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Buchbesprechung: Ulrike Schweikert "Die Maske der Verräter"

Cover SchweikertLesealter 10+(cbj-Verlag 2007, 478 Seiten)

Aufmerksame Leser von Jugendbuchtipps.de wissen, dass ich nicht gerade ein begeisterter Leser von historischen Romanen bin. Da jedoch an unserer Schule vor ein paar Tagen eine Lesung von Ulrike Schweikert stattfand, habe ich zwei Tage vorher begonnen, ihr neuestes Buch „Die Maske der Verräter“ zu lesen – und bin dann hängen geblieben, weil mich die Geschichte von der ersten Seite an gefesselt hat.
Außerdem habe ich einen persönlichen Bezug zu dem Buch, denn es spielt im Mittelalter in Würzburg, wo ich ja wohne. Es hat mich immer wieder gefreut, auf Straßennamen und Orte zu stoßen, die ich selbst kenne – auch wenn von den alten Gebäuden, da Würzburg am Ende des zweiten Weltkrieges fast vollständig zerstört wurde, nicht mehr allzu viel übrig geblieben ist.

Inhalt:

Jos hat die Reichsstadt Hall im Jahr 1453 verlassen, um in Würzburg nach einer Lehrstelle zu suchen. Er möchte gerne Schmied werden. Begleitet von der jungen Sara, die ihn liebt und mit ihm gegangen ist, treffen sie in Würzburg angekommen sogleich auf einen Schmied, der Mühe hat, das Pferd eines Fremden zu beschlagen. Sein Lehrling ist erkrankt und sein Geselle unterwegs, um Besorgungen zu erledigen. Jos wittert seine Chance, dem Schmied zu helfen, und so auf sich aufmerksam zu machen… Schließlich darf er dem Schmied zur Hand gehen, um das widerspenstige Pferd zu beschlagen. Doch dann stellt er ohne Aufforderung das eine Bein des Pferdes ab, als der Schmiedemeister gerade etwas trinkt, und wird von dem Schmied zur Strafe deswegen heftig geschlagen.
Ein alter Mann, der die Szene beobachtet hat, rät Jos dringend davon ab, bei dem alten „Pferdeschinder“, wie er sich ausdrückt, zur Lehre zu gehen. Stattdessen nimmt er Jos mit und verspricht ihm, ein gutes Wort bei seinem Sohn Hermann Buchner einzulegen, der selbst Schmied ist. So bekommt Jos schließlich doch noch seine Lehrstelle – und Sara kommt zunächst bei den Beginen (einem mittelalterlichen Orden) unter.
Als am Abend einige Reiter aufgebracht zu Hermann Buchner kommen und dieser schnellstmöglich eines der Pferde beschlagen soll, belauscht Jos das Gespräch der Fremden. Er erschrickt, denn er bekommt mit, dass die Reiter wohl einen Anschlag auf eine wichtige Person, deren Namen sie nicht nennen, planen. Als er seinem Meister davon erzählt, sagt dieser in aller Deutlichkeit, dass er sich nicht um diese Dinge kümmern solle. Doch Jos geht das alles nicht aus dem Kopf und so sucht er nach weiteren Informationen über den Mordkomplott.
Hierbei hilft ihm u.a. Rebecca, eine junge Frau, die auch aus Hall kommt, in die er verliebt war und die er nicht vergessen kann. Doch Rebecca hat den Würzburger Henker geheiratet, und es ist für normale Bürger nicht statthaft, mit Henkersleuten umzugehen. Eine aussichtslose Liebe. Als Sara schließlich entdeckt, dass Rebecca ebenfalls in Würzburg ist und Jos wohl nicht zufällig diese Stadt ausgesucht hat, um eine Lehrstelle zu suchen, gerät er auch mit Sara in Schwierigkeiten.

