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Buchbesprechung: Tobias Elsäßer "Vielleicht Amerika"

Cover ElsäßerLesealter 13+(Sauerländer-Verlag 2008, 151 Seiten)

„Vielleicht Amerika“ ist nicht Tobias Elsäßers erstes Buch – aber das erste, das ich von ihm gelesen habe. Man könnte Tobias Elsäßer wohl mit seinem jungen Alter (Geburtsjahr 1973) als so etwas wie einen deutschen Nachwuchsautor bezeichnen – aber das greift zugleich zu kurz. Denn der aus Baden-Württemberg stammende Autor hat noch einiges andere in seiner Biografie stehen: Er arbeitet u.a. auch als freier Journalist, Musiker und Gesangslehrer.
Die Liebe zur Musik – das erkennt man schon auf dem Buchcover, beim Lesen dann auch an den Kapitelüberschriften – spielt in dem Buch eine große Rolle. Schön, da haben der Autor und ich etwas gemeinsam…

Inhalt:

Julie ist ein 14-jähriges Mädchen, das mit seiner Mutter alleine in Berlin aufwächst. An ihren Vater hat Julie so gut wie keine Erinnerung mehr, denn dieser ist, als sie noch ein Kleinkind war, gestorben. Julies Mutter ist seitdem depressiv, hat bereits einen Selbstmordversuch hinter sich und hängt den ganzen Tag zu Hause herum.
Julie weiß kaum etwas über ihren Vater, denn ihre Mutter weigert sich, über ihn zu sprechen. Was ihr lediglich bekannt ist: dass ihr Vater ein gerade aufstrebender Schlagersänger war, der mit seinen ersten beiden CDs großen Erfolg hatte, dann aber bei einem tragischen Unfall ums Leben kam.
Julie lernt über die Schule Nils kennen, einen Jungen, der nicht nur gut in der Schule ist und ihr deswegen Nachhilfe in Mathematik gibt, sondern auch ein begnadeter Musiker ist. Und so kommt es, dass Julie, die gerne singen möchte, sowohl ihre Mutter als auch Nils belügt, um von Nils Gesangsstunden zu bekommen. Nils gaukelt sie vor, dass ihre Mathematiknote besser geworden sei und ihre Mutter ihr daher den Gesangsunterricht finanziere. Ihre Mutter weiß davon jedoch nichts und geht nach wie vor davon aus, dass Julie Mathenachhilfe bekommt.
Außerdem hat Julie einen Traum: Sie möchte in den Sommerferien über ein schulisches Austauschprogramm nach New York – ihre schlechte Note in Mathematik hat jedoch zur Folge, dass sie dafür nicht in Frage kommt. Doch dann gibt ihr ihre Klassenlehrerin eine zweite Chance: Sie soll in einem mindestens 10-seitigen Aufsatz begründen, warum sie unbedingt an dem Austauschprogramm teilnehmen möchte.
Und dann entdeckt Julie in einem Dachbodenzimmer eine Art Notizbuch und andere Unterlagen von ihrem Vater. Sie versucht mehr über dessen geheimnisvolles Leben herauszufinden und entdeckt dabei nicht nur Angenehmes…

Bewertung:

„Vielleicht Amerika“ ist ein Buch, das man schnell ausgelesen hat – nicht nur, weil es eher dünn ist, sondern auch, weil die Geschichte packend und abwechslungsreich erzählt ist. Geschickt hat Tobias Elsäßer viele verschiedene Ebenen ineinander greifen lassen: Julies Liebe zur Musik, das Geheimnis um ihren Vater, das ihre Mutter verborgen halten möchte, das Verliebtsein Julies in Nils und einiges mehr. Das alles sind Themen, die Jugendliche interessieren.
Tobias Elsäßers Buch ist letztendlich eine Art Entwicklungsroman über ein Mädchen, das im Laufe des Buches zu sich selbst findet, indem es einige Schwierigkeiten überwindet und über seine Herkunft mehr zu erfahren versucht. Der Schreibstil ist dabei nicht gerade bahnbrechend, aber solide – das macht das Buch jedoch recht authentisch.
Es gibt jedoch eine Stelle, an der ich das Buch etwas irritiert aus der Hand gelegt habe und fand, hier hätte der Autor mehr schreiben müssen. Julie besucht, um der Spur ihres Vaters zu folgen, irgendwann dessen früheren Agenten, der inzwischen in einem Altersheim lebt. Sie fragt ihn über das Leben ihres Vaters aus – und flüchtet dann maßlos enttäuscht aus dessen kleiner Wohnung. Hier ging mir in dem Buch einfach alles zu schnell und so richtig nachvollziehbar war für mich nicht beschrieben, was in Julie vorging.
Doch diese kleine Schwäche bleibt die Ausnahme – alles andere in dem Buch ist stimmig und eindrücklich beschrieben.

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. Bis auf die genannte Schwäche ist „Vielleicht Amerika“ ein tolles Buch, das sicher begeisterte Leser unter Jugendlichen finden wird – allein schon, weil es ja nicht wenige Jugendliche gibt, die ebenso davon träumen, irgendwann als Rockmusiker (sei es als Sängerin wie Julie oder als Gitarrist, Schlagzeuger, etc.) berühmt zu werden. (Ja, hätte ich doch damals mehr Gitarre geübt… 🙂 ).
Tobias Elsäßer – das merkt man – weiß über das, was er da schreibt, Bescheid und kennt wohl einiges aus eigener Erfahrung. Und genau das macht das Buch so sympathisch.

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(Ulf Cronenberg, 15.04.2008)

Kommentare (0)

  1. tanja

    Hallöle,
    die Buchkritik ist perfekt formuliert worden, und eine sehr große Hilfe für mein Referat über dieses Buch. Ich kann dieses Buch mit gutem Gewissen weiterempfehlen, weil ich es in nur einem Tag verschlungen habe.
    Es lohnt sich wirklich, das Buch zu kaufen.

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  2. Julia

    Moin,
    ich habe gerade erst mit dem Buch angefangen, habe die ersten 20 Seiten gelesen und finde es super. Eigentlich wollte ich noch weiterlesen, aber es war schon so spät.
    Ich kann das Buch auch nur empfehlen, obwohl ich noch gar nicht richtig angefangen habe, es zu lesen … 🙂

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  3. Anna

    Hey Ho … 🙂
    Wirklich ein sehr tolles Buch für die Mädels in meinem Alter (um die 15).
    Ich habe das Buch gerne gelesen und lese es auch gerne ein zweites Mal … 🙂

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  4. Martina Lechner

    Das Buch „Vielleicht Amerika“ ist ganz spannend zu lesen …

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