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Buchbesprechung: Blake Nelson “Paranoid Park”

Cover NelsonLesealter 14+(Beltz & Gelberg-Verlag 2008, 179 Seiten)

„Paranoid Park“ von Blake Nelson (Übersetzung: Heike Brandt) wurde gerade erst geadelt: Vor ein paar Tagen bekam das Buch den Luchs des Monats September 2008 von der Wochenzeitung „Die Zeit“ und Radio Bremen verliehen (der Artikel ist leider noch nicht online, so dass ich keinen Link zur Besprechung in der „Zeit“ anfügen kann).

Das Buch wurde übrigens bereits 2006 veröffentlicht und ist 2007 von Gus van Sant verfilmt worden – die deutsche Buchausgabe erscheint also nun erst nach dem Film. All das klingt jedenfalls sehr nach einem packenden Buch …

Inhalt:

Der Ich-Erzähler des Buches (seinen Namen erfährt man nicht – nennen wir ihn deswegen der Einfachkeit halber „Skater“) ist leidenschaftlicher Skater. Vor allem mit seinem Freund Jared treibt er sich oft auf Skate-Bahnen herum. Der Paranoid Park ist einer der berühmtesten Skater-Parks in Portland, jedoch illegal und berüchtigt, weil dort viele obdachlose Jugendliche ihr Unwesen treiben. Als Jared und Skater eines Tages zu dem Park fahren, sind sie begeistert von den Bahnen. Sie beschließen am nächsten Wochenende wieder hinzugehen.

Doch dann kommt bei Jared was dazwischen – ein Mädchen will den Abend mit ihm verbringen. Und so wird aus dem gemeinsamen Ausflug zum Paranoid Park nichts, obwohl Jared alleine zu Hause wäre und Skater bei ihm übernachten könnte. Und so macht sich Skater alleine auf den Weg dorthin.

Er lernt dabei ein paar auf der Straße lebende Jugendliche kennen, die sich sein Skateboard ausleihen und dann hat einer (er wird „Schramme“ genannt) von ihnen die Idee, dass Skater und er was zu trinken kaufen könnten. Um schneller beim weit entfernten Supermarkt zu sein, beschließen sie, auf einen Güterzug aufzuspringen und damit eine Weile mitzufahren. Doch dabei läuft alles aus dem Ruder.

Ein Wachmann sieht die beiden auf dem Zug und zwingt sie mit Gewalt zum Absteigen. Er bedroht sie mit seinem Schlagstock, Schramme und Skater wehren sich, indem sie mit ihren Skateboards auf den Mann einschlagen. Dieser fällt zu Boden und seine Kleidung verfängt sich in den Rädern des Zuges. Der Wachmann wird mitgezogen, kommt unter die Räder und ist tot. Schramme und Skater flüchten getrennt … – und Skater weiß nicht, was er tun soll. Soll er sich der Polizei stellen oder darauf hoffen, dass man den Tod des Wachmanns als Unfall einschätzt?

Bewertung:

„Paranoid Park“ ist – das sei gleich am Anfang gesagt – ein wirklich packendes Buch, das einem von der ersten bis zur letzten Seite in Atem hält. Es ist ein Albtraum, was der Ich-Erzähler da erlebt, eine schier ausweglose Situation – und wie Skater ständig hin- und hergeworfen wird, erlebt man als Leser hautnah mit. Man wird so richtig in die Geschichte hineingezogen.

Mich hat ”Paranoid Park“ sehr an die Bücher von Kevin Brooks (z. B. „The Road of the Dead„) erinnert. Auch sie haben oft Hauptfiguren, über denen ihr Leben zusammenstürzt, die nicht mehr wissen, was sie tun sollen. „Paranoid Park“ ist (wie viele Bücher von Kevin Brooks) ein Thriller für Jugendliche, der einen nicht mehr loslässt.

