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Buchbesprechung: Han Nolan "Born blue"

Cover NolanLesealter 14+(Carlsen-Verlag 2005, 254 Seiten)

Über den Buchumschlag kann man streiten… Mir gefällt dieses Rosa jedenfalls nicht und ohne die Inhaltsbeschreibung hätte ich nicht zu diesem Buch gegriffen. Aber gut, man sollte sich ja auch am Inhalt und nicht am Cover eines Buches orientieren… Dass es um Musik geht, das kann man immerhin an der Kassette auf dem Buchcover erkennen. Und da ich ja selbst Musik mache, interessierte mich das Buch natürlich.
„Born blue“ ist Han Nolans erstes, ins Deutsche übersetzte Buch. Die Amerikanerin studierte und unterrichtete zunächst Tanz, bevor sie Jugendbücher zu schreiben begann, und scheint damit selbst einige Erfahrungen im Bereich der Musik zu haben.

Inhalt:

Janie lebt bei einer Pflegefamilie – ihren Vater kennt sie gar nicht und ihre Mutter kümmert sich so gut wie gar nicht um sie. Und auch in der Pflegefamilie geht es ihr nicht allzu gut, denn ihre Pflegeeltern Pete und Patsy haben wenig Zeit für Janie, da sie auch mehrere Babys in Pflege haben. Janies einziger Lichtblick ist der schwarz-häutige Harmon, ihr drei Jahre älterer Pflegebruder, der für sie wie ein richtiger Bruder ist.
Harmon ist es auch, der Janie mit den „Ladys“ – u.a. den Soul- und Blues-Sängerinnen Etta James, Ella Fitzgerald und Aretha Franklin – bekannt macht. Janie und Harmon verehren die „Ladys“ und ihre Musik und erträumen sich eine Zukunft, in der Janie selbst eine berühmte Sängerin ist.
Eines Tages kommt ein Ehepaar bei Janies Pflegefamilie zu Besuch. Die James wollen Harmon kennen lernen, da sie ein Kind zur Adoption suchen. Es dauert nicht lange und Harmon verlässt die Pflegefamilie, um bei den James zu wohnen. Zum Abschied schenkt er Janie Kopien von allen Kassetten der „Ladys“ – sein neuer Vater hat sie angefertigt.
Auch Janies Leben ändert sich schon bald. Als sie eines Tages von ihrer wirklichen Mutter, die stark drogenabhängig ist, für einen Besuch abgeholt wird, stellt diese Janie Mitch und Shelly als ihre neue Pflegeeltern vor. Janie zieht in eine andere Stadt um – und erst so langsam wird ihr klar, was ihre Mutter da mit ihr gemacht hat: nämlich ihre eigene Tochter für Drogen an ein kinderloses Ehepaar verkauft. Doch Janie kümmert sich nicht darum – sie hat es bei Mitch und Shelly, auch wenn diese sich oft etwas seltsam verhalten, besser als bei den alten Pflegeeltern. Mitch ist es auch, der Janies Gesangstalent entdeckt – denn Janie singt, obwohl sie erst zehn Jahre alt ist, wie eine erwachsene schwarze Soulsängerin. Doch Janie hat nicht nur diese tolle Stimme, die sie weit bringen könnte, sondern neigt auch dazu, ein chaotisches und zerstörerisches Leben zu führen…

Bewertung:

„Born blue“ ist zumindest für mich eine Geschichte aus einer anderen Welt: ständig wechselnde Pflegefamilien, als Jugendliche allein auf der Straße, Drogen… (um nicht gleich alles zu verraten, sei die Aufzählung hier beendet). All das ist eindrücklich aus der Perspektive von Janie erzählt und man kann sich gut in ihre Gefühle und Gedanken hineinversetzen. Gleichzeitig bleibt Janie einem aber auch immer wieder ein Rätsel, wenn man sieht, wie sie sich in bestimmten Momenten verhält – dies gilt vor allem für ihre selbstzerstörerische und draufgängerische Ader.
Han Nolan hat Janies Lebensweg gut und nachvollziehbar beschrieben – in der Mitte des Buches ging es mir jedoch so, dass mich das viele Hin und Her etwas genervt hat. Gut, man kann sich fragen, ob das nicht eben Janies eigenes Erleben widerspiegelt – die ständige Wiederkehr des Gleichen -, aber vom Lesen aus betrachtet, geht hier die Spannungskurve etwas nach unten. All dies ist aber am Ende des Buches wieder vergessen. Han Nolan hat ab dem Moment, in dem Janie dem Gitarristen Paul, der in einer ganz anderen Welt als Janie lebt, begegnet, wieder zu einer interessanten Geschichte zurückgefunden. Und auch der Schluss des Buches ist gelungen und gleicht den Hänger in der Mitte des Buches wieder aus.

Fazit:

4 von 5 Punkten. „Born blue“ ist ein gutes Buch, aber keines, das mich so richtig restlos begeistert hat. Janies langer Weg zu sich selbst, dessen einzige Konstante die Musik und das Singen sind, wird genau beschrieben, die Begeisterung für die „Ladys“ und ihre Musik springt auf den Leser über. Mein kleines Unbehagen dem Buch gegenüber rührt vor allem daher, dass die Mitte des Romans etwas langatmig ist und gerade dort das Eintauchen in die Geschichte eingeschränkt war.
Han Nolans Buch sei alles in allem insbesondere Lesern ans Herz gelegt, die selbst gerne Musik hören und machen und daraus – wie die Hauptperson Janie – einen Teil ihrer Lebensenergie ziehen. (ab 14 Jahren)

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(Ulf Cronenberg, 31.03.2005)

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