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Buchbesprechung: Andreas Schlüter & Mario Giordano "Pangea"

Cover Schüter & GiordanoLesealter 12+(cbj-Verlag 2008, 478 Seiten)

Andreas Schlüter ist unter den Kinder- und Jugendbuchschriftstellern beileibe kein Unbekannter. Mit „Level 4 – Die Stadt der Kinder“ hat er vor gut zehn Jahren ein Kinderbuch geschrieben, das viele junge Leser begeistert hat, weil es das Thema Computerspiel aufgegriffen hat. Und auch sonst hat er einiges für Kinder ab 10 Jahren geschrieben – nicht nur die Fortsetzungsfolgen von „Level 4“.

Mario Giordano dagegen ist vielleicht nicht ganz so bekannt. Doch auch er hat mehrere Bücher für Kinder und Jugendliche veröffentlicht. Eines dieser Bücher hat mir vor gut 10 Jahren (es ist 1997 herausgekommen) sehr gut gefallen: „Der aus den Docks“. Das kennt aber wohl kaum jemand…

Nun haben sich die beiden zusammengetan und einen Jugendroman geschrieben, der in der fernen Zukunft spielt: „Pangea“.

Inhalt:

Huan wächst in Hamburg auf, ist (weil seine Mutter aus China stammt) halb chinesischer, halb deutscher Herkunft und ein ungewöhnlicher Junge, weil er in Träumen ab und zu Visionen hat, die sich schon öfter bewahrheitet haben. Als eines Tages sein geliebter Kater Kurkuma (den Namen trägt er wegen seines rötlichen Fells) verschwindet, macht sich Huan auf die Suche nach ihm – und dabei fällt Huan eine Würstchenbude auf, auf deren verdrecktes Fenster ein Zeichen gemalt ist, das er kennt. Er hat es kurz zuvor selbst auf einen Block gekritzelt.

Auf der Suche nach dem Kater summt Huan, ohne darüber nachzudenken, eine Melodie, die er in einem Traum gehört hat. Er ist sich sicher, dass ihn diese Melodie, die ihm die Schrittfolgen vorgibt, zu seinem Kater führen wird. Doch dann wird er plötzlich von vier Männern in seltsamen Anzügen verfolgt. In Panik versucht er, vor ihnen zu fliehen – sie stellen ihn jedoch schließlich in der Nähe der Alster und nehmen ihn gefangen. Er wird in einen Sack gewickelt, in den Fluss geworfen und kurz darauf ohnmächtig.

Als er wieder erwacht, befindet er sich in ungewohnter Umgebung. Wie er später erfährt, wurde er von den so genannten Sari, einem menschlichen Volk, das 200 Millionen nach unserer Zeitrechnung auf der Erde lebt, entführt. Huan kann nicht glauben, was er da hört – aber es kommt noch sagenhafter: Die Sari erklären ihm, dass er der „Sabiel“ ist, ein Mensch, der in die Zukunft geholt wurde, um die Sari zu retten. Er soll von den Sari ausgebildet werden, um mit Hilfe einer Zeitmaschine ein Viruswesen namens GON, das sich unkontrolliert ausbreitet und das Leben der Sari bedroht, zu vernichten.

Und so wird Huan auf eine Mission geschickt, muss dabei jedoch lernen, dass vieles auf der Erde ganz anders ist, als die Sari es ihm berichtet haben. So lernt er u.a. die Ori, ein mit den Sari befeindetes Volk, kennen, die den Sariel töten wollen. Und dann sind da noch die Kalmare, die in der Geschichte ebenfalls eine wichtige Rolle spielen: intelligente Lebewesen, die von den Tintenfisch abstammen und an Land gegangen sind.

Bewertung:

Was für eine Geschichte! In der Inhaltszusammenfassung steht nur ein geringer Teil von dem, was passiert – das Buch ist ziemlich komplex. Doch das soll nicht heißen, dass es verwirrend erzählt ist – nein, das ist es ganz und gar nicht. Die beiden Autoren erzählen eine stringente Geschichte, in der viele Erzählstränge aufbaut werden und die mehrere Erzählebenen hat – und dennoch bleibt alles logisch und schlüssig. Es ist bewundernswert, wie sich am Ende wieder alles zusammenfügt.

„Pangea“ hat mich schon nach einigen Seiten gefesselt – mit dem Lesen wollte ich gar nicht mehr aufhören… Es ist zum einen diese ungewöhnliche Mischung aus Fantasy und Science-Fiction, die mich fasziniert hat. Zum anderen ist das Buch einfach nur spannend. Was Huan und alle anderen Personen und Lebewesen, auf die er im Laufe des Buches trifft, gemeinsam erleben, ist gut erzählt, immer auch ein bisschen ungewöhnlich. Eine Geschichte, in die man so richtig abtauchen kann.

Vor allem die Figuren hauchen der Geschichte leben ein. Nicht nur Huan (oder „Sariel“, wie er später genannt wird) wächst einem ans Herz und man verfolgt gespannt seinen Weg, auch die anderen Figuren (darunter Liya, ein Ori-Mädchen) und Lebewesen ziehen einen in den Bann – insbesondere die Kalmare, die von den Tintenfischen abstammen. Von den intelligenten und einfühlsamen Kalmaren, die so groß wie Elefanten sind, ist man als Leser besonders fasziniert. In den Kundenrezensionen bei Amazon kann man es nachlesen: Da steht u.a., dass einige Leser fortan keine Tintenfisch mehr essen wollen… 🙂

Fazit:

5 von 5 Punkten. Mit „Pangea“ ist Andreas Schlüter und Mario Giordano in Teamarbeit (wie die ausgesehen hat, wüsste ich nur zu gerne) ein von der ersten bis zur letzten Seite spannendes Buch gelungen, das man allen Fans von Fantasy-Büchern und dicken Schmökern (ab 12 Jahren) nur wärmstens empfehlen kann. Was Huan in der fernen Zukunft auf Pangea (die Welt wird so genannt, weil alle Kontinente wieder zu einem Urkontinent verschmolzen sind) erlebt, ist aus vielen Gründen etwas Besonderes. Mich hat dieses Buch jedenfalls ziemlich gepackt und für einige Stunden in die ferne Zukunft katapultiert – die Mischung aus Fantasy, Science-Fiction und spannendem Abenteuerbuch ist einfach gelungen. „Pangea“ ist kein tiefschürfendes Jugendbuch, aber kurzweilige Unterhaltung auf hohem Niveau.

Alles in allem: Ein Buch für (ja, so was soll es geben!) verregnete Tage in den Sommerferien, an denen nicht ans Freibad oder an eine Radtour zu denken ist. Mit diesem Buch kann man sich sogar auf schlechtes Wetter freuen!

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(Ulf Cronenberg, 14.08.2008)

Wer sich übrigens ein bisschen was aus „Pangea“ – gelesen von den Autoren – anhören will, der wird auf Mario Giordanos Homepage fündig. Leider halten die Lesungen nicht ganz mit der Qualität des Buches mit… 😉

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