Das faszinierende an Blake Nelsons Buch ist, wie authentisch der Erzähler alles beschreibt. Da wird nichts verheimlicht und beschönigt. Die Gefühle, dem Leben nach dem tragischen Vorfall nicht mehr gewachsen zu sein, den Alltag nicht mehr bewältigen zu können, der Versuch, das alles zu vergessen, ohne dass es gelingt – all das hinterlässt beim Lesen eine Gänsehaut.

Besonders gut gefallen hat mir außerdem der Schluss des Buches – denn hier wird die Geschichte Skaters plausibel abgerundet (mehr will ich nicht verraten). Man legt das Buch aus der Hand, ein wenig geschockt, ein wenig ehrfürchtig und auch ein wenig froh darüber, dass das eigene Leben weniger kompliziert ist als das von Skater.

Fazit:

5 von 5 Punkten. „Paranoid Park“ hat meiner Meinung nach zu Recht den Luchs verliehen bekommen – es ist eines der herausragenden Bücher dieses Herbstes, weil es zum einen sehr dicht geschrieben ist und weil es zum anderen den Leser schockiert. Was der Erzähler mitmacht, gleicht einem schlimmen Albtraum. Man befindet sich beim Lesen mit dem Erzähler auf einer Achterbahnfahrt, bei der man die Kurve mit einem fehlenden Gleisstück auf sich zu rasen sieht.

Blake Nelsons Jugendroman ist kein Buch für zarte Nerven, man muss beim Lesen schon einiges aushalten. Aber die Bedrängnis ist meisterhaft inszeniert und dürfte auch jugendliche Lesemuffel ab 14 Jahren, die sonst nur vor Computerspielen oder dem Fernseher sitzen, begeistern und zum Lesen bringen. Solche Bücher hat man nicht alle Tage in der Hand …

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(Ulf Cronenberg, 17.09.2008)

Kommentare (0)

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  2. Lost Mc

    Das Buch ist echt gut … Aber ich verstehe den letzten Satz nicht …

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  3. Bam

    @ Lost Mc:
    Ihm wurde von seiner Freundin Macey (hieß sie so?) doch vorgeschlagen, dass er seine Erlebnisse in einem Brief aufschreiben soll, egal, an welche Person. Im letzten Satz stellt sich praktisch heraus, dass das Buch, das man gelesen hat, genau diesen Brief darstellt. Daher sind auch die Kapitel mit Datum versehen, die eigentlich nicht zu den Geschehnissen passen, da der Zeitabschnitt viel zu kurz wäre. (Weiß die Daten nicht mehr, aber der Unfall ist beispielsweise im September passiert, dann vergeht einige Zeit, und er trifft Macey, was so etwa im November sein könnte, jedoch sind die Kapitel mit 22. Dezember, 23. Dezember etc. versehen … –was mich übrigens anfangs verwirrt hat.)
    Hoffe, ich konnte helfen … ;D

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  4. Roberta

    Wenn ich mich richtig erinnere, stellte sich schon auf den letzten Seiten raus, dass das der Brief an Macy ist. Der letzte Satz war: „Und jetzt gehe ich mir Streichhölzer holen.“ – oder so ähnlich … Damit meint er, dass er den Brief verbrennen will.
    Übrigens ein tolles Buch, das ich mal im Deutschunterricht vorgestellt habe. Ich bin jetzt 13 Jahre alt und hatte keine Probleme, es zu lesen, und kann mir vorstellen, dass man es auch schon mit 12 Jahren lesen kann.

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  6. Ami

    Ich habe auch fast gedacht, dass es von Kevin Brooks sein könnte!

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  7. Lilly

    Ich liebe dieses Buch einfach! Ich kann es jedem empfehlen. Es ist so spannend, dass ich es in 5 Tagen komplett durchgelesen habe, da ich jeden Tag einfach nicht abwarten konnte, es zu Ende zu lesen.

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  8. Dave

    Das Buch ist so langweilig, dass wir als ganze Klasse das Buch einfach nicht lesen …

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    1. Ulf Cronenberg (Beitrag Autor)

      Ich würde ja sagen, dass ihr mit dem Buch als Lektüre eher Glück habt … Es gibt viel Schlimmeres. 😉

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