sich bei den Ermittlungen der Kriminalpolizei herausstellt, zwei Gemeinsamkeiten hatten: Sie besaßen einen nagelneuen Hochleistungscomputer namens OMNIA 3 und sie hatten etwas mit dem Antiquitätenhandel zu tun. Der ermittelnde Polizist Germain vermutet, dass die Morde etwas mit dem extrem teuren Computersystem zu tun haben, da er jedoch von Computern nichts versteht, ruft er Logicielle, eine junge frühere Kollegin zu Hilfe, die sich bestens mit Computern auskennt.

Gemeinsam entdecken die beiden, dass die Opfer eine weitere Gemeinsamkeit verbunden hat: Sie haben alle Amphetamine genommen und scheinen an einem Herzinfarkt – oft nachts – vor dem Computer gestorben zu sein. Die beiden Polizisten wissen nicht, was passiert ist, aber vermuten tatsächlich, dass der Computer etwas mit dem Tod der Antiquitätenhändler zu tun hat – so unwahrscheinlich das auch klingen mag.

Die weiteren Recherchen führen sie zu einem Programm namens LTPG, das alle Ermordeten benutzt zu haben scheinen, das jedoch nach ihrem Tod von den Computern gelöscht wurde. Logicielle bemüht sich darum, das Programm aufzuspüren, und wird schließlich über ein Internetforum fündig. Doch das Programm funktioniert zunächst nicht, bis die Polizistin es doch noch schafft. LTPG entpuppt sich als atemberaubendes 3D-Programm, das den Nutzer auf erstaunlich realistische Weise ein altes Chateau betreten lässt. Doch was hat das mit dem Tod der fünf Menschen zu tun?

Christian Grenier ist laut Terzio-Verlag einer der bekanntesten französischen Jugendkrimi-Autoren – und nach dem Lesen des Buches kann ich das auch verstehen. „Drei & 8zig Gigabyte“ ist ein Buch, das man am Morgen beginnt und am Abend ausgelesen hat, sofern man die Zeit dazu hat. Denn der Jugendkrimi ist einfach spannend und man will wissen, wie die Geschichte weiter- und ausgeht.

Der Plot (also die Handlung) des Krimis ist geschickt, wenn auch nicht virtuos angelegt. Man fiebert als Leser schon bald mit und hat – wie die Polizisten – den OMNIA 3 bzw. das Computerprogramm LTPG in Verdacht, die Morde begangen zu haben. Wie ein Computer jedoch einen Mord verübt haben will, das ist eine knifflige Frage, die man durch das Weiterlesen beantwortet haben will. Und genau das macht die Spannung des Buches aus. Dass das Buch darüber hinaus mit Germain, Logicielle und ihrem Kollegen Max ein interessantes Kriminal-Trio hat, muss noch lobend erwähnt werden. Und die Auflösung am Ende ist ebenfalls gut inszeniert.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Man darf sich von Christian Greniers Jugendkrimi keine Wunder erwarten: Das ist kein Buch, das den Kriminalroman neu erfindet, sondern eines, das geschickt mit den normalen Mitteln des Genres spielt und arbeitet. „Drei & 8zig Gigabyte“ ist für Jugendliche ab 12 Jahren genau angemessen spannend: in keiner Weise brutal oder schockierend, sondern es baut eher auf einer subtilen Spannung auf, die den Leser trotzdem gut bei der Stange hält.

Dass in dem Buch auch Computer eine Rolle spielen, könnte gerade auch die Lesemuffel unter den Jungen zum Lesen bringen – das Thema Computer ist ansonsten in Jugendbüchern ja meist eher unterbelichtet. Mir hat das Buch jedenfalls, auch wenn es nicht gerade tiefschürfend ist, gefallen.

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(Ulf Cronenberg, 24.10.2008)

Kommentare (0)

  1. Igor Glock

    Ich habe dieses Buch gelesen und bin 100% zufrieden damit. Dennoch werden Computerkenntnisse und Französisch-Kenntnisse gebraucht.

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  2. Bücherwurm

    Weiß jemand, wann und ob ein zweiter Teil des Buches herauskommt oder ob es schon einen zweiten Teil gibt?
    Danke schon mal im Voraus … 😀

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    1. Ulf Cronenberg

      Da ist leider nichts bekannt … Sieht nicht so aus, als gäbe es (auf Deutsch) einen zweiten Teil.

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  3. Smiley

    Auf Französisch gibt es eine ganze Reihe unter dem Namen „les enquetes de logicielle“. Soweit ich weiß, wurde aber nur „l’ordinateur“ („3 und 8zig Gigabyte“) übersetzt. 😀

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