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Buchbesprechung: Donna Jo Napoli "Nur 3 Tage"

Cover NapoliLesealter 12+(Carlsen-Verlag 2005, 142 Seiten)

Bei dem Namen der Autorin denkt man gleich, dass diese Italienerin ist – aber so ganz stimmt das nicht, denn Donna Jo Napoli lebt in Amerika und ist dort Linguistik-Professorin, hat jedoch italienische Vorfahren, wie man am Ende des Buches erfährt. Daher auch der Name…
Im Buch selbst greift die Autorin dann auch beide Welten – die ihrer Vorfahren und ihre eigene – auf, indem das Buch in Italien spielt, die Hauptperson jedoch ein amerikanisches Mädchen ist. Damit sind wir schon fast mitten drin in der Geschichte…

Inhalt:

Jackie, die eigentlich Jacqueline heißt, ist ein elfjähriges Mädchen, das mit ihrem Vater, der beruflich viel unterwegs ist, für eine dreiwöchige Geschäftsreise mit nach Italien reist. Gemeinsam schauen sie sich das Land an und der Vater absolviert nebenbei mehrere Geschäftsessen, auf die er seine Tochter mitnimmt. Für Jackie ist Italien ein fremdes Land, ihr Vater jedoch war schon öfters dort und ist mit der italienischen Lebensweise vertraut.
Als die beiden eines Abends auf der Autobahn zu ihrem Hotel südlich von Rom fahren, fängt Jackies Vater zunächst seltsam zu husten an, bevor er richtig zu würgen beginnt und seine Augen seltsam hervortreten. Er versucht noch an den Rand der Straße zu fahren, doch das Auto fährt weiter über den unebenen Straßenrand, bevor es schließlich zum Stehen kommt und der Motor absäuft. Jackie versucht ihren Vater anzusprechen, doch dieser reagiert nicht – auch nicht als sie ihn schüttelt und auf ihn einschreit.
Jackie ist fassungslos und versteht nicht, was geschehen ist. Ihre Versuche, am Straßenrand andere Autos anzuhalten, um Hilfe zu bekommen, bleiben erfolglos. Alle Autos fahren einfach weiter. Schließlich kehrt sie zu dem Auto zurück, um nach ihrem Vater zu schauen. Doch dieser rührt sich nach wie vor nicht, erscheint ihr außerdem kälter als vor einer Viertelstunde. Nach einiger Zeit bemerkt sie, dass sich ein anderes Auto nähert und neben ihrem Auto anhält. Zwei Männer – einer älter, einer jünger – steigen aus. Doch als Jackie versucht, auf ihre Not aufmerksam zu machen, passiert etwas Seltsames: Die beiden Männer nehmen einige Dinge aus dem Auto des Vaters heraus, legen die Sachen in ihr eigenes Auto und geben Jackie zu verstehen, dass diese mit in ihr Auto einsteigen soll. Jackie meint, dass die beiden ihr helfen und mit ihr gemeinsam die nächste Polizeistation aufsuchen wollen. Doch als sie mit dem Auto mehrere Ausfahrten passieren, ohne die Autobahn zu verlassen, schwant Jackie Schlimmes – und ihre Befürchtungen bewahrheiten sich, denn immer weiter fahren die beiden Männer mit ihr, die ganze Nacht hindurch. Ein Alptraum beginnt für Jackie – nicht nur, dass ihr Vater tot zu sein scheint (was sie jedoch nicht wahrhaben will), die beiden Männer scheinen sie zu entführen. Und sie weiß absolut nicht, warum sie dies tun und was auf sie wartet… Und all das in einem fremden Land, in dem sie die Sprache nicht versteht und wo die Entführer nicht einmal englisch sprechen.

Bewertung:

Die ersten Seiten von Donna Jo Napolis Buch haben mir gut gefallen, denn die Autorin beschreibt einfühlsam, wie sich ein junges amerikanisches Mädchen in einem fremden Land fühlt und was in Italien alles anders als in Amerika ist. Doch leider verliert die Geschichte seltsamerweise an einer Stelle, an der es eigentlich spannend werden sollte, an Eindrücklichkeit. Als Jackie versucht, andere Autos anzuhalten und schließlich entführt wird, gelingt es Donna Jo Napoli nicht so recht, Spannung aufzubauen. Stattdessen wirken die Gedanken und Gefühle von Panik, die Jackie durchlebt, oberflächlich und leicht abgedroschen. Die Art, wie