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Buchbesprechung: R. A. Nelson “Teach me”

Cover NelsonLesealter 14+(Ravensburger Buchverlag 2006, 341 Seiten)

Ich hätte, da die Hauptperson im Buch ein Mädchen ist, eher darauf getippt, dass „Teach me“ von einer Frau geschrieben wurde – aber das stimmt nicht. Um herauszufinden, wer sich hinter R. A. Nelson verbirgt, muss man sich erst mal ein wenig umschauen – und sehr viel mehr erfährt man dann auch nicht. Beim Ravensburger-Verlag steht in der Pressemitteilung zu diesem Buch lediglich noch, dass Russell A. Nelson als freier Texter bei der NASA arbeitet. Mehr ist über den Autor nicht in Erfahrung zu bringen…
Warum übrigens auf dem Buchumschlag ein Apfel zu sehen ist? Um die Frucht herum ist ein Zitat aus dem Buch zu lesen – und das beginnt so: „Ich habe nicht gewusst, dass er so süß schmecken würde.“ Der Apfel als Symbol für die Liebe – denn mit „er“ ist nicht ein Apfel, sondern ein Mann gemeint…

Inhalt:

Carolina, von ihren Eltern und vielen Freunden nur „Nine“ genannt, ist ein eigenwilliges Mädchen, das nie so handeln und leben, aber auch nicht empfinden will wie alle anderen. Man könnte sie fast als Einzelgängerin bezeichnen – wäre da nicht noch Schuyler, ein Freund, mit dem sie sehr viel Zeit verbringt.
Doch dann kommt Mr. Mann, ein neuer Englischlehrer an Carolinas Schule und beginnt die Schüler mit Gedichten (v.a. von Emily Dickinson) zu konfrontieren. Ausgerechnet Gedichte, mit denen die Schüler sonst nie was anfangen können. Doch Mr. Mann gelingt das Unvorstellbare – selbst die hartgesottensten Schüler beginnen sich mit Gedichten auseinanderzusetzen. Und Carolina ist ganz hin und weg von ihrem neuen Lehrer – nicht nur der Gedichte, sondern auch seines Aussehens und seiner Art wegen.
Und dann beginnt etwas, was eigentlich nicht passieren darf: Auch Mr. Mann interessiert sich für Carolina und – wie zufällig erscheint er oft an Orten, an denen sich Carolina aufhält. Die Gespräche zwischen beiden werden immer häufiger und intensiver, und so kommt es irgendwann dazu, dass sich beide küssen und schließlich sogar miteinander schlafen. Für Carolina ist es eine ganz neue Erfahrung, in jemanden verliebt zu sein. Und für ihren Lehrer scheint Carolina auch etwas ganz Besonderes zu sein – beide träumen von einer gemeinsamen Zukunft.
Doch dann ist von einem auf den anderen Tag Schluss damit – Mr. Mann lässt Carolina stehen und zieht sich total zurück. Carolina weiß nicht, wie ihr geschieht – und Mr. Mann erwähnt mit keiner Silbe, was der Grund für seinen plötzlichen Rückzug ist. Als Carolina erfährt, dass ihr Lehrer eine andere heiraten will, brennen ihre Sicherungen durch und sie sinnt nur noch auf Rache…

Bewertung:

„Teach me“ ist auf den ersten Seiten nicht gerade ein leicht zugängliches Buch, was vor allem an dem Schreibstil liegt, an den man sich erst mal gewöhnen muss. So wie Carolina ihre Geschichte erzählt, ist das zwar einerseits unterhaltsam und witzig, andererseits aber auch wegen der vielen geistreichen Anspielungen nicht immer leicht zu lesen. Aber noch etwas anderes hat mir den Zugang zu dem Buch erschwert: Als Lehrer finde ich diese „Lehrer verliebt sich in Schülerin“-Geschichten irgendwie immer eine Zumutung. Und als Carolina im ersten Viertel des Buches erzählt, wie nach und nach die Beziehung mit ihrem Englischlehrer zustande kommt, hatte ich den Impuls, das Buch aus der Hand zu legen und nicht weiterzulesen.
Doch glücklicherweise bekommt das Buch dann einen anderen Schwerpunkt – und von da an war es für mich wieder spannender: Carolina versucht Mr. Manns plötzlichen Rückzug zu verarbeiten – zum einen, indem sie sich rächen will, zum anderen, indem sie zu verstehen versucht, was da eigentlich vorgefallen ist. Der Geschichte tut das gut – auch wenn an manchen Stelle das mit dem Racheakten fast etwas übertrieben ist. Alles in allem hat mir außerdem der nicht einfach zu lesende Schreibstil von R. A. Nelson imponiert, weil die Geschichte dadurch nie langweilig wird. Immer ist sie für einen Witz oder ein passendes sprachliches Bild zu haben…
Dass am Ende des Buches dann schließlich doch noch aufgeklärt wird, warum sich Mr. Mann so plötzlich zurückgezogen hat – noch dazu auf die Art und Weise, wie ich sie von Anfang an in Verdacht hatte -, fand ich ein wenig schade… Das hat zwar das Buch abgerundet, zugleich aber auch den Reiz des Buches gemindert, weil das so lange Unerklärliche auf einmal eine recht einfache Erklärung findet.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Die obige Bewertung klingt deutlich negativer, als es das Buch eigentlich verdient hat. Mir ist bewusst, dass es wohl vor allem mit meinem Beruf zu tun hat, dass ich das Grundthema des Buches ein wenig fragwürdig fand. Ansonsten ist das Buch bis auf den Schluss, der im Vergleich zum Rest des Buches ein wenig lieblos und banal wirkt, gut geschrieben – besonders gefallen hat mir, dass man Carolinas Gedanken und Gefühle so gut nachvollziehen kann.
Obwohl von einem Mann geschrieben, würde ich „Teach me“ eher als ein Buch für Mädchen (ab 14/15 Jahren) ansehen.

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(Ulf Cronenberg, 03.10.2006)

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