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Buchbesprechung: Robert Cormier "Heroes"

Cover CormierLesealter 15+(Fischer Taschenbuch Verlag 2002, 119 Seiten)

In Zeiten, wo am Jugendbuchmarkt gerade Flaute bei den Neuerscheinungen ist, kann man sich auch mal an ein älteres Buch wagen… „Heroes“ von Robert Cormier habe ich schon einmal gelesen (kurz nachdem es auf Deutsch veröffentlicht wurde) – und es hat mich ziemlich gepackt. Doch damals gabe es Jugendbuchtipps.de noch nicht, und so kann ich es jetzt nachholen, eine Buchbesprechung zu verfassen…
Robert Cormier, der übrigens im Jahr 2000 gestorben ist, hat sagenhaft gute Bücher geschrieben, aber auch andere, die nicht ganz so gut gelungen sind. Allen seinen Jugendbüchern gemeinsam ist jedoch, dass sie nichts zum „mal eben nebenher“ lesen sind, vielmehr lassen sie den Leser zum Teil leicht verstört zurück.
Genug der Vorworte – mal sehen, ob mir „Heroes“ nach wie vor gefallen hat…

Inhalt:

Francis Cavant kehrt nach längerer Zeit in seine Heimat Frenchtown, einem Stadtteil von Monument, zurück. Der zweite Weltkrieg ist vorbei und Francis wurde im Krieg von einer Granat so schwer getroffen, dass sein ganzes Gesicht verunstaltet und verwundet ist. Um anderen Leuten einen großen Schock zu ersparen, trägt er vor dem Gesicht ein Tuch und auf dem Kopf eine Baseballkappe, die er tief ins Gesicht zieht. Eigentlich hat Francis mit seinem Leben so gut wie abgeschlossen, jedoch hat er in Frenchtown noch etwas zu erledigen…
Dass Francis überhaupt in den Krieg gegen die Japaner und Deutschen gezogen ist, hat eine lange Vorgeschichte – und diese wiederum hat etwas mit Francis‘ Rückkehr in die Heimat zu tun. Rückblickend erzählt Francis, wie es zu dem tragischen Geschehen, das sein weiteres Leben mehr als beeinflusst hat und ihn in den Krieg getrieben hat, gekommen ist. Hauptpersonen dabei ist Larry LaSalle, ein junger Tänzer, der nach Frenchtown gezogen ist.
Larry LaSalle hat während der hoffnungslosen Zeit des Kriegbeginns in Frenchtown etwas geschafft, was alle für unmöglich gehalten haben: Er hat der Jugend der Stadt wieder Hoffnung gegeben. Denn Larry baute im so genannten Katastrophenzentrum eine Art Jugendclub auf, wo die Jugendlichen der Stadt nicht nur tanzen, sondern auch andere Sportarten, u.a. Tischtennisspielen, lernen konnten.
Bei Larry entdeckt Francis nicht nur seine große Begabung für das Tischtennisspielen kennen, sondern Larry bringt Francis großer Liebe Nicole auch das Tanzen bei. Doch dann passiert etwas, was Francis Larry nicht verzeihen kann und was Francis dazu bringt, sich trotz seiner 15 Jahre mit gefälschtem Pass zum Krieg zu melden…

Bewertung:

„Heroes“ ist eines der besten Bücher von Robert Cormier (wohl nur übertroffen von „Das Verhör„) – dem konnte ich mich auch beim zweiten Lesen des Buches nicht verschließen. Gerade die Kürze des Romans mit 120 Seiten führt dazu, dass hier alles wohl komponiert, nichts Überflüssiges enthalten ist – die Geschichte wird konzentriert und stringent erzählt.
Wie Robert Cormier, der amerikanische Jugendbuchautor, die Geschichte aufbaut, ist einfach große Kunst. Gegenwart und Vergangenheit fügen sich nahtlos ineinander und bilden eine Geschichte, die langsam, aber sicher die Spannung aufbaut. Der große Höhepunkt – Francis‘ traumatische Erfahrung (mehr will ich hier nicht verraten) – ist kunstvoll erzählt: weder zu reißerisch noch zu spröde. Es ist genau die richtige Mischung, die den Leser einerseits gezielt in die Schrecklichkeit des Geschehens hineinführt, andererseits aber auch Fantasieräume offen lässt, in die man sich hineindenken kann. „Heroes“ ist damit – und auch wegen der subtilen Zeichnung der Figuren – ein psychologisch dichter Roman.

Fazit:

5 von 5 Punkten. Nun, dass „Heroes“ kein schlechtes Buch ist, hatte ich ja schon gewusst. Dennoch hatte ich mich gefragt, wie mir wohl ein Jugendbuch gefällt, das ich schon einmal mit Begeisterung gelesen habe. Hat es viereinhalb Jahre später an Bedeutung und Reiz verloren? Die Frage muss jedenfalls eindeutig mit einem Nein beantwortet werden, auch wenn das erste Lesen natürlich spannender war, da ich die „Katastrophe“ damals nicht kannte. Robert Cormier beweist gerade mit „Heroes“, dass er einer der großen amerikanischen Jugendbuchschriftsteller war und ist – es gibt nicht viele Autoren, die ihre Geschichten so spannend und psychologisch raffiniert aufbauen können.
„Heroes“ sei Jugendlichen ab 15/16 Jahren (Jungen wie Mädchen) empfohlen – lasst euch jedoch warnen, dass das Buch keine leichte Kost ist, sondern eine recht düstere und hoffnungslose Stimmung verbreitet.

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(Ulf Cronenberg, 11.07.2005)

Weitere Meinungen

Selten habe ich ein so dünnes Buch mit so großem Inhalt gelesen! Die Geschichte ist sehr fesselnd und hält unerwartete Wendungen bereit. Sie ist nicht geschönt, ohne jedoch durch und durch negativ und deprimierend zu sein. Das Ende ist sehr offen, aber mit einem kleinen Hoffnungsschimmer. Ich finde, das wahre Leben wird gut in diesem Buch abgebildet. Es zeigt, dass das Leben uns vor eine Menge schwierige problematische Aufgaben stellt, für die es eine Lösung zu finden gilt. Es gibt insgesamt viele Denkanstöße und Diskussionsstoff: Was sind Schuld, Heldentum, Feigheit oder Tapferkeit/Mut, Verantwortungsbewusstsein, Zivilcourage, Freundschaft, Liebe? Auch geht es um die ethische Frage, ob eine böse Tat alle guten, die ein Mensch verübt hat, auslöscht oder nicht.

(Iris Henninger)

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