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Buchbesprechung: Martina Wildner "Michelles Fehler"

Cover WildnerLesealter 11+(Bloomsbury-Verlag 2006, 282 Seiten – ab September 2008 auch als Taschenbuch)

„Michelles Fehler“ ist kein ganz neues Buch mehr. Aber nachdem ich neulich mal wieder im Buchladen war und mir von einer befreundeten Buchhändlerin (danke, Britta!) erzählen hab lassen, welche Jugendbücher ihr im letzten Jahr besonders gefallen haben, bin ich mit ein paar Tipps nach Hause gegangen. Und eines davon war eben das Buch von Martina Wildner.
Da es in dem Buch um Mobbing geht, war ich zusätzlich neugierig – denn mit dem Thema Mobbing beschäftige ich mich schon seit einigen Jahren (und habe darüber auch vor einem halben Jahr die Abschlussarbeit für meine Supervisionsausbildung geschrieben). Also, auf zum Fehlerberechnungsamt… (das klärt sich gleich auf :-))

Inhalt:

Michelle ist 14 Jahre alt und hat so einige Probleme: Ihre Eltern haben sich getrennt, Michelle ist für ihr Alter viel zu klein und schließlich sind da ihre Mitschülerinnen, die sie ständig hänseln und ärgern. Vor allem Lydia zieht sie ständig wegen ihrer geringen Größe auf und macht noch viel mehr Ärger: So stellt sie eine Webseite ins Internet, auf der pornografische Fotos mit Michelles Gesicht zu sehen sind. Und per Mail wird die Adresse der Webseite an alle Klassenkameraden verteilt.
Worunter Michelle auch leidet, ist, dass sie ständig Fehler macht – so tritt sie z.B. an einem Tag, an dem alles schiefläuft, ihrem kauzigen Französisch-Lehrer auf den Fuß, worauf dieser sie abfragt. Und weil ihre Mitschüler von hinten ständig „Sexy Michelle“ in ihr Ohr flüstern, kann sich Michelle nicht konzentrieren und bekommt eine schlechte Note.
Zur gleichen Zeit ist ein Sachbearbeiter im Fehlerberechnungsamt, in dem Gestorbene die Fehler Lebender beobachten und notieren, mit dem Namen Schmidt ziemlich aufgebracht. Er betreut seit kurzem den Fall Michelle und ist von Michelles ständigen Fehlern mehr als genervt. Penibel registriert er einen Fehler nach dem anderen, und um den Bearbeitungsfall Michelle loszuwerden, greift er unerlaubterweise auch noch in Michelles Leben ein, so dass sich ihre Probleme noch vergrößern. Alles spitzt sich immer mehr zu und Michelle kommt ernsthaft in Schwierigkeiten…

Bewertung:

„Michelles Fehler“ ist ein bezauberndes kleines Buch, das sich dem Thema Mobbing auf eine recht ungewöhnliche Art nähert. Es ist insbesondere der witzige Unterton, mit dem all die Geschehnisse um Michelle erzählt werden, der dazu führt, dass Martina Wildners Buch das Thema nicht so bierernst aufgreift. Unterstützt wird das vor allem durch die Idee mit dem Fehlerberechnungsamt, durch die auf einer anderen Ebene das Geschehen fortlaufend kommentiert wird. Die Einsträuungen der Sicht des Fehlerberechnungsamten, der sich über Michelles Verhalten so aufregt, bringen eine zusätzliche Distanz zu dem Geschehen. Immer wieder muss man außerdem schmunzeln, wie der Beamte Schmidt mit einer großen Portion Selbstmitleid jeden Fehler registriert.
Die Frage, ob man auf diese Art und Weise dem schwierigen Thema Mobbing und dem Leiden Betroffener gerecht wird, habe ich mir lange gestellt. „Michelles Fehler“ ist sicher kein Buch, das man zutiefst betroffen aus der Hand legt. Einerseits ging es mir so, dass ich das Thema Mobbing dadurch ein wenig verharmlost fand. Andererseits ist Martina Wildners Buch auch so etwas wie ein Mutmachbuch, das aufzeigt, dass man – auch als Betroffener – anders mit dem Thema umgehen kann. Ob eine solche Sichtweise allerdings der Realität standhält, wage ich zu bezweifeln. Aber man sollte sich „Michelles Fehler“ wohl eher als einem unterhaltsamen Kinderbuch nähern, als übermäßig viel darüber zu grübeln. Und dann ist das Buch – auch wenn ich in der Mitte mal fand, dass die Idee mit dem Fehlerberechnungsamt sich totgelaufen hat – zu empfehlen.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Ein Buch über Mobbing auf diese Art und Weise zu schreiben, ist ein gewisses Wagnis, da das Schikanieren und die Lebenssituation von Michelle fast etwas verharmlost wird. Aber es ist auf der anderen Seite auch mal gut, dass sich eine Autorin nicht mit Bleischwere diesem Thema annähert.
Meine winzige Kritik an dem Buch – daher auch nicht die volle Punktzahl – ist, dass die gute Idee für die Geschichte irgendwann im Laufe der Geschichte ein wenig an Reiz verliert. Trotzdem ist „Michelles Fehler“ ein witziges Kinderbuch, das schnell gelesen ist und bei dem man gut unterhalten wird. (ab 11 Jahren)

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(Ulf Cronenberg, 30.07.2007)

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