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Buchbesprechung: Jonathan Stroud "Die Eisfestung"

Cover StroudLesealter 11+(cbj-Verlag 2007, 282 Seiten)

Jonathan Stroud ist fast allen Jugendbuchlesern von der Fantasy-Trilogie um den frechen Dämonen Bartimäus und seinen Herrn Nathanael bekannt. Und nun veröffentlicht cbj einen neuen Roman des Engländers – doch eigentlich stimmt das gar nicht… Denn „Die Eisfestung“ wurde schon 2003 auf Englisch herausgegeben – kurz vor dem ersten Band von „Bartimäus“.
Wenn man sich das Cover genau anschaut, dann bemerkt man eine gewisse Ähnlichkeit zu den „Bartimäus“-Büchern – auch auf ihnen ist ein Fensterbogen zu sehen… Das ist wohl nicht ganz Zufall… Doch wer die ersten Seiten des Buches angelesen hat, merkt sofort: „Die Eisfestung“ ist ganz anders als „Bartimäus“…

Inhalt:

Emily wächst alleine bei ihren Eltern auf – diese kümmern sich nur wenig um das Mädchen. Im kalten Winter geht sie oft am Fuß der Burg Schlitten fahren, doch von den anderen Kindern wird sie dort meist nur getriezt und geärgert.
Als sie mal wieder von der Meute verfolgt wird und flieht, kommt ihr ein fremder Junge zu Hilfe – und auch Simon, der selbst von seinen Brüdern schikaniert wird – hilft Emily gegen seine Brüder. Emily, Simon und der fremde Junge, der Marcus heißt, kommen miteinander ins Gespräch – und Marcus überzeugt die beiden anderen davon, mit ihm verbotenerweise die Burgruine zu erkunden. Hierfür verabreden sie sich am nächsten Tag – und nach einer anstrengenden und gefährlichen Klettertour schaffen sie es tatsächlich gerade noch in die Burg, bevor der gefürchtete Burgwächter Harris sie entdecken kann. Gemeinsam durchforsten sie die Räume der Burg – Marcus, der ganz vernarrt in die Burg ist, will, dass sie an einem der nächsten Tage sogar in der Burg übernachten. Emily zögert lange, willigt – genauso wie Simon – jedoch schließlich ein. Am nächsten Nachmittag treffen sich die Drei mit Proviant, dicken Pullovern, Schlafsäcken und Feuerholz für die Nacht in der ausgekühlten Burg gewappnet.
Gottseidank werden sie bei ihrer Aktion nicht von Harris entdeckt, doch Marcus bricht am nächsten Morgen voller Angst auf, weil er verschlafen hat und viel zu spät nach Hause kommen wird. Er fürchtet, dass sein jähzorniger Vater ihm das heimzahlen wird.
Als Simon und Emily Marcus ein paar Tage später wieder in der Burg treffen, sind sie entsetzt, wie Marcus aussieht: Sein Gesicht ist grün und blau – und Marcus gesteht, dass ihn sein Vater aus Wut über sein nächtliches Wegbleiben so zugerichtet hat. Marcus will nicht mehr nach Hause, sondern sich in der Burg verstecken… Emily und Simon versuchen, ihn von diesem Vorhaben abzubringen – doch Marcus will sich notfalls in der Burg verteidigen, um nicht zu seinem Vater zurückzumüssen.

Bewertung:

Wer sich begeistert von den drei Bartimäus-Bänden auf „Die Eisfestung“ stürzt, wird ziemlich enttäuscht sein. Jonathan Strouds Buch ist kein Fantasy-Roman und hat auch stilistisch kaum etwas mit dem Buch über den frechen Dämonen gemeinsam. „Die Eisfestung“ ist ein ziemlich ernster Jugendroman, der noch dazu vor allem am Anfang recht unzugänglich wirkt.
Auch wenn man den Vergleich mit „Bartimäus“ außen vor lässt, so habe ich mich mit „Die Eisfestung“ ziemlich schwer getan. Kurz vor Seite 100 habe ich wirklich überlegt, ob ich das Buch überhaupt weiterlesen soll. Die Geschichte hat mich ziemlich gelangweilt, weil einfach zu wenig passiert. Erst ab Seite 150 hat sich das geändert… Auf einmal wird die Geschichte spannend und bekommt eine neue Wendung, als Marcus sich in der Burg einquartieren will und man erfährt, wie schlimm es um die familiäre Situation des Jungen steht. Die letzten 100 Seiten habe ich dann auch in einem Rutsch durchgelesen.
Und dennoch: „Die Eisfestung“ ist keine wirkliche Offenbarung – mir ist die Geschichte insgesamt zu eindimensional – sie dreht sich nur um die Burg, die Winterlandschaft sowie um die drei Kinder. Auch sprachlich ist das Buch eher einfach gehalten – zwar solide geschrieben, aber nichts Besonderes.

Fazit:

2-einhalb von 5 Punkten. Alles in allem war ich von Jonathan Strouds „neuem“ Buch enttäuscht. Außer auf den letzten 100 Seiten hat das Buch einige Längen. Zwar hat der Aufbau des Buches durchaus eine innere Logik, und am Ende merkt man auch, dass der Autor durchaus etwas zu erzählen hat – aber insgesamt ist „Die Eisfestung“ für meinen Geschmack zu langatmig. Dass am Ende des Romans Spannung aufkommt und man erfahren will, wie die Geschichte um Marcus weitergeht, dass hier auf einmal einiges Unterwartete passiert, reicht für ein packendes Buch nicht aus. Jonathan Strouds Bartimäus-Reihe ist um Längen besser… (ab 11 Jahren)

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(Ulf Cronenberg, 03.04.2007)

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