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Kurzrezension: Scott Westerfeld "Peeps"

Cover WesterfeldLesealter 12+(Kosmos-Verlag 2008, 343 Seiten)

„So süß, dass ich ihn fressen musste“ heißt das Buch von Scott Westerfeld im Untertitel. Hm, nach dem Lesen des Titels und des Untertitels hatte ich ja erst einmal gedacht, dass das ein Buch über einen Popstar oder etwas Ähnliches sein muss – aber weit gefehlt. Der Buchtitel hat mich auf eine falsche Fährte gesetzt. Scott Westerfelds Buch kann man wohl eher als einen Thriller für Jugendliche bezeichnen – mit einem Schuss Fantasy und Science-Fiction -, oder als einen modernen Vampir-Roman.

Die Geschichte ist jedenfalls ziemlich strange. Cal ist ein 19-Jähriger, der sich über einen Sexualkontakt mit Parasiten angesteckt hat. Die Parasiten im Buch verändern einen Menschen sehr stark: Sie fliehen vor allem, was sie früher mochten, ziehen sich in die Dunkelheit zurück, haben eine stark verfeinerte Sinneswahrnehmung, haben ständig Hunger (vor allem nach Fleisch) und werden übermenschlich stark. Und schließlich fallen sie andere Menschen an und verbreiten so den Parasiten. Menschen, die von den Parasiten befallen sind, werden „Parasiten-positiv“ genannt – oder abgekürzt „Peeps“.

Doch bei Cal hat der Parasit eine weniger starke Wirkung, er hat die schlimmsten Begleiterscheinungen nicht und wurde deswegen von der „Night Maire“, einer Untergrundorganisation, die die Peeps bekämpfen, angeheuert, um beim Aufspüren von Peeps zu helfen. Mit seinen übernatürlichen Sinnen ist Cal dafür besonders geeignet.

Eine Aufgabe von ihm ist es, die Frau zu finden, bei der er sich den Parasiten geholt hat – doch Morgan, wie die Frau heißt, ist spurlos verschwunden. Auf der Suche nach Morgan lernt er Lace kennen, zu der er sich hingezogen fühlt – doch er weiß, er darf sie weder küssen noch mit ihr schlafen, um Lace nicht auch zu infizieren…

„Peeps“ ist mit dieser modernen Vampirgeschichte, bei der Infizierte über Menschen herfallen, ein ziemlich ungewöhnliches Buch, das ein bisschen Grusel und Mystik mit Thriller- und Fantasy-Elementen (diese aber nur ganz wenig) vermischt. Seltsam ist das Buch auch, weil Scott Westerfeld zwischen jedem Buchkapitel immer einen Abschnitt über Parasiten, die in der Welt vorkommen, einfügt. Von Hakenwürmern, Wolbachia und Leberegeln, die es alle wirklich gibt, ist da die Rede. Es wird genau erklärt, wie sie sich verbreiten, welche Folgen sie haben (positive wie negative) – und wie der Autor im Nachwort versichert, ist alles, was über diese Parasiten geschrieben wird, nicht erfunden.

Diese Zwischenkapitel über die Parasiten sind ein geschickter Schachzug des Autors. Denn auch wenn die Geschichte mit den „Peeps“ natürlich erfunden ist, so werden einem die Parasiten im Buch durch die Sachinformationen über reale Parasiten noch einmal um einiges unheimlicher.

Aber auch so hat die Geschichte durchaus etwas Beklemmendes. „Peeps“ ist kein richtiger Schocker, aber eben doch ein bisschen gruselig, ohne es zu übertreiben. Die Geschichte an sich hat mir alles in allem gut gefallen, weil sie immer wieder unerwartete Wendungen nimmt, die man nicht voraussieht. Und das sollte bei einem guten Gruselbuch auch so sein…

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. Ein wirklich ungewöhnliches, aber gutes Buch ist „Peeps“ – man muss sich erst etwas in die Geschichte einfinden, doch dann hat sie ziemlich Zug. Und das am Anfang absonderlich Scheinende wird immer interessanter und spannender.

Scott Westerfeld ist für meine Begriffe genau die richtige Mischung aus Gruseligkeit und einer gut erzählten Geschichte, die es nicht übertreibt, gelungen. „Peeps“ ist nicht unbedingt ein Buch, das einem hinterher schlaflose Nächte bereitet (außer man hat eine Parasiten-Phobie), das einem aber trotzdem immer mal wieder einen kleineren Schauer über den Rücken laufen lässt.

Es muss jeder selbst entscheiden, ob er ein Buch liest, in dem auch derzeit vorkommende Parasiten detailliert und mit einer kleinen Prise Sarkasmus vorgestellt werden – das ist sicher nicht für jeden etwas. Mir jedenfalls hat dieses das Buch gefallen.

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(Ulf Cronenberg, 26.08.2008)

Kommentare (0)

  1. Anni

    das buch ist echt spitze, man erfährt so vieles über parasiten, die es wirklich gibt, und dann diese wunderbare geschichte dazu (hätte gern eine fortsetzung) – und das alles verbunden, so dass man es richtig gut kapiert. ich musste bei diesem buch hammermäßig viel lachen über die echt witzigen komentare von scott w.
    also ich finde, dass man es echt mal gelesen haben muss. ist schon echt cool für leute, die ekelkram auch abkönnen (wenn nicht, überlebt man’s auch – lol).
    volle empfelung von mir …
    liebe greetz anni t.

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  2. Ulf Cronenberg

    Hallo Anni,
    den Nachfolgeband („Peeps, Die letzten Tage“) gibt es doch schon seit Anfang Februar 2009 …
    Viele Grüße, Ulf

    Antworten
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