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Buchbesprechung: Eoin Colfer "Fletcher Moon – Privatdetektiv"

Cover ColferLesealter 10+(Carlsen-Verlag 2007 – 320 Seiten)

Da verschafft sich Eoin Colfer, der irische Autor mit dem feinsinnigen Humor, doch glatt noch ein zweites Standbein. Denn genauso, wie seine Artemis-Fowl-Bücher von Anfang an nach Fortsetzung rochen, so kann ich mir nicht vorstellen, dass es bei diesem einen Band mit dem jungen Privatdetektiv Fletcher Moon bleiben wird.
Die Spannung war jedenfalls groß, wie bei Eoin Colfer eine Detektivgeschichte aussehen wird. Dass man etwas zu lachen hat, davon bin ich ausgegangen… Ob ich enttäuscht wurde, erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest.

Inhalt:

Fletcher Moon, so heißt der geniale Junge, der schon im Kindergarten sein Fähigkeiten zum Aufdecken von Verbrechen entdeckte. Und jetzt mit 12 Jahren hat er bereits seine Marke als Privatdetektiv – ausgebildet an der bedeutenden Bernstein-Online-Akademie – erhalten, an die er jedoch nicht mit ganz legalen Mitteln gekommen ist. Denn Fletcher Moon musste die Daten seines Vaters, der den gleichen Namen wie er selbst trägt, eingegeben, um am Kurs teilnehmen zu dürfen. Doch trotz seines Alters hat Fletcher Moon den Kurs mit der Bestnote abgeschlossen…
Flechters „Dektektiv-Bibel“ hat sein großes Vorbild Bob Bernstein geschrieben – und einer der wichtigen Grundsätze darin heißt: „Setz die Puzzleteile zusammen, aber werde nie selbst ein Teil des Puzzles.“ Doch genau diese Regel muss Fletcher Moon in dem Buch brechen, denn er wird förmlich in einen Fall hineingezogen und steht auf einmal mitten im Geschehen.
Als – wie so oft in letzter Zeit – mal wieder etwas an Fletchers Schule geklaut wird, wird er von einer Gruppe von Mädchen gezwungen, sich des Falles anzunehmen. Alles deutet darauf hin, dass einer der Sharkey-Brüder, die für ihre langen Finger bekannt sind, schuldig ist. Doch ausgerechnet Red Sharkey knöpft sich, als er von Fletchers Auftrag, den Fall zu lösen, erfährt, den jungen Privatdetektiv vor. Und so wird Fletcher Moon auf einmal selbst eines der Puzzle-Teile. Denn seine weiblichen Auftraggeber möchten, dass er die Sharkeys überführt, während Red Sharkey Fletcher Moon zwingt, das Gegenteil zu beweisen… – unter anderem, indem Red dem jungen Detektiv seine Marke klaut. Gegen diese Schmach muss sich ein Fletcher Moon mit allen Mitteln wehren.
Der Fall wird immer komplizierter – und selbst dem cleveren Fletcher Moon scheint schon bald alles über den Kopf zu wachsen.

Bewertung:

Geniale Jungen, die alle anderen an der Nase herumführen, haben es Eoin Colfer anscheinend angetan. Auf den größenwahnsinnigen Artemis Fowl folgt Fletcher Moon, ein ebenso selbstüberzeugter Junge wie Artemis, der schon in jungen Jahren als Bester die Privatdetektivakademie abschließt. Doch je länger das Buch dauert, desto mehr lernt Fletcher Moon (im Gegensatz zu Artemis Fowl), bescheiden zu sein und seine Grenzen zu erkennen.
Eoin Colfer wäre nicht Eoin Colfer, wenn er nicht auch in dieses Buch eine gehörige Portion irischen Humors packen würde. Über Fletcher Moons Gedanken muss man jedenfalls immer wieder schmunzeln, oft auch lachen. Der junge Privatdetektiv wird mit einer XXL-Portion Selbstironie auf allen Schritten begleitet.
Eine Kostprobe? Voilà: „Ich habe Bücher gelesen, in denen Detektive Verdächtige angreifen. Diese […] haben mindestens zehn Jahre Training auf einem Berggipfel im Fernen Osten hinter sich. Ich hatte nichts Derartiges aufzuweisen. Mein größter Kampf bisher war mit einem Glas eingelegter Zwiebeln gewesen, das sich nicht aufschrauben lassen wollte.“ Colfers Buch ist voll von solchen witzigen Bemerkungen seines Helden.
Fletcher Moon ist alles in allem eine sympathische Figur – und selbst die Sharkeys, die von allen anderen nur gemieden werden, wachsen dem Leser nach und nach ans Herz.
Die Geschichte selbst – das ist am ehesten ein kleiner Kritikpunkt – wird im Laufe des Buches immer komplizierter. Der Fall, den Fletcher Moon zu lösen versucht, zieht immer weitere Kreise, so dass er am Ende fast etwas unübersichtlich wird. Spannend bleibt es aber bis zum Ende (auch wenn ich schon 20 Seiten vor Buchende ahnte, wie es ausgehen würde – aber so kurz vor dem Schluss ist das in Ordnung).

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. Mit „Flechter Moon – Privatdetektiv“ ist Eoin Colfer ein meisterhafter Einstieg in die Königsklasse der Detektivgeschichten für Kinder und Jugendliche gelungen. Die Geschichte hat Witz und Humor, ist gut auf ein Lesealter ab 9 Jahren abgestimmt, die Figuren werden liebevoll und doch immer etwas ironisch beschrieben, und die Geschichte ist spannend – auch wenn Eoin Colfer hier für einen nächsten Band noch ein wenig zulegen kann.
Jungen Möchtegern-Detektiven ab 9 bis 10 Jahren (die zu Hause selbst den Kosmos Meister-Detektiv-Kasten herumliegen haben) ist dieses Buch auf jeden Fall zu empfehlen – Leser über 12 Jahre wollen jedoch sicher noch etwas mehr Spannung und Action, als es dieses Buch bietet.

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(Ulf Cronenberg, 21.05.2007)

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