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Buchbesprechung: SF Said "Titus Tatz"

Cover SaidLesealter 10+(Carlsen-Verlag 2005, 256 Seiten)

Was für eine Name – vor allem in dieser Schreibweise: SF Said. Das klingt richtig geheimnisvoll. Der Autor lebt seit 1969 in London und wurde zwei Jahre zuvor in Beirut (Libanon) geboren.
Das Buchcover (sehr hübsch!) und der Titel „Titus Tatz“ lassen vermuten, dass es in dem Buch um eine Katze geht. Im englischen Original heißt das Buch im Übrigen „Varjak Paw“ – nun, „paw“ heißt Pfote, aber was es mit dem Namen „Varjak“ auf sich hat, das weiß ich nicht. Er klingt irgendwie russisch (wer weiß, vielleicht heißen in England viele Katzen so).

Inhalt:

Titus Tatz ist eine mesopotamische Kurzhaarkatze und lebt mit seiner großen Familie, die auf ihre besondere Abstammung mehr als stolz ist, im großen Haus einer Komtess. Titus ist bei seinen größeren Brüdern und den anderen Verwandten (mit Ausnahme seiner Eltern und seinem Großvater) nicht gerade angesehen – sie halten ihn für einen Schwächling – zumal er nicht die typischen blauen Augen der mesopotamischen Kurzhaarkatzen hat.
Doch das ruhige Leben im umzäunten Haus der Komtess ist bedroht. Denn die alte Dame ist krank und wird eines Tages schließlich in einem Sarg abtransportiert. Schon kurz darauf passieren in dem Haus merkwürdige Dinge: Ein nicht gerade vertrauenserweckend aussehender Mann kommt mit seinen zwei riesigen schwarzen Katzen immer wieder ins Haus – vor allem Titus‘ Großvater fürchtet Schlimmes für die Katzenfamilie. Doch die anderen Familienmitglieder hören nicht auf den Großvater und wollen ihre Bequemlichkeit, die sie bisher im Haus genossen haben, nicht aufgeben. Titus, dem angesichts des unheimlichen Mannes mit seinen Katzen auch unbehaglich ist, kann nur mit seinem Großvater darüber sprechen.
Der Großvater hält es für dringend notwendig, dass sie von außerhalb des Hauses Hilfe holen, und er versucht Titus dazu zu bringen, dass dieser als erste Katze im Haus der Komtess das Grundstück verlässt, um einen Hund zur Unterstützung gegen den fremden Mann zu finden. Ein nicht gerade einfaches Unterfangen für eine so junge Katze wie Titus, da Hunde eigentlich die größten Feinde der Katzen sind. Mitten in ihr Gespräch platzen die beiden schwarzen Katzen hinein und Titus‘ Großvater gibt seinem Enkel die Anweisung, dass er sofort über die Mauern fliehen solle, um Hilfe zu holen. Titus zögert, weil die schwarzen Katzen seinen Großvater anfallen, aber schließlich sieht auch er keinen anderen Ausweg, als zu fliehen und den Großvater trotz Lebensbedrohung zurückzulassen. Ein großes Abenteuer beginnt für Titus, denn außerhalb des Hauses gelten ganz andere, viel härtere Regeln, die er nicht kannt. So gerät er schon bald u.a. in die Hände einer Katzengang, die ihn nicht in seinem Revier dulden will…

Bewertung:

„Titus Tatz“ ist ein ganz besonderes Kinder- und Jugendbuch. Eigentlich habe ich mich dem Buch ja eher skeptisch genähert, bin ich doch nicht gerade ein Katzenfreund (und mit Tiergeschichten hab‘ ich es auch nicht so) – aber umso positiver war ich überrascht, als ich nach und nach immer tiefer in die Geschichte hineingezogen wurde.
Wie Titus zunächst ein Außenseiter in seiner Familie ist, wie er dann das Haus der Komtess verlässt, um in der großen unbekannten Stadt nach Hilfe zu suchen, wie er dort Freunde findet, aber auch auf viele Feinde stößt – all das hat seinen ganz besonderen Zauber und entpuppt sich als spannende Abenteuergeschichte. Was Titus als Katze alles durchmacht, das kennen viele Kinder und Jugendliche (und ehrliche Erwachsene wohl auch): dass man von anderen für einen Feigling gehalten wird, dass man Dinge zu bewältigen hat, die eigentlich eine Nummer zu groß für einen sind, dass man naiv an etwas herangeht und dann eines auf den Deckel bekommt, usw. Titus bewältigt all das mit vielen Selbstzweifeln und das macht ihn – obwohl er ein Kater ist – zu einer so interessanten Figur, mit der man sich identifizieren und in deren Lage man sich gut hineinversetzen kann.

Fazit:

5 von 5 Punkten. „Titus Tatz“ ist alles in allem ein ungewöhnliches Mutmachbuch für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren (als Vorlesebuch auch schon für jüngere Kinder geeignet). Es ist eigentlich paradox (also widersinnig), aber der kleine sympathische Kater Titus ist so menschlich, wie wenige andere Buchfiguren – man kann sich so richtig in ihm wiederfinden.
Mit diesem Buch ist SF Said ein wirklich großer Wurf gelungen – das Buch versprüht einen Zauber, wie man ihn von Michael Endes „Momo“ und nur wenigen anderen Büchern kennt. Große Leseempfehlung für die Sommerferien!

blau.giflila.gifrot.gifgelb.gifgruen.gif

(Ulf Cronenberg, 02.08.2005)

Kommentare (0)

  1. Carola

    Die Katzen haben in ihrer Kurzfassung blaue Augen am Anfang, aber im Buch haben die reinrassigen mesopotamischen Kurzhaarkatzen blau grüne Augen.

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