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Buchbesprechung: Simone van der Vlugt "Das Klapperhaus"

Cover VlugtLesealter 12+(Sauerländer-Verlag 2005, 206 Seiten)

Ich bin kein richtig großer Fan von geschichtlichen Jugendbüchern, aber ab und zu lese ich schon auch mal eines… „Das Klapperhaus“ wurde mir empfohlen – also, warum nicht mal wieder einen historischen Roman lesen?
Simone van der Vlugt ist Holländerin und hat schon mehrere Themen aus der Geschichte in Jugendbüchern gepackt – und einige davon sind auch auf Deutsch erschienen. Vielleicht habt ihr ja schon ein Buch von Simone van der Vlugt gelesen – für mich ist es jedoch das erste Buch der Autorin…

Inhalt:

Kris studiert in Amsterdam Volkswirtschaft (VWL) – auch wenn er manchmal selbst nicht so recht weiß, warum. Eigentlich hätte es ihn eher zu einem Kunststudium hingezogen, denn er kann gut malen und zeichnen – doch war ihm die Gefahr zu groß, davon nicht leben zu können.
Seit langer Zeit wird Kris fast jede Nacht vom gleichen schlimmen Alptraum heimgesucht, in dem er in einem dunklen Raum eingesperrt ist und immer wieder sein verkrüppeltes und entstelltes Gesicht in einem Spiegel sieht. Jedes Mal wacht Kris schweißgebadet und erschöpft auf – doch der Traum kommt immer wieder.
Durch Zufall erzählt er eines Tages seiner Mitbewohnerin Dominique von diesem Traum. Diese rät ihm, doch bei einer bekannten Therapeutin eine Reinkarnationstherapie zu machen. Eigentlich hält Kris wenig von solchen esoterischen Sachen, aber da er sich nicht anders zu helfen weiß, versucht er es doch. So landet er bei Heleen Walraven, einer Reinkarnationstherapeutin.
Nach einem einführenden Gespräch wird er von Heleen in Trance versetzt und nach kurzer Zeit erlebt Kris etwas höchst Seltsames: Er findet sich in Alkmaar, einer holländischen Stadt, im Jahr 1655 wieder und ist nicht mehr Kris, sondern Olivier, ein Junge, der gerade bei einem Maler in Lehre geht. Seit einiger Zeit schon hat Olivier seltsame Flecken auf seiner Haut – es besteht der Verdacht, dass es sich dabei um Lepra handelt. So muss Olivier nach Haarlem zur Lepraschau, wo mehrere Ärzte ihm schließlich attestieren, dass er an Lepra leidet. Kris darf nicht mehr zu seiner Familie zurück, sondern muss nun außerhalb der Stadt im so genannten Klapperhaus mit anderen Lepra-Kranken leben – einer schaurigen Umgebung mit lauter missgestalteten kranken Menschen. Auch darf er keinen Kontakt mehr zu gesunden Menschen halten… Für Olivier beginnt ein schlimmes Leben – und Kris durchlebt all das in seiner Hypnose. Nach und nach erfährt Kris, was das Leben von Olivier auch mit seinem Alptraum zu tun hat.

Bewertung:

Es war für mich nicht einfach, in die Geschichte hineinzukommen. „Das Klapperhaus“ ist gerade am Anfang seltsam geschrieben. Die Erzählzeit mit dem Präsens, die kurzen Sätze, aber auch die holzschnittartigen Gespräche zwischen den Personen am Anfang des Buches waren nicht sehr viel versprechend. Leider wurden in der Übersetzung nicht alle sprachlichen Unebenheiten, die sicherlich schon der Originaltext beinhaltet, ausgebügelt (man kann sich freilich darüber streiten, ob dies überhaupt Aufgabe des Übersetzters ist). Die Rahmenhandlung des Buches, die die ersten 30 bis 40 Seiten prägt, wirkt insgesamt alles andere als gelungen.
Doch als Kris unter Hypnose „zu Olivier wird“, wendet sich das Blatt plötzlich. Alles Holprige ist gebannt und fortan kann man in die Geschichte eintauchen. Was Olivier im 17. Jahrhundert alles erlebt (Lepra, Pest etc.), ist sehr eindrücklich und gefühlvoll geschildert und hat mich ziemlich gepackt. Das Buch war dann auch fast in einem Rutsch ausgelesen. Überhaupt nicht aufgesetzt wirkt auch, was man so alles nebenbei über die damalige Zeit erfährt – eine häufige Schwäche von geschichtlichen Romanen. Letztendlich steht – und das ist richtig so – die Geschichte um Olivier im Zentrum des Buches.

Fazit:

4 von 5 Punkten. „Das Klapperhaus“ ist ein gelungenes Buch, wenn man von den ersten 40 Seiten absieht. Die Rahmenhandlung um Kris‘ Alpträume ist einerseits wichtig, andererseits jedoch auf den ersten Seiten des Buches alles andere als zum Weiterlesen einladend verfasst. Schade, dass einem der Einstieg in dieses Jugendbuch so schwer gemacht wird. Denn wer über diese ersten Seiten hinwegkommt, wird schließlich mit einem gelungenen Geschichtsroman belohnt, der für Jungen wie Mädchen ab etwa 12 Jahren geeignet ist. Mich hat sogar meine Sommergrippe mit ständigem Schnäuzen nicht vom Weiterlesen abhalten können… – und das will etwas heißen.

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(Ulf Cronenberg, 20.06.2005)

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