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Buchbesprechung: Robert Habeck & Andrea Paluch "Unter dem Gully liegt das Meer"

Cover Habeck & PaluchLesealter 14+(Sauerländer-Verlag 2007, 165 Seiten)

Noch nicht ganz ein Jahr ist es her, dass ich „Zwei Wege in den Sommer“ von Robert Habeck und Andrea Paluch gelesen haben. Ein Jahr später liegt ihr nächstes Buch vor: „Unter dem Gully liegt das Meer“. Und nachdem ich von dem ersten Buch so begeistert war, habe ich ein das neue Buch erst mal ein bisschen aufgehoben und liegen gelassen. Es gibt Leute, die beim Essen immer das Leckerste zuerst essen, und es gibt Leute, die sich das Beste für den Schluss aufheben. Ich gehöre zu den Letzteren… 🙂
Die Gefahr war natürlich da, dass ich mich verkalkuliert habe und das Buch enttäuscht aus der Hand legen würde… Gleich wisst ihr mehr!

Inhalt:

Edda lebt auf der Insel Föhr und geht dort in die Abschlussklasse des Gymnasiums. Ihre Freiheit und Unabhängigkeit ist ihr sehr wichtig – und es ist von daher nicht verwunderlich, dass Edda einen Großteil ihrer Freizeit auf einem Surfbrett am Meer verbringt.
Im letzten Schuljahr kommt Jasper neu an die Schule – und alle Mädchen schwärmen von ihm. Doch ihn scheint das kalt zu lassen, er segelt in seiner Freizeit lieber auf seiner Segeljolle, mit der er auch zu seiner neuen Schule – er geht dort ins Internat – angereist ist.
Überhaupt ist Jasper in allem ungewöhnlich – er legt sich gerne mit Lehrern und Mitschülern an, diskutiert bis zum Umfallen und legt es dabei immer darauf an, eine andere Meinung als die anderen zu vertreten.
Nach einer großen Diskussion zwischen Jasper und Edda im Deutschunterricht über Antigone sehen sich die beiden kurz darauf in der Pause und beschließen, gemeinsam den weiteren Unterricht zu schwänzen, um ans Meer zu gehen. Und dort verlieben sie sich ineinander…
Doch nach einem halben Jahr beschließt Edda aus heiterem Himmel, ihrem bisherigen Leben, einschließlich dem Schulabschluss, den Rücken zuzukehren und verschwindet von einem Tag auf den anderen. Selbst Jasper erfährt davon erst am Abend vorher.
Der Zufall bringt Edda nach Berlin, wo sie in einer WG der autonomen Szene unterkommt. Und damit wird sie auch in die Geschehnisse um den G8-Gipfel in Heiligendamm, der im Juni 2007 stattfindet, hineingezogen. Doch heimlich hat sie sich in Heiligendamm mit Jasper, der sie mit seiner Jolle abholen will, verabredet. Ihre neuen Freunde wissen davon nichts… Doch alles wird schwieriger als gedacht.

Bewertung:

„Unter dem Gully liegt das Meer“ ist eines der Bücher, das ich mit Bedauern aus der Hand gelegt habe und von dem ich mir gewünscht hätte, dass es einfach weitergeht. Dabei war ich die ersten Seiten gar nicht so begeistert von der Geschichte. Wie Edda am Anfang von dem G8-Gipfel erzählt, über Politik und Gesellschaft nachdenkt – das war mir etwas zu dick aufgetragen und zu weitschweifig. „Puh!“ hab ich mir erst mal gedacht…
Doch mit Jasper, der später auch aus seiner Warte einen Teil der Geschichte erzählt, kommt gottseidank recht bald der Umschwung. Und von da an hat mich das Buch nicht mehr losgelassen.
Wie schon bei „Zwei Wege in den Sommer“, ist die Intensität, mit der die Geschichte erzählt wird, das, was mich besonders beeindruckt hat. Edda und Jasper beschreiben als Erzähler ihre Gefühle, ihre Wünsche, Gedanken und Sehnsüchte, aber auch ihre Zweifel so genau, dass man das Gefühl hat, die beiden zu kennen. Die Differenzen, die dabei durch ihre verschiedenen Ansichten, durch die Hindernisse, die es für ihre Beziehung gibt, entstehen, geben dem Buch neben der äußeren Handlung mit dem G8-Gipfel auch bei der inneren Handlung eine Spannung, die es nie langweilig werden lassen.
Interessant fand ich es übrigens, dass das Buch ja bereits vor dem G8-Gipfel (wer darüber mehr wissen will, erfährt so einiges in diesem Artikel der Wikipedia) fertig gestellt war. Und trotzdem war wohl einiges so, wie es in dem Buch beschrieben wird – die von Polizisten im Buch getötete Person gab es in Heiligendamm aber nicht.

Fazit:

5 von 5 Punkten. „Unter dem Gully liegt das Meer“ ist eine Jugendbuch-Perle, die selbst für mich als Erwachsenen schimmert. Mir gefällt die Intensität des Buches, dieses Nachdenken der Hauptpersonen über Gott und die Welt, dass Edda und Jasper nicht alles einfach so hinnehmen wollen, wie es ist. Darüber hinaus ist Robert Habeck und Andrea Paluchs Buch eine schöne Liebesgeschichte, die jedoch nie kitschig wird – allein schon deswegen, weil es ja um viele andere Themen geht.
Hoffentlich bleiben die beiden Autoren dem Jugendbuch treu… Meine Erwartungen und Hoffnungen, die ich vorab in dieses Buch gesteckt habe, wurden jedenfalls bis auf den etwas weitschweifigen Anfang, nie enttäuscht.
Ein tolles Buch, das allen Jugendlichen ab 14 Jahren, die selbst viel über das Leben nachdenken, empfohlen werden kann!

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(Ulf Cronenberg, 28.08.2007)

Mehr über das Autoren-Ehepaar erfahrt ihr auf deren Website: http://www.paluch-habeck.de/.

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