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Buchbesprechung: Steve Voake "Moskito"

Cover VoakeLesealter 10+Was für ein hübscher Buchumschlag – wobei man das auf den Bild links gar nicht richtig sieht… Denn die Moskitos, die da duch die „O“s durchschimmern, stammen vom eigentlichen Buchrücken, die „O“s des Buchumschlags sind nämlich innen ausgeschnitten. Toll!
Steve Voake ist sicherlich bisher niemandem bekannt. Denn „Moskito“ ist sein erstes Buch, das nun auch auf Deutsch erschienen ist. Mit seinen 40 Jahren ist der Schulleiter einer englischen Grundschule sozusagen ein Spätberufener, was das Schreiben von Jugendbüchern angeht.
Mal sehen, was uns der Herr Schulleiter da zu bieten hat…

Inhalt:

Sam ist ein Junge, der in England lebt und ein ganz besonderes Hobby hat: Er interessiert sich leidenschaftlich für Insekten und beobachtet sie oft. Doch eines Tage passiert etwas Seltsames. Als Sam auf dem Rad auf einem Weg entlang radelt, wird er von einem Insekt gestochen – und weil er deswegen einen Moment lang unaufmerksam ist, kommt er mit dem Fahrrad vom Weg ab und wird in einen schweren Unfall verwickelt. Zwar überlebt er den Unfall, doch fällt er in eine tiefes Koma. Seine Eltern bangen um sein Leben, denn er wacht einfach nicht mehr auf.
Mit Sam selbst passiert zur gleichen Zeit etwas Unerklärliches – er findet sich in eine unwirkliche Welt versetzt, in der sogleich Dramatisches passiert. Denn er wird von hundeähnlichen Ungeheuern, die jedoch einen menschlichen Kopf haben, gejagt, ohne selbst zu wissen, wo er sich überhaupt befindet. Nur mit Mühe entkommt er den Hunden zunächst, wird jedoch schießlich gefangen genommen, um sich kurz darauf in einem Gefängnis wiederzufinden. Dort wird er von einem General verhört, ohne dass Sam überhaupt weiß, wie ihm geschieht. Der General scheint nach einem bestimmten Jungen zu suchen – und schon bald ist Sam klar, dass er der gesuchte Junge ist, aber etwas in ihm sagt ihm, dass er sich für jemand anderen ausgeben sollte. Denn er ahnt die Gefahr für sein Leben…
Zurück in der Gefängniszelle passiert noch etwas Seltsames: Ein Mädchen, das in der Zelle nebenan gefangen ist, nimmt mit ihm Kontakt auf und rät ihm dringend, seine Identität geheim zu halten. Von dem Mädchen, mit dem ihm einige Zeit später die Flucht aus dem Gefängnis gelingt, erfährt er nach und nach, warum der General und sein Volk nach ihm suchen. Denn eine alte Prophezeihung hat vorausgesagt, dass Sam bei der Rettung der Welt eine wichtige Rolle spielt. Doch dies entspricht nicht den Plänen des Generals, der über die Welt herrschen will und deswegen Sam nach dem Leben trachtet… Auch nach seiner Flucht ist Sam in großer Gefahr.

Bewertung:

„Moskito“ hat bei mir – um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen – einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen, was vor allem daran liegt, dass das Buch nicht so richtig aus einem Guß ist. Die kurze Einleitung (wo Sam noch mit seinen Eltern in der „normalen“ Welt lebt) ist eher ereignislos – doch als Sam dann durch den Unfall in die oben beschriebene Albtraumwelt kommt, fühlt man sich fast in eine Erzählung von Franz Kafka versetzt (für die Bildungshungrigen unter den Lesern: hier steht in der Wikipedia etwas über Franz Kafka und seine albtraum-ähnlichen Bücher). Wie Sam tappt man auch als Leser im Dunkeln und weiß nicht, was mit dem Jungen geschieht. Und hier übertreibt Steve Voake meinem Empfinden nach etwas, denn zu lange Zeit versteht man die Hintergründe über die Welt, in die Sam katapultiert wurde, nicht so recht. Zwar wird alles nach und nach bis zur Mitte des Buches aufgelöst, doch dauert die Verwirrung etwas lange. Das allein ist noch nicht so recht, was mich stört… Doch dann kommt es in dem Buch meiner Meinung nach zu einem großen Bruch – denn ab der Buchmitte wird „Moskito“ eine ganz normale Abenteuergeschichte, in der die Guten gegen die Bösen kämpfen. Und die ist zwar nett und unterhaltsam erzählt – mit den beiden Hauptfiguren Sam und der jungen Fliegerin Skipper erinnert sie etwas an die Artemis-Fowl-Bücher von Eoin Colfer -, doch das Gefühl, dass „Moskito“ zu viele Sprünge macht, bleibt trotzdem bestehen.

Fazit:

4 von 5 Punkten – mit zwei zugedrückten Augen… Meine kritischen Anmerkungen oben klingen härter, als sie eigentlich gedacht sind. Insgesamt ist „Moskito“ trotz der erwähnten Brüche kein schlechtes Buch – und jugendliche Leser (ab 10/11 Jahren) werden meine Kritik vielleicht nicht so ganz nachvollziehen können (manchmal geht mit mir eben doch der Deutschlehrer durch:-). Doch auf mich wirkt das Buch an einigen Stellen unausgegoren – Steve Voake ist es in seinem ersten Buch nicht ganz gelungen, ein wirklich rundes und schlüssiges Buch abzuliefern. Das bedauere ich etwas, da die Idee für die Geschichte an sich wirklich gut ist. Man hätte mehr daraus machen können…
Doch wer fantasy-lastige Abenteuer-Bücher mag, wird mit „Moskito“ sicher dennoch zufrieden sein.

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(Ulf Cronenberg, 15.04.2005)

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