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Buchbesprechung: Eoin Colfer "Artemis Fowl – Die verlorene Kolonie"

Cover ColferLesealter 10+(List-Verlag 2007, 352 Seiten)

Zwei Jahre ist es her, seit der letzte „Artemis Fowl“ mit dem Titel „Die Rache“ erschienen ist. Ich hatte schon gedacht, es wäre der letzte Band der Artemis-Fowl-Reihe gewesen. Doch nun geht es mit „Die verlorene Kolonie“ weiter…
Unter Teenagern ist Artemis Fowl inzwischen ziemlich beliebt. Ich kenne viele 10- und 11-Jährige, die in letzter Zeit die ersten vier Bände nacheinander verschlungen haben. Und zu Recht: Denn Eoin Colfer spickt seine Bücher mit viel Witz, die Geschichten sind virtuos und spannend erzählt, und die Figuren – allen voran der geniale Artemis Fowl, sein Leibwächter Butler sowie die Elfe Holly und der Technikfreak Foaly, ein Zentaur – wachsen einem ans Herz.

Inhalt:

14 Jahre ist Artemis Fowl inzwischen alt, und der geniale, mitunter arrogante irische Junge gerät in die Pubertät und interessiert sich auf einmal für Mädchen. Seit einigen Monaten reist Artemis Fowl mit Butler um die Welt – auf der Suche nach Dämonen, die sich seinen Berechnungen zufolge an bestimmten Stellen für Sekunden materialisieren. Doch bisher sind er und sein Leibwächter nie auf einen Dämonen gestoßen.
Auch in Barcelona sieht es zunächst so aus, als wären die Berechnungen falsch gewesen – doch als Artemis gerade den Beobachtungsplatz verlassen will, erscheint wirklich für kurze Zeit ein Dämon auf der Bildfläche. Beinahe geht alles schief, denn der Dämon zieht Artemis mit in seine Welt… Butler kann den Jungen gerade noch retten.
Doch nicht nur Artemis verfolgt das Erscheinen der Dämonen… Denn beim nächsten Versuch, das Auftauchen eines Dämonen abzufangen, bemerkt Artemis während einer Oper in Sizilien, dass noch andere Menschen es auf den Dämonen abgesehen haben. Und während Artemis und Butler zuschauen, gelingt es den Konkurrenten, den Dämonen auf der Bühne mit einem Silberpfeil und einem Betäubungsmittel zu treffen. Durch das Silber kann der Dämon nicht mehr in seine Welt zurückkehren – und im allgemeinen Tumult gelingt es den fremden Männern, den Dämonen gefangen zu nehmen und zu verschleppen.
Artemis und Butler, inzwischen durch die Elfe Holly verstärkt, gelingt es, die Spur aufzunehmen und den Entführern zu folgen. Der Dämon wird nach Frankreich in einen kleinen Ort in der Nähe von Nizza verschleppt. Artemis Fowl ist ziemlich überrascht, als er bemerkt, dass hinter der Entführung ein anderer Teenager steht: Minerva, ein ebenso geniales und von seinen Fähigkeiten überzeugtes Mädchen wie er selbst.
Artemis und Butler versuchen mit Hilfe von Holly und Foaly den Dämonen zu befreien – keine einfache Aktion angesichts der großen Sicherheitsvorkehrungen im Haus Minervas… Doch Artemis Fowl wäre nicht Artmemis Fowl, würde er aufgeben…

Bewertung:

Die Artemis-Fowl-Bücher waren bisher immer über alle Kritik erhaben – doch als ich diesmal mit dem Buch begonnen hatte, war ich von dem Buch relativ lange enttäuscht. Es hat fast hundert Seiten gedauert, bis die Geschichte richtig in Fahrt kam. Erst dann stellte sich der gewohnte Sog ein, dass ich mit dem Lesen nicht aufhören wollte, um zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht… Minerva entpuppte sich als ebenbürtige Gegenspielerin zu Artemis Fowl und gab der Geschichte den Pepp, den sie dringend brauchte. Wie Artemis und Minerva sich ineinander verhaken, einerseits bemüht, den anderen auszustechen, andererseits aber auch fasziniert voneinander, weil sie das erste Mal beide das Gefühl haben, einem ebenbürtigen Teenager gegenüberzustehen – das ist große Klasse.
Doch leider hatte auch dieser Teil der Geschichte sein Ende und geriet zunehmend in den Hintergrund. Als Artemis schließlich mit dem Dämonen über einen Zeittunnel in die Dimension der Dämonen gezogen wird, verliert das Buch wieder einiges an Reiz. Eoin Colfer verzettelt sich auf den letzten hundert Seiten ein bisschen, indem die Geschichte um die Rettung der Dämoneninsel Hybras immer verworrener wird. Natürlich waren die Artemis-Fowl-Bücher schon immer Fantasy-Bücher – aber bei der Rettung der Dämoneninsel schlägt der Autor für meinen Geschmack ein paar Haken zu viel.

Fazit:

4 von 5 Punkten. „Die verlorene Kolonie“ ist kein schlechtes Buch, aber die anderen Artemis-Fowl-Bände haben mir – wenn man vom Mittelteil des Buches absieht – aus den genannten Gründen einfach besser gefallen. Schade, denn mit Minerva führt Eoin Colfer eine interessante Figur ein, der man hoffentlich im sechsten Band der Reihe wiederbegegnen wird – ebenso wie Holly und Foaly, die ja seit dem ersten Band zum Inventar gehören. Hoffentlich besinnt sich Eoin Colfer wieder ein bisschen mehr auf die Stärken der Artemis-Fowl-Bücher und übertreibt es nicht mit den Fantasy-Elementen. Es reicht völlig aus, wenn die Unterirdischen, wie die Elfe Holly und der Zentaur Foaly in dem Buch auftreten – ansonsten wünscht man sich einfach nur weitere Gaunereien von Artemis Fowl – aber keine Dämonen. (ab 10/11 Jahren)

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(Ulf Cronenberg, 25.03.2007)

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