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Buchbesprechung: Joanna Harris "Feuervolk"

Cover HarrisLesealter 11+(cbj-Verlag 2007, 543 Seiten)

Oh, was war das für eine schwere Geburt! Man sollte dicke Schmöcker mit fast 550 Seiten (noch dazu eng bedruckt) einfach nicht zu lesen anfangen, wenn man dazu keine Zeit hat. Und dazu kam noch… – aber davon später mehr.
Mit der englischen Autorin Joanne Harris hat eine weitere Erwachsenen-Schriftstellerin einen Ausflug in die Welt der Jugendbücher gewagt. „Feuervolk“ – ein Fantasy-Roman – ist das erste Jugendbuch der Autorin, die vor allem durch eines ihrer Bücher, das verfilmt wurde, bekannt wurde: „Chocolat“. Der Film mit Juliette Binoche und Johnny Depp war vor ein paar Jahren ziemlich beliebt.
Doch zurück zu „Feuervolk“…

Inhalt:

Maddy ist ein Mädchen, das in dem Dorf Malbry bei ihren Eltern aufwächst und von allen als ziemlich sonderbar angesehen wird. Schuld daran ist unter anderem ein Runen-Mal, das seit ihrer Geburt auf ihrer linken Hand zu sehen ist. 500 Jahre nach dem Weltende ist Zauberei in allen Schattierungen verpönt – und das Mal auf Maddys Hand ist deswegen für die Bewohner von Malbry ein schlimmes Zeichen, steht es doch für Zauberkräfte. Und so hat Maddy eigentlich nur einen einzigen Freund: den seltsamen einäugigen Fremden, den die Bewohner von Malbry „Einauge“ nennen und der nur einmal im Jahr für ein paar Wochen in das Dorf kommt.
Von Einauge, der auf seiner Stirn ebenfalls eine Rune trägt, lernt Maddy auch, Zauber zu wirken. Und als Maddy eines Tages im Keller ihres Arbeitgebers, des Wirtes Mr. Scattergood, Kobolde mit einem Runenzauber zu vertreiben versucht, geht einiges schief. Sie öffnet ein Tor zur Druntenwelt und aus dem Loch kommen lauter unheimliche Kriechtiere. Maddy versucht dieses Missgeschick zu kaschieren, was ihr jedoch nicht richtig gelingt.
Einauge erklärt ihr kurz darauf, dass sie für eine Mission zur Verfügung stehen soll: Sie soll in der Druntenwelt den geheimnisvollen Flüsterer suchen. Was genau sich hinter dem Flüsterer verbirgt (und vor allem, wie gefährlich das ist), verschweigt Einauge jedoch. Er spricht nur davon, dass der Flüsterer ein geheimer Schatz sei.
Und so ist Maddy schon bald in ein großes Abenteuer verstrickt, in dem sie den alten Göttern von früher begegnet und mitten in einem Kampf zwischen verschiedenen Parteien steht…

Bewertung:

Als ich mit dem Buch etwa bis zur Hälfte durch war, erzählte mir eine befreundete Buchhändlerin, dass ihr „Feuervolk“ sehr gut gefallen habe und dass ein Mädchen, dem sie das Buch empfohlen hatte, auch sehr begeistert davon gewesen wäre. Diese Informationen kamen gerade zur rechten Zeit – denn nach der Hälfte des Buches war ich alles andere als begeistert von „Feuervolk“. Ich schleppte mich Stück für Stück, Seite für Seite durch den dicken Schmöker. Ob es an dieser tollen Beurteilung von „Feuervolk“ im Buchladen lag oder einfach daran, dass das Buch wirklich besser wurde, ist schwer zu sagen – jedenfalls zog mich fortan die Geschichte deutlich mehr in Bann.
Ich hatte jedenfalls am Anfang ziemlich Schwierigkeiten, in die etwas komplizierte Geschichte zu kommen. Das lag zum einen an der Sprache, die zwar kunstvoll, aber eben nicht einfach herunterzulesen ist, zum anderen aber auch daran, dass die Handlung mit den vielen Personen in einer komplexen Welt etwas schwer zugänglich ist. Doch nach 250 Seiten hatte ich mich „eingelesen“, hatte verstanden, worum es geht und konnte mich besser auf den Inhalt des Buches konzentrieren, der zunehmend spannend wurde. Und mit Maddy, aber auch vielen anderen Figuren in dem Buch, hat Joanne Harris wirklich tolle Fantasy-Personen erschaffen.
Was mich dann doch noch am Ende für das Buch eingenommen hat: „Feuervolk“ entwickelte sich immer mehr zu einem Buch, das viel Unerwartetes bereithält und in dem die vorher lose ausgelegten Fäden nach und nach auf nicht vorhersehbare Weise zusammengeführt werden. Am Ende war dann alles ganz anders, als man dachte – und das ist für mich immer ein wichtiges Qualitätskritierium.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Alles in allem hat Joanne Harris‘ Buch einen zwiespältigen Eindruck bei mir hinterlassen. Die anfangs komplizierte und nicht richtig spannende Geschichte wurde auf den letzten 200 Seiten richtig fesselnd – aber um dahin zu kommen, hatte ich eine längere Durststrecke zurücklegen müssen.
Vielleicht muss man dem Buch auch zugute halten, dass es einfach danach verlangt, sich ihm mit Ruhe und viel Lesezeit zu widmen, um richtig in die Geschichte eintauchen zu können – von daher war es für mich wohl das falsch gewählte Buch in einer ziemlich hektischen Zeit.
Ich kann mir jedenfalls gut vorstellen, dass „Feuervolk“ von jungen Fantasy-Fans ab 11 Jahren, die ein Buch nach dem anderen verschlingen, durchaus begeistert gelesen wird. Von daher sei meine Kritik vielleicht nicht zu ernst genommen. Aber verleugnen, dass ich selbst mich mit dem Buch schwer tat, will ich dennoch nicht.

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(Ulf Cronenberg, 14.11.2007)

Mehr über das Buch erfahrt ihr übrigens auf der hübsch gestalteten Website zu „Feuervolk“.

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