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Buchbesprechung: Paul Rambali "Der Mann, der barfuß lief"

Cover RambaliLesealter 13+(Carlsen-Verlag 2008, 399 Seiten)

Der Marathonlauf ist eine der Königsdisziplinen der Leichtathletik. 42,195 Kilometer – eine wahnsinnig lange Strecke, die man nur mit eisernem Willen und Training meistern kann. Der Ursprung dieser Disziplin liegt angeblich im Lauf eines Soldaten in der Antike, der von Athen nach Sparta gelaufen war, um den Sieg in der Schlacht von Marathon zu verkünden. Der Soldat soll dabei nach der Ankunft tot zusammengebrochen sein.
„Der Mann, der barfuß lief“ ist die Lebensgeschichte des Äthiopiers Abebe Bikila – eines außergewöhnlichen Mannes, denn er errang bei dem Marathonlauf in Rom 1960 als erster Afrikaner überhaupt bei den Olympischen Spielen eine Goldmedaille. Paul Rambali, Musikjournalist und Autor von einigen Büchern über Entwicklungsländer, hat sich der wahren Geschichte des Abebe Bikila angenommen und daraus ein (Jugend-)Buch gemacht.

Inhalt:

Abebe Bikila wächst in einem armen äthiopischen Dorf auf und hütet dort u.a. die Ziegen. Sein Vater war früher im Befreiungskrieg Soldat – und Abebes Traum ist es, wie sein Vater Soldat zu werden, und zwar in der Leibgarde des äthiopischen Königs Haile Selassie. Und so macht er sich eines Tages zu Fuß in die Hauptstadt Addis Abeba auf, um in den Dienst des Königs zu treten.
Nach einer langen und beschwerlichen Reise erreicht er schließlich die Hauptstadt und wird wirklich in die Leibgarde des Königs aufgenommen. Als der König – angeschoben durch den Finnen Onni Niskanen, der schon in Skandinavien Läufer trainiert hatte und ein Angebot, in Äthiopien Läufer zu trainieren, angenommen hat – unter seinen Soldaten geeignete Sportler sucht, fällt dem Lauftrainer auch Abebe Bikila auf. Und schon bald nimmt dieser am regelmäßigen Training teil.
Abebe wird immer besser im Langstreckenlauf (für Kurzstrecken ist er nicht so geeignet) und gewinnt erste Rennen in Äthiopien. Einige Zeit später beschließt Niskanen mit Unterstützung des Königs, äthiopische Läufer an den Olympischen Spielen teilnehmen zu lassen – und Abebe Bikila bekommt unerwarteterweise sein Chance, 1960 beim Marathon mitzulaufen, weil ein anderer äthiopischer Läufer ausfällt.
Das Unglaubliche passiert: Abebe Bikila gewinnt in Rom den Marathon und wird, weil er der erste Goldmedaillengewinner Afrikas bei den Olympischen Spielen ist und zudem den Marathon barfuß gelaufen ist, eine Legende. Doch in Äthiopien spitzt sich die Situation zu und es kommt zu einer Revolution gegen den König, in die ungewollterweise auch Abebe hineingezogen wird…

Bewertung:

„Die Geschichte des Abebe Bikila“ – diesen Untertitel trägt das Buch – ist eine äußerst ungewöhnliche Geschichte, die mich mit zunehmender Lesedauer immer mehr gefangen genommen hat. Das Buch erzählt Abebes Leben nicht chronologisch, sondern beginnt damit, dass der äthiopische Läufer im Krankenhaus ist und behandelt wird, weil er nicht mehr laufen kann. Dieses Motiv des Läufers, der nach einem Unfall nicht mehr gehen kann, wird immer wieder einmal in das Buch eingestreut, ansonsten ist die Geschichte linear erzählt. Und das ist und bleibt das ganze Buch über spannend.
Ganz nebenbei erfährt man in dem Buch so einiges über Äthiopien und die schwierigen Zustände in dem Entwicklungsland – doch bildet dies nicht den Schwerpunkt des Buches. Im Zentrum steht das Leben Abebe Bikilas und Onni Niskanens, des sympathischen Trainers.
Interessant fand ich, wie Paul Rambali von den Marathonläufen Abebe Bikilas erzählt hat. Er beschreibt sie nicht von Anfang bis zum Ende aus der Sicht von Abebe Bikila, sondern wechselt dabei immer wieder die Perspektive. Mal „springt“ der Autor in den äthiopischen Königspalast, wo der König die Radiosendung live verfolgt, mal wechselt er zu Niskanen und schildert dessen Erleben des Marathonlaufs. Man könnte meinen, dass Paul Rambali damit nicht alle Spannung aus den Langstreckenrennen herausholt – aber im Gegenteil: Ich fand es eher wohltuend, weil relativ unaufgeregt und leise die Geschichte des stillen Läufers erzählt wird.
Überhaupt lebt das Buch von der Bescheidenheit seiner beiden Hauptpersonen, die menschlich dargestellt sind und dem Leser immer sympathisch bleiben.

Fazit:

5 von 5 Punkten. „Der Mann, der barfuß lief“ ist ein ganz besonderes Buch, das aus den Veröffentlichungen dieses Frühjahrs heraussticht. Die Lebensgeschichte des Abebe Bikila erinnert mich ein wenig an ein anderes Buch: „Keeper“ von Mal Peet – wobei es auch Unterschiede zwischen beiden Büchern gibt. Während Mal Peet seine Hauptfigur erfunden hat (aber sich in manchem an wirkliche Personen und Begebenheiten anlehnt), erzählt Paul Rimbali das Leben eines ganz besonderen Menschen nach und bemüht sich – wie ich vermute -, möglichst getreu die historische Wirklichkeit abzubilden.
Überhaupt nichts Kritisches über dieses Buch? Nun, man merkt an der Art, wie das Buch geschrieben ist, vielleicht manchmal, dass da nicht ein routinierter Schriftsteller am Werke ist. Aber seltsamerweise habe ich das nicht als etwas Negatives erlebt, sondern fand, dass genau dies das Buch so authentisch und sympathisch macht.
Ich kann allen lesebegeisterten Jugendlichen wirklich nur raten, dieses Buch zu lesen. Ihr werdet es nicht bereuen!

blau.giflila.gifrot.gifgelb.gifgruen.gif

(Ulf Cronenberg, 29.06.2008)

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