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Buchbesprechung: Peter Abrahams "Was geschah in Echo Falls?"

Cover AbrahamsLesealter 11+(Bloomsbury-Verlag 2007, 350 Seiten)

„Was geschah in Echo Falls?“ – das ist ein vom Großmeister Stephen King geadelter Jugendroman, wie man auf der Rückseite des Buches nachlesen kann. „[…] ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und ins Bett gehen, bevor ich es nicht zu Ende gelesen hatte“, wird Stephen King dort u.a. zitiert. Das klingt doch schon mal vielversprechend…
Als ich im Internet übrigens ein bisschen was über Peter Abrahams herausfinden wollte, ist mir ein großes Missgeschick passiert. Ich wollte erst schreiben, dass das Buch von einem 88-jährigen südafrikanischen Schriftsteller verfasst wurde, der den gleichen Namen (manchmal mit dem zweiten Vornamen Henry) trägt. Doch glücklicherweise bin ich dann kurz vor dem Veröffentlichen der Buchbesprechung auf den „richtigen“ Peter Abrahams gestoßen, der in den USA lebt und wesentlich jünger ist… (Hier geht’s übrigens zur Website des Autors.)

Inhalt:

Ingrid lebt mit ihren Eltern sowie ihrem Bruder Ty in Echo Falls – einem Ort, der nach einem nahe gelegenen Wasserfall benannt ist. Neben Fußball- und Theaterspielen ist es ein großes Hobby von Ingrid, Sherlock-Holmes-Romane zu lesen – sie bewundert die Scharfsinnigkeit des Romandetektivs.
Als Ingrid eines Tages nicht rechtzeitig von ihrer Mutter beim Zahnarzt abgeholt wird, um zum Fußballtraining gebracht zu werden, beschließt sie, zu Fuß zum Fußballplatz zu laufen. Doch da Ingrid gewohnt ist, sonst immer mit dem Auto gefahren zu werden, verläuft sie sich heillos. Eine alte Frau bemerkt dies und fragt Ingrid, ob sie ihr helfen könne. Hierzu bittet sie Ingrid in ihr Haus. Ingrid kennt die Frau – es ist Müll-Katie, wie sie von allen nur genannt wird – eine ziemlich heruntergekommene Frau, die viel trinkt und raucht und früher mal eine viel versprechende Schauspielerin war. Ingrid zögert zunächst, zu Katie ins Haus zu gehen, doch folgt sie ihr dann doch. Bevor ein bestelltes Taxi Ingrid abholt, sprechen die beiden noch miteinandern – unter anderem auch über das Theaterspielen.
Am nächsten Tag ist Ingrid geschockt, als sie mitbekommt, dass Katie am vorherigen Tag ermordet wurde. Sie scheint – abgesehen vom Mörder – die letzte Person gewesen zu sein, die Müll-Katie gesehen hat. Die Polizei sucht im Zusammenhang mit dem Mord nach Zeugen – doch als Ingrid bemerkt, dass sie wahrscheinlich ihre roten Fußballschuhe in einer Tüte bei Müll-Katie vergessen hat, traut sie sich nicht, mit der Polizei Kontakt aufzunehmen. Stattdessen beschließt sie, ihre Turnschuhe (auf denen auch ihr Name steht) aus Katies Haus zu holen und anschließend selbst Nachforschungen anzustellen, wer Katie ermordet haben könnte.

Bewertung:

„Was geschah in Echo Falls?“ ist ein eher subtiler, feinsinniger Thriller für Jugendliche, der keine großen Schockmomente beinhaltet, sondern langsam, aber sicher auf sein Ende zusteuert. Wie es Peter Abrahams gelingt, aus der Perspektive von Ingrid den Mordfall aufzuwickeln, zeigt, dass der amerikanische Autor – wie Stephen King das auch lobt – wirklich ein gutes Gespür für leise Spannung hat. Es sind vor allem die Figuren in dem Buch, durch die die Dramatik aufgebaut wird. Da ist z.B. der etwas furchteinflößende Inspektor Strade, der immer mehr zu wissen scheint, als er zu erkennen gibt, und intuitiv Ingrid in Verdacht zu haben scheint, dass sie etwas mit dem Mord zu tun haben könnte. Oder man kann sich an Ingrids schrulligem Großvater Grampy erfreuen, der sich von niemandem etwas gefallen lässt. Durch die vielen schillernden Figuren wird man nach und nach in die Geschichte hineingezogen und will das Buch irgendwann wirklich nicht mehr aus der Hand legen – zumal man ja wissen will, wer Müll-Katie umgebracht hat.
Und dennoch: Ganz so euphorisch wie Stephen King bin ich Peter Abrahams‘ Buch gegenüber dann doch nicht. Es sind vor allem zwei Kleinigkeiten, die mir nicht so ganz gefallen haben. So ist es aus meiner Sicht nicht ganz logisch, dass Ingrid – obwohl sie ihre Turnschuhe bei Müll-Katie vergessen hat – nicht doch zur Polizei geht. Es hätte doch sicher niemand geglaubt, dass sie die Mörderin ist. Das ist eine etwas seltsame Konstruktion… Außerdem ging es mir so, dass ich letztendlich das Rätsel darum, wer Müll-Katie ermordet hat, schon gut 50 Seiten, bevor es gelöst wurde, erahnt hatte. Das verringerte natürlich ein bisschen die Spannung…

Fazit:

4 von 5 Punkten. Trotz der beiden Kritikpunkte ist „Was geschah in Echo Falls?“ ein gelungener Jugendroman (das Etikett „Thriller“ kann man wohl nur in Verbindung mit dem Adjektiv „subtil“ auf den Roman anwenden). Das Buch lebt zum einen von den tollen Figuren des Buches, die sehr genau beschrieben sind, zum anderen von dem eher unauffälligen, aber treffsicheren Schreibstil, mit dem Peter Abrahams den Leser an der Geschichte teilhaben lässt. Wer solche ungewöhnlichen Krimigeschichten mit eher feinfühliger Spannung ohne große Actionelemente mag, wird Peter Abrahams‘ Buch sicher mögen. (ab 11/12 Jahren)

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(Ulf Cronenberg, 24.02.2007)

Für Juli 2008 ist inzwischen übrigens der zweite Band der Echo-Falls-Reihe unter dem Titel „Hinter dem Vorhang“ angekündigt.

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