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Buchbesprechung: Nina Blazon "Der Bund der Wölfe"

Cover BlazonLesealter 13+(Sauerländer-Verlag 2006, 207 Seiten)

Hm, was für ein seltsamer Buchumschlag… Auf den ersten Blick meint man, es handelt sich um ein Tierbuch über Wölfe – aber weit gefehlt. Die Inhaltsangabe auf der Buchrückseite klärt einen darüber auf, dass es um seltsame Vorfälle in einem Internat geht… Der „Bund der Wölfe“ hat also nichts mit Tieren zu tun…
Nina Blazon, die in Stuttgart lebt, hat bisher hauptsächlich Fantasy-Romane geschrieben – für ihren ersten hat sie sogar im Jahr 2003 den Wolfgang-Hohlbein-Preis bekommen – eine Auszeichnung, mit der Nachwuchstalente im Fantasy-Genre gefördert werden.
„Die Rückkehr der Wölfe“ ist Nina Blazons erstes Buch, das in einem Jugendbuchverlag erschienen ist.

Inhalt:

Blanka kommt neu in das Internat der Europa-Schule – einer Elite-Schule, auf die nur die besten Schüler dürfen. Doch ihr Einstand ist alles andere als einfach – eher ein Horror. Eine Gruppe älterer Schüler, die sich „Wölfe“ nennt, organisiert für die Neuankömmlinge nämlich immer an einem Abend eine Art Mutprobe. Und gerade auf Blanka scheinen sie es abgesehen zu haben und schikanieren sie besonders. Doch es kommt noch schlimmer. Als Blanka in ihr Zimmer zurückgeht, passiert etwas Schreckliches: Blanka stolpert auf einer abseitig gelegen Treppen im Dunkeln über etwas – zunächst denkt sie, es ist ein Mantel, doch dann bemerkt sie, dass da eine tote Frau liegt.
Geschockt wird sie ins Zimmer der Schulleiterin gebracht und dort auch von der Polizei verhört – niemand weiß, wer die Tote ist und wie sie gestorben ist. Die Polizei geht nach ihren Ermittlungen jedoch davon aus, dass es sich um einen Unfall gehandelt haben muss – doch irgendwie kommt das Blanka eher seltsam vor. Sie ist misstrauisch.
Auch die kommenden Tage an der neuen Schule sind nicht besser: Die „Wölfe“ scheinen es nach wie vor auf Blanka abgesehen zu haben und ärgern sie, wo immer es geht. Und Blanka hat zunehmend das Gefühl, dass sich hinter den Wölfen mehr verbirgt als eine harmlose Gruppierung älterer Schüler. In ihren kühnsten Vorstellungen haben die „Wölfe“ etwas mit dem Tod der Frau zu tun – und auch wenn Blanka damit ihre Schullaufbahn gefährdet, so beschließt sie doch, eigene Nachforschungen über die „Wölfe“ und über den Tod der Frau anzustellen.
Doch das ist leichter gesagt als getan, da ihr niemand über die „Wölfe“ Auskunft geben will. Die Wölfe sind von einer Mauer des Schweigens umgeben. Immerhin gelingt es Blanka, einen geheimnisvollen Mitstreiter für ihre Nachforschungen zu finden: Niklas…

Bewertung:

„Der Bund der Wölfe“ ist ein geheimnisvolles Buch. Gleich zu Beginn wird man als Leser in einen Albtraum Blankas mit einem seltsamen Wesen, das sie bedroht, hineingezogen und weiß gar nicht so recht, was hier vor sich geht. Eigentlich wird erst am Ende des Buches geklärt, wo die Albträume Blankas, die sie ständig begleiten, herkommen. Der Einstieg unterstreicht zwar einerseits das Düstere in dem Buch, aber zugleich hat man es als Leser etwas schwer, in die Geschichte hineinzukommen.
Letztendlich ist „Der Bund der Wölfe“ eine Art Krimi mit fantastischen, ja fast gruseligen Elementen – denn ein Teil der Geschichte könnte sich durchaus in der Wirklichkeit so zutragen, jedoch passieren nach und nach Dinge, die die Wirklichkeit etwas auf den Kopf stellen. Gefallen hat mir dabei, dass die gruselige Atmosphäre durchaus auf den Leser überspringt und man die beklemmenden Gefühle Blankas recht nah miterlebt. Und dennoch fehlt mir in dem Buch etwas: Irgendwie bleibt alles etwas oberflächlich. Die Personen in dem Buch werden nicht richtig plastisch, bleiben eher mystische Marionetten als dass sie lebendig werden… Das mag Absicht sein, aber durch die etwas fehlende psychologische Präsenz der Personen bin ich beim Lesen immer ein wenig außen vor geblieben und nicht richtig in das Buch eingetaucht.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Wer geheimnisvolle und mystische Bücher mag, der ist mit „Der Bund der Wölfe“ gut beraten. Das Buch verbreitet die düstere Stimmung sehr gekonnt und bietet darüber hinaus auch Spannung. Gewünscht hätte ich mir jedoch, dass die Figuren in dem Buch noch besser gezeichnet sind – sie bleiben unterm Strich etwas blass. Dadurch kommt das psychologische Moment etwas zu kurz, die Spannung baut sich eher über die Handlung als über die Personen auf.
Alles in allem ist Nina Blazons Jugendroman wohl eher ein Buch für Mädchen als für Jungen (ab 13/14 Jahren), die sich gerne in mystisch-geheimnisvolle Geschichten hineinziehen lassen.

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(Ulf Cronenberg, 18.06.2006)

Kommentare (0)

  1. Roberta

    Mir persönlich hat das Buch nicht so gefallen, es war zwar recht spannend, wirkte aber irgendwie so billig. Ich glaube, man kann das Buch auch schon mit 12 Jahren lesen.

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