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Buchbesprechung: Suresh & Jyoti Guptara "Calaspia. Die Verschwörung"

Cover GuptaraLesealter 10+(rororo rotfuchs 2008, 714 Seiten)

Tja, mit literarischen Wunderkindern ist das immer so eine Sache. Groß vorab umworben wurden die beiden Zwillingsbrüder Suresh und Jyoti Guptara, die gerade mal 20 Jahre alt sind, schon vor dem Erscheinen des ersten Bandes ihrer Fantasy-Saga. Erinnert hat mich das an Christopher Paolini, der ebenfalls schon vorab wegen seiner Eragon-Trilogie (die übrigens im Oktober 2008 mit dem letzten Band vervollständigt werden soll) hochgelobt wurde. Nun, Christopher Paolini ist mit seinen bisher erschienenen zwei Eragon-Bänden inzwischen gut im Rennen, und seine Bücher werden von vielen Jugendlichen verschlungen. Ob die Guptara-Zwillinge, väterlicherseits indischer und mütterlicherseits britischer Herkunft, mit „Calaspia“ das auch schaffen?

Inhalt:

Bryn Bellyset, der einer bekannten Brauerfamilie entstammt, kommt nach vierjähriger Lehrzeit in einem Kloster der Apheristen wieder in das Dorf zurück, in dem er die Jahre davor verbracht hat: nach Quivelda, in dem die geselligen Hue-Barue leben. Er wird dort mit einem großen Fest geehrt und empfangen, und seine jugendlichen Freunde planen in dieser Nacht, der feiernden Dorfgesellschaft einen ihrer zahlreichen Streiche zu spielen, die sie so sehr mögen. Sie wollen als Monster verkleidet die Dorfbewohner erschrecken.

Doch die Wirklichkeit ist wesentlich schlimmer als der Streich, denn das Dorf wird gegen Mitternacht tatsächlich von schrecklichen Wesen überfallen – und Bryn bemerkt zunächst gar nicht, was sich abspielt, weil er anfangs denkt, dass dahinter seine Freunde stecken. Das Dorf wird in Brand gesteckt, viele der Barue werden getötet, der Rest gefangen genommen. Nur durch großes Glück entkommt Bryn den Monstern – ebenso wie Telserea und Dordios, die in der Nacht auf Jagd gegangen sind. Gemeinsam folgen sie den Monstern, die die Dorfbewohner nach einem tagelangen Gewaltmarsch in ein Gefangenenlager führen.

Mit weiteren Verbündeten, darunter dem berühmten kampfstarken Zwerg Galar Sturlison sowie den Nephelim, einem Waldvolk, gelingt es ihnen schließlich, die Dorfbewohner zu befreien. Doch für Bryns Lehrmeister Thybil ist klar, dass Calaspia Schlimmes bevorsteht: Die Ostentum, die vor längerer Zeit besiegt und eigentlich ausgerottet wurden, scheinen zurückgekehrt zu sein und das Imperium erneut zu bedrohen. Thybil und seine Gefährten machen sich auf den Weg in die Hauptstadt des Reiches, um dort den König und das Volk zu warnen – eine gefährliche Reise, an der auch Brynn und sein Freund Mittni teilnehmen… Doch der König und sein Rat wollen nicht auf Thybil, der anscheinend nicht nur ein einfacher Lehrmeister ist, sondern im letzten Kampf gegen die Ostentum eine besondere Rollen gespielt hat, und auf seine Warnung hören.

Bewertung:

„Calaspia. Die Verschwörung“ ist von Anfang an ein typisches Fantasy-Buch mit verschiedenen Völkern: den Barue-Hu, die über telepathische Fähigkeiten verfügen, den Zwergen oder den Nephelim – aber natürlich auch gefährlichen Monstern wie den Nurgor sowie den Ostentum. Dass hinter dem Bösen ein äußerst gefährlicher Drahtzieher steht, den man jedoch erst am Ende des Buches kennen lernt, ist nicht verwunderlich und passt in die Gepflogenheiten des Fantasy-Genres.

Während des Lesens habe ich mich immer wieder gefragt, ob der erste Band der Gebrüder Guptara ein gutes Fantasy-Buch ist. Zumindest am Anfang hatte ich da so meine Zweifel. Das Buch hat doch die ein oder andere Schwäche – vor allem im erzählerischen Bereich. Es kam mir immer wieder etwas ungelenk vor, wie z.B. der Erzähler völlig unerwartet auf einmal die Gefühle einer Figur aus der Innensicht beschreibt, wo vorher noch aus neutraler Perspektive erzählt worden war. Nicht so richtig gelungen fand ich auch, wie die parallelen Erzählstränge in das Buch eingebaut wurden. Es wird oft erst hinterher erzählt, wenn die Gefährten wieder zusammengeführt werden, was die anderen erlebt haben. Der Spannung wäre es zuträglicher gewesen, die Erzählstränge parallel in mehreren Kapiteln immer abwechselnd zu erzählen.

Als hätten sich die beiden Zwillingsbrüder erst „warm schreiben“ müssen, haben diese Schwächen jedoch in der zweiten Hälfte des Buches nachgelassen. „Calaspia“ hat dann deutlich mehr Spannung entwickelt und wurde auch erzähltechnisch wesentlich runder, so dass sich das Buch zumindest am Ende doch noch zu einem richtig guten Fantasy-Buch gemausert hat.

Fazit:

4 von 5 Punkten. So richtig überzeugen konnte mich „Calaspia. Die Verschwörung“, der ersten Band einer Fantasy-Saga, noch nicht – hoffnungsvoll stimmt mich jedoch, dass sich mit zunehmender Lesedauer die anfänglichen Schwächen des Buches verlieren. Am Ende habe ich das Buch aus der Hand gelegt und bedauert, dass die Geschichte nicht gleich weiter geht, sondern man erst auf den nächsten Band der Saga warten muss. Wer weiß, wann dieser folgt…

Mit den ganz Großen der Fantasyliteratur in den letzten Jahren (wie Christopher Paolini oder Jonathan Stroud) können es Suresh und Jyoti Guptara noch nicht aufnehmen. Aber beachtlich ist es trotzdem alles in allem, was die beiden in jungen Jahren da geschrieben haben. Wenn sie sich in den nächsten Bänden weiter so steigern wie innerhalb des Buches, könnte uns noch Besonderes erwarten.

Etwas verwundert bin ich übrigens über die Altersangabe des Rowohlt-Verlages – auf der Webseite zum Roman heißt es, dass das Buch ab 9 Jahren sei. Das erscheint mir etwas sehr großzügig bemessen. Aber ab 10 Jahren mit viel Leseerfahrung, ansonsten ab 11 Jahren – vorausgesetzt, man mag Fantasy-Bücher – kann man dieses Buch jugendlichen Leser durchaus empfehlen.

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(Ulf Cronenberg, 01.08.2008)

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