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Buchbesprechung: Martine Leavitt "Mein Leben als Superheld"

Cover LeavittLesealter 12+(Nagel & Kimche Verlag 2006, 153 Seiten)

Beim Anblick des Covers, aber auch bei dem Wort „Superheld“ musste ich gleich an „Die Unglaublichen“ denken – einen der besten Zeichentrickfilme der letzten Jahre überhaupt. Und ich kenne eigentlich niemanden, dem dieser Film nicht gefallen hat… Wie Bob Parr in „The Incredibles“ als ausgemusterter Superheld schließlich wieder mit seiner Familie in Aktion tritt, ist einfach große Klasse…
Der Umschlag von Martine Leavitts Buch, so fand ich zunächst, passt eigentlich eher zu einem Kinder- als einem Jugendbuch. Aber gut, man soll sich ja nicht zu sehr von Äußerlichkeiten leiten lassen… Und nach dem Lesen des Buches habe ich das auch anders gesehen.

Inhalt:

Der 13-jährige Heck hat es alles andere als leicht im Leben. Seine Mutter ist psychisch krank und „verschwindet“ immer wieder in ihrer Traumwelt. Und im Moment scheint sie wieder eine ihrer Zeiten im Wahn zu haben, weswegen bei Heck alles drunter und drüber geht. Zum einen ist seine Mutter spurlos verschwunden – trotz intensiver Suche bei allen Freunden, auf ihrer Arbeitsstelle und an allen anderen Orten, wo seine Mutter sich aufhalten könnte, findet Heck sie nicht. Zum anderen hat seine Mutter seit mehreren Monaten die Miete nicht gezahlt, so dass der Vermieter schließlich die Schlösser ausgetauscht hat und Heck nicht mehr in ihre Wohnung kommt. Heck bleiben lediglich Spence, sein bester Freund, und dessen Familie, wo er zumindest kurzfristig unterkommen kann. Doch selbst Spence gegenüber traut sich Heck nicht von seiner schwierigen Lage zu erzählen und um Hilfe zu bitten.
Wie bisher im Leben versucht Heck alles mit Hilfe guter Taten im Griff zu bekommen – denn er hat die Vorstellung, dass gute Taten (wie das freiwillige Putzen des Treppenhauses) alle Probleme lösen können und alles zum Guten wenden. Doch so richtig scheint das diesmal nicht zu helfen – zumal Heck auch eine wirklich schlimme Tat begangen hat, die all seine Bemühungen zunichte gemacht haben dürften: Er hat den Eltern seines Freundes Spence 20 Dollar aus einem Schränkchen geklaut. Eigentlich will er das Geld wieder zurückgeben, doch das ist leichter gesagt als getan, wenn man allein auf sich gestellt ist.
So schlägt sich Heck als Superheld, der er sein möchte, stets bereit, gute Taten zu vollbringen, auf der Suche nach seiner Mutter mehrere Tage durchs Leben, schwänzt die Schule, übernachtet in einem Auto…

Bewertung:

Dass ich für dieses schmale Büchlein mehr als zwei Wochen gebraucht habe, ist nicht dem Buch anzulasten. Nein, abgesehen von den ersten Seiten, die etwas schwer zu erlesen waren, ist „Mein Leben als Superheld“ ein kurzweiliges Buch. Martine Leavitt hat eine Geschichte geschrieben, die sprachlich mit Absicht an ein Comic erinnert – ja, man könntest fast sagen, dass das Buch eine Liebeserklärung an Comics ist. Nicht nur Heck, der davon träumt, ein Superheld wie Batman oder Superman zu sein, ist von Comicfiguren begeistert, auch die Autorin scheint es zu sein.
„Mein Leben als Superheld“ bekommt seinen besonderen Reiz vor allem dadurch, dass einerseits eine tragische Geschichte (ein Junge sucht seine psychisch kranke Mutter) erzählt wird, dass diese andererseits sprachlich immer witzig und skurril geschrieben ist. Diese Mischung, wie man sie eben von Comics kennt, hält auch den Leser immer ein wenig auf Distanz und verhindert, dass die Geschichte nicht bleischwer wird, sondern immer ein wenig Leichtigkeit zurückbleibt.
Dass Martine Leavitt auf den letzten Seiten von diesem Konzept etwas abrückt, indem die Geschichte doch noch wenigstens in Ansätzen eine gute Wendung nimmt, stört mich ein wenig – aber vielleicht geht das eher mir als Erwachsenem so und stört jugendliche Leser nicht weiter… Außerdem mag auch das eine Reminiszenz (also ein Anklang) an Comics sein, setzt sich dort am Ende doch auch nicht selten das Gute im Menschen durch…

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. Martine Leavitts Jugendbuch „Mein Leben als Superheld“ ist ein tolles Buch, weil es die schwierige Geschichte eines 13-Jährigen so verpackt, dass man als Leser nicht zu sehr mitleiden muss. Das Buch wäre andernfalls ganz schnell kitschig und möglicherweise unerträglich geworden. Außerdem ist es sympathisch, wie Heck sich als Möchtegern-Superheld, der er jedoch nicht ist, durchs Leben schlägt, wie er die schwierige Lebenssituation, in der er steckt, zu meistern versucht. Wäre da nicht der Schluss, der die vorherige Geschichte fast ein wenig aushebelt, so hätte Martine Leavitts Buch auch fünf Punkte bekommen können.
Ansonsten gibt es an „Mein Leben als Superheld“ wenig auszusetzen. Ein Buch, wie geschaffen für Comic-Leser ab 12 Jahren – und es sind ja nicht wenige Jugendliche, die lieber zu einem Comicband als zu einem Jugendbuch greifen. Sie sollten es mit Martine Leavitts Buch versuchen…

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(Ulf Cronenberg, 19.03.2006)

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