Bewertung:

Man könnte „Die Maske der Verräter“ als einen mittelalterlichen Kriminalroman bezeichnen – denn die Verschwörung der unbekannten Männer gegen eine wichtige Person, die sie töten wollen (übrigens eine wahre Begebenheit), steht im Zentrum des Buchs. Jos, den das eigentlich alles nichts angeht, kann nicht davon lassen, den Verschwörern auf die Spur zu kommen – und mehr als einmal gerät er dabei selbst in große Schwierigkeiten. Für Spannung ist also gesorgt…
Doch Ulrike Schweikerts Buch ist mehr als nur ein mittelalterlicher Kriminalroman. Man erfährt so einiges über die mittelalterliche Ständegesellschaft (z.B. dass die Henkersfamilie gemieden wird, weil dies Unglück bringt) – und zwar nebenbei und ohne dass man das Gefühl hat, man soll hier belehrt werden.
Darüber hinaus hat Ulrike Schweikert mit Jos, Sara und Rebecca drei sehr sympathische Figuren geschaffen (die übrigens schon im Roman „Das Jahr der Verschwörer“, der die Vorgeschichte in Hall zum Thema hat, vorkommen), mit denen man sich immer wieder identifizieren kann. Gerade die Dreiecksbeziehung – Jos fühlt sich zu Sara und zu Rebecca hingezogen – sorgt dafür, dass das Buch auch auf einer anderen Ebene als auf der des Mordes spannend bleibt. Und wie diese verschiedenen Ebenen miteinander verbunden werden, das ist große Klasse.
Überhaupt bleibt das Buch von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Immer wieder passieren unerwartete Dinge – das bleibt bis zum Schluss so.

Fazit:

5 von 5 Punkten. Mit „Die Maske der Verräter“ ist Ulrike Schweikert ein toller historischer Roman gelungen, der nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene interessant zu lesen ist. Dass das Buch nicht nur mich gefesselt hat, wurde deutlich, als nach der Autorenlesung eigentlich alle Schüler meiner sechsten Klasse (selbst die Lesemuffel) das Buch unbedingt lesen wollten (die auch anwesenden Achtklässler dagegen waren übrigens bei weitem nicht so begeistert).
Hm, mein Urteil über historische Roman – so sie denn so gut geschrieben sind wie Ulrike Schweikerts Buch – muss ich vielleicht doch revidieren. „Die Maske der Verräter“ hat mir jedenfalls beim Lesen richtig Spaß gemacht und ich habe einige Abend länger mit dem Schmöker im Bett gelegen, als ich das eigentlich wollte. Was kann man über ein Buch Besseres sagen, als dass man dafür sogar die Müdigkeit am nächsten Tag in Kauf nimmt? (ab 10/11 Jahren)

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(Ulf Cronenberg, 27.05.2007)

Lektüretipp für Lehrer!

Jos geht bei einem Schmied im mittelalterlichen Würzburg in die Lehre und bekommt mit, dass ein paar finstere Gestalten einen Mord planen. Ein spannender historischer Kriminalroman, der nebenbei unauffällig auch einiges über die mittelalterliche Gesellschaft verrät.
Das Buch ist mit seinen fast 500 Seiten zwar etwas lang (von daher nur für lesebegeisterte Klassen geeignet), aber meine 6. Klasse war nach einer Lesung der Autorin von dem Buch sehr angetan – und zwar durch die Bank (auch die Lesemuffel!). Allerdings würde ich es nur als Lektüre bis Mitte der 7. Jahrgangsstufe empfehlen – für ältere Jugendliche hat das Buch zu wenig Aktion. Die Spannung ist eher subtil.

Kommentare (0)

  1. Rebecca

    Ich habe das Buch „Das Jahr der Verschwörer“ als Schullektüre gelesen, und ich fand das Buch von Anfang an gut! Dann habe ich dieses Buch entdeckt und will es jetzt unbedingt auch lesen … 😉
    Freu mich schon drauf …

    Antworten

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