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Buchbesprechung: Victor Caspak & Yves Lanois “Die Rückkehr der Kurzhosengang”

Cover Caspak & LanoisLesealter 10+(Bloomsbury-Verlag 2006, 425 Seiten)

Man plaudert kein großes Geheimnis aus, wenn man schreibt, dass es Victor Caspak und Yves Lanois gar nicht gibt. Nein, die „Kurzhosengang“-Bücher haben andere geschrieben, nämlich Zoran Drvenkar und Andreas Steinhöfel.
Mit ihrem ersten Buch „Die Kurzhosengang“ haben die beiden sich in die Herzen vieler Kinder und Jugendlicher geschrieben – selbst als Schullektüre (das habe ich selbst ausprobiert) kam das Buch gut an. Und nun kehrt die Kurzhosengang zurück – man darf gespannt sein, wie die Geschichte weitergeht…

Inhalt:

Die Kurzhosengang – das sind nach wie vor Island, Snickers, Rudolpho und Zement, die nach ihrem Fernsehauftritt im kanadischen Fernsehen im ersten Band berühmt und geadelt in ihre Heimatstadt Okkerville zurückgekehrt sind. Doch am Tag – oder besser in der Nacht ihrer Rückkehr – passiert etwas höchst Ungewöhnliches: Zement ist spurlos verschwunden. Und weil seine Maschine (sprich: sein Fahrrad) von ihm zurückgelassen wurde, kann hier nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Ein Mitglied der Kurzhosengang würde niemals seine Maschine stehen lassen…
So haben Island, Snickers und Rudolpho schon bald die Vermutung, dass Zement entführt worden sein muss – und wer könnte anderes dahinter stecken als die die fünf Jungs der Pauli-Gang, die Erzfeinde der Kurzhosengang.
Doch die Spurensuche im winterlichen Okkerville ist alles andere als einfach – sie führt zunächst zu den Überbleibseln der alten Schule, die ein Orkan im ersten Band einstürzen hat lassen. Doch von Zement fehlt auch dort jede Spur… Und so macht sich die Kurzhosengang weiter auf die Suche und klappert das ganze Städtchen ab…

Bewertung:

„Die Rückkehr der Kurzhosengang“ ist genauso wie Band 1 ein Buch, dass stets witzig ist und dessen Geschichte eine Kapriole nach der anderen schlägt, in dem also immer wieder Unerwartetes und Ungeheuerliches passiert. Dass man als Leser ständig schmunzeln muss, liegt aber nicht nur an der Geschichte an sich, sondern auch an dem Schreibstil von Steinhöfel und Drvenkar. Die Jungs der Kurzhosengang benehmen sich wie die coolsten 16- bis 18-Jährigen, und was sie dabei von sich geben, ist mehr als amüsant. Darüber hinaus bietet der zweite Band einige neue interessante Figuren – darunter Holli, ein Punker-Mädchen, dass sich aber auch gar nichts gefallen lässt, und ihr Hund Johnny Rotten sowie der Mountie (Polizist) Tegebook, der sich in einen Wolf verwandeln kann.
Und dennoch: Irgendwie läuft sich dieser Witz im Laufe des über 400 Seiten langen Buches ein bisschen tot – zu viele Haken schlägt die Geschichte, und man hechelt als Leser ein bisschen hinterher. Das ging nicht nur mir so, sondern auch anderen (Kindern wie Erwachsenen), mit denen ich über dieses Buch gesprochen habe. Man fängt mit dem Buch an, fühlt sich sofort zu Hause, aber ab und zu wünscht man sich, dass die Autoren ein bisschen weniger dick aufgetragen hätten.

Fazit:

4 von 5 Punkten. „Die Rückkehr der Kurzhosengang“ ist zweifellos ein besonderes Buch, das mit seinem Witz und seiner skurrilen Geschichte sicher vielen Kindern und Jugendlichen gefallen wird. An den ersten Band kommen Zoran Drvenkar und Andreas Steinhöfel jedoch nicht heran. Zwar ist der zweite Band vom Schreib- und Sprachstil her abwechslungsreicher, ja man möchte sagen „noch mehr abgefahren“, doch ist das manchmal einfach zu viel des Guten. Der Charme von Band 1 wurde leider nicht erreicht.
Schade, ich war so gespannt auf dieses Buch, hatte so hohe Erwartungen daran geknüpft, und habe das Buch schließlich ein bisschen enttäuscht aus der Hand gelegt. Aber es ist natürlich auch nicht leicht, bei einem so tollen Buch wie dem Erstlingswerk einen Folgeband zu verfassen, der die Erwartungen erfüllen kann.
An einer Fortsetzung seines Erfolgs ist schon mancher Musiker mit seiner zweiten CD gescheitert. Nun, „gescheitert“ sind die Autoren bei „Die Rückkehr der Kurzhosengang“ freilich nicht… Aber Band 1 ist und bleibt einfach besser. (ab 10 Jahren, zum Vorlesen früher)

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(Ulf Cronenberg, 03.12.2006)

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