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Buchbesprechung: Ann Halam "Siberia"

Cover HalamLesealter 11+(Sauerländer-Verlag 2007, 280 Seiten)

Die Engländerin Ann Halam hat schon einige Bücher veröffentlicht – darunter Jugendbücher, aber auch Science-fiction-Bücher für Erwachsene. „Siberia“, das in der Zukunft spielt, ist jedoch das erste Buch, durch das ich auf die Autorin aufmerksam geworden bin.
Der Titel des Buches lässt einen gleich an Sibirien denken, und damit nicht nur an Eiseskälte, sondern auch an ein Gebiet, wo früher in der Sowjetunion in Arbeitslagern zahlreiche politische Häftlinge gefangen gehalten wurden und nie mehr aus der Gefangenschaft zurückgekehrt sind. Die Arbeitsbedingungen in diesen Lagern waren schrecklich.
Wer weiterliest, der wird gleich merken, dass der Titel nicht umsonst gewählt wurde…

Inhalt:

Irgendwann in der Zukunft (eine genaue Jahreszahl findet man in dem Buch nicht) haben die Menschen den Planeten gründlich zugrunde gerichtet. Die Temperaturen sind stark gesunken, ein großer Teil der Erde liegt fast ganzjährig unter Eis, und die Menschen haben durch Umweltkatasstrophen fast alle Wildtiere ausgerottet.
Rosita und ihre Mutter werden von Soldaten in ein Arbeitslager im kalten Norden gebracht, wo sie fortan unter schweren Bedingungen leben und arbeiten müssen. Ob ihr Vater noch am Leben ist und was genau mit ihm passiert ist, weiß das Mädchen nicht. Anscheinend wurde er verhaftet und verschleppt.
Im Arbeitslager beziehen Mutter und Tochter eine kleine Hütte, und die Mutter muss täglich ein Soll an stupider Arbeit verrichten: Sie muss eine bestimmte Menge an Nägeln herstellen. Zum Leben haben die beiden nur das Allernötigste, immer wieder müssen sie hungern, weil sie nicht genug zum Essen haben. Das Wenige, was im kurzen Sommer in einem kleinen Gartenstreifen vor dem Haus angebaut werden kann, reicht bei weitem nicht aus.
Doch Rositas Mutter hat ein Geheimnis, in das sie ihre Tochter nach und nach einweiht. In einer kleinen Tasche befinden sich Samen, die, wenn sie richtig gepflegt werden, zu seltsamen Tierchen heranwachsen. Rosita weiß nicht, was es damit auf sich hat – für sie ist es Zauberei, was ihre Mutter da betreibt. Und obwohl Rosita nicht versteht, was da vor sich geht, wird sie von ihrer Mutter darin unterrichtet, wie man die kleinen Tierchen züchtet und heranwachsen lässt. Die Mutter spricht immer wieder davon, dass sie eines Tages über eine vereiste Landbrücke nach Norden fliehen werden, um in eine der wenigen übrig gebliebenen Städte zu kommen.
Doch dann wird Rosita, weil sie in der Schule gut ist, in ein weit entferntes Internat geschickt – ihre Mutter sieht sie fortan nicht mehr. Ein schlimmes Leben beginnt dort für das Mädchen, nicht nur weil sie ihre Mutter vermisst… Und dann passiert etwas Schreckliches, denn Rosita wird von der Direktorin hinters Licht geführt und verrät, ohne sich dessen bewusst zu sein, das Geheimnis ihrer Mutter… Rosita weiß nicht, was mit ihrer Mutter passiert ist, doch das Mädchen ist auf einmal auf sich alleine gestellt – und sie beschließt aus dem Internat zu fliehen und ihre Mutter zu suchen…

Bewertung:

„Siberia“, das war lange Zeit mein Eindruck, ist ein seltsames Buch. Denn vieles von dem, was passiert, versteht man nicht so richtig. Insbesondere das Geheimnis von Rositas Mutter, wie aus den Samen kleine Lebewesen werden, bleibt auch für den Leser ein Rätsel, das erst relativ spät in dem Buch aufgeklärt wird. Die Geschichte ist dadurch recht geheimnisvoll, wirkt unzugänglich und ist recht verwirrend. Von daher hat es sehr lange gedauert, bis ich in das Buch hineingekommen bin.
Auch wenn sich im Laufe der Geschichte einiges aufklärt, man tappt als Leser recht lange im Dunkeln. Man weiß nicht, wer Freund, wer Feind ist. Das wirkt alles etwas verstörend, passt aber natürlich zu dem, wie sich Rosita fühlt – sie weiß ja selbst nicht, was um sie herum geschieht.
Später, als Rosita auf der Flucht ist, ging es mir so, dass mir die Handlung etwas zu eintönig war. Immer wieder hat das Mädchen mit Widrigkeiten zu kämpfen und sich zahlreichen Verfolgern zu erwehren. Rosita gelingt es dabei jedes Mal aufs Neue, sich mit ihrer großen Willenskraft durchzubeißen – doch dieses ständige Auftreten von Schwierigkeiten, die jedes Mal gerade noch bewältigt werden, wirkt irgendwann etwas ermüdend.
Auch wenn die schlimme Zukunftsvision des Buches durchaus seinen Reiz hat und den Leser wachrütteln will, so hilft das nicht dabei, dass man sich an einigen Stellen doch ganz schön durch das Buch durchbeißen muss.

Fazit:

2-einhalb von 5 Punkten. So richtig warm bin ich mit diesem Buch nie geworden (was natürlich zum Buchtitel „Siberia“ passt) – als Leser bin ich in dieser Geschichte immer etwas außen vor geblieben. Das ist schade. Denn so sehr ich es gut finde, dass ein Buch die Menschen mit einer düsteren Zukunftsvision zum Nachdenken bringen will, so hat mir an dem Buch doch etwas gefehlt: dass man darin eintauchen konnte. Selbst die Hauptfigur Rosita blieb mir als Leser immer etwas fremd. Nun mag man sagen, dass Ann Halam genau dies erreichen wollte – aber ob sie damit viele Leser finden wird?
So richtig empfehlen kann ich das Buch nicht. Man braucht schon einiges an Ausdauer, um bis zum Ende des Buches durchzuhalten. Letztendlich verlangt „Siberia“ seinem Leser einiges ab, weil es keine leicht verdauliche Kost ist. (ab 11/12 Jahren)

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(Ulf Cronenberg, 15.03.2007)

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