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Buchbesprechung: Brent Runyon "Maybe"

Cover RunyonLesealter 14+(Carlsen-Verlag 2008, 207 Seiten)

Es gibt doch immer wieder Buchcover, die mich einfach begeistern – gerade bei Jugendbüchern findet man oft tolle Buchumschläge. Das Cover von Brent Runyons „Maybe“ ist jedenfalls ein Blickfang: der gelbe Mond auf schwarzem Hintergrund, die von links nach rechts heller werden Schrift des Titels – da stimmt einfach alles.

Der Amerikaner Brent Runyon hat mit „Maybe“ sein erstes Buch verfasst – seltsam ist es irgendwie, wenn man dann als Hintergrundinformation über den Autor im Buchumschlag liest, dass der Autor nach einem Selbstmordversuch im Alter von 14 Jahren angefangen hat, zu schreiben… Nach Lektüre des Buches weiß man jedoch, dass die Geschichte eben etwas damit zu tun hat.

Inhalt:

Brian ist mit seiner Familie in ein neues Haus gezogen und muss deshalb auch die Schule wechseln. Sein eineinhalb Jahre älterer Bruder ist vor kurzem gestorben, aber als Leser erfährt man nichts Genaueres darüber, was genau vorgefallen ist. Die Familie scheint über den Todesfall nicht hinwegzukommen, jedenfalls sprechen Brian und seine Eltern nicht darüber – und auch sonst sitzen sie sich oft, ohne ein Wort miteinander zu wechseln, gegenüber.

In der neuen Schule fühlt sich Brian zunächst einmal wie ein Fremdkörper – und irgendwie hat er auch nicht so richtig Lust, auf seine Mitschüler zuzugehen. Nur den hübschen Mädchen schaut er interessiert hinterher – sein sehnlichster Wunsch ist es, endlich mit einem Mädchen zu schlafen. Doch alle seine diesbezüglichen Versuche missglücken.

Eines Tages spricht ihn Dan an – ein Schüler, der sich nicht um die anderen kümmert und trotzdem beliebt bei seinen Mitschülern zu sein scheint. Dan ist es auch, der Brian schließlich dazu bringt, in die Theatergruppe der Schule zu gehen. Dort üben sie ein Stück ein, bei dem die Schauspieler in Gebärdensprache kommunizieren müssen – Brian fehlt zunächst jegliches Selbstvertrauen, seine Rolle zu schultern.

Als Dan dann mit Amy – ausgerechnet dem Mädchen, das auch Brian sehr gut gefällt – eine Beziehung anfängt, kriselt auch die Freundschaft zwischen Brian und Dan – zumal Dan nicht immer ehrlich mit Amy umgeht…

Bewertung:

„Maybe“ ist ein typischer Pubertätsroman, über einen Jungen, der nicht weiß, wo er im Leben steht, sich nach so vielem sehnt, aber nicht weiß, wie er es bekommen soll. Erst nach und nach findet Brian ein wenig zu sich selbst, immer wieder kommt es jedoch zu Rückschlägen. Immerhin gelingen ihm schließlich Dinge, die er sich vorher selbst nie zugetraut hätte: z.B. das Vorsprechen für die Verteilung der Rollen in dem Theaterstück. Und als er schließlich die Rolle bekommt, die er sich ausgesucht hat, ist er zunächst einmal glücklich.

Dass Brent Runyons Buch etwas bahnbrechend Neues beinhaltet, kann man nicht unbedingt sagen. Dass ein Junge gerne endlich mit einem Mädchen anbandeln möchte, dass im Hintergrund die tragische Geschichte um den Tod seines Bruders steht – das ist nichts wirklich Neues. Dennoch: „Maybe“ liest sich gut und hat mich gestern Abend bis Viertel nach ein Uhr (gut, ich musste heute nicht so früh aus dem Bett) in seinen Bann gezogen. Kaum war eines der eher kurzen Kapitel beendet, wollte ich wissen, wie es weitergeht. Also habe ich mit dem nächsten Kapitel begonnen, dann mit dem übernächsten – usw. Fast eine Stunde ging das so – und ich war schon kurz vor dem Ende des Buches, als ich schließlich doch noch das Licht ausgemacht habe, um am nächsten Tag nicht völlig übermüdet zu sein.

Brent Runyon versteht es, den Leser bei der Stange zu halten – vielleicht auch deswegen, weil Brian ein wirklich ganz normaler Junge ist und damit auf besondere Art und Weise sympathisch wirkt. Und so ist auch das Buch angelegt: Man findet darin keine überdramatischen Vergleiche und sprachlichen Bilder – sondern alles scheint aus dem ganz normalen Leben gegriffen.

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. Brent Runyon hat mit „Maybe“ einen unaufgeregten Pubertätsroman geschrieben, der auf sympathische Art und Weise von den Nöten und Problemen der Jugendzeit handelt: wie Brian einerseits unbedingt endlich mit einem Mädchen schlafen will, wie er andererseits über den Tod seines Bruders hinwegzukommen versucht, aber lange Zeit überhaupt nicht darüber reden kann – weder mit seinen Eltern noch mit anderen.

Die Lebensnähe dieses Jugendromans ist ein klein wenig auch seine Schwäche: Es setzt sich nicht so richtig von anderen Büchern, die ähnliche Themen haben, ab – und deswegen reicht es bei diesem Buch auch nicht für 5 Punkte. Dennoch: Brent Runyon – das soll zum Schluss noch einmal betont werden – gelingt alles in allem sehr gut der Spagat zwischen „deutlich sagen, was Sache ist“ und einfühlsamer Schreibweise.

„Maybe“ ist sicher eher ein Buch, das man Jungen (ab 14 Jahren) als Mädchen empfehlen kann.

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(Ulf Cronenberg, 17.07.2008)

Kommentare (0)

  1. landeplatzderengel

    Das kommt doch selten vor. Eine Rezension beginnt mit – dem Cover. Ich habe genau deshalb danach gegriffen und auf eine sonderbare Weise hält das Buch, was das Cover verspricht. Über so etwas habe ich mit meinem Verlag schon unangenehme Diskussionen gehabt, beim „Landeplatz“ auch wieder…
    Bei Maybe haben Cover und Geschichte diese schlichte Sogwirkung.

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  2. Antonia

    Ich hab das Buch gelesen (auch fertig gelesen), obwohl es nicht so mein Fall war. Alles in allem ist es ein ganz nettes Buch, aber vielleicht muss man ein Junge sein, um die Probleme des Protagonisten verstehen bzw. nachfühlen zu können.
    Antonia (14)

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  3. GG

    Ich habe das Buch gelesen und es gefällt mir wirklich sehr gut. Da ich auch ein Junge bin, habe ich auch leicht verstanden, was die Probleme von Brian waren.

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  4. A.

    Welchen Zusammenhang hat das Buch mit dem Titel? Es hat mir super gefallen, dieses Buch!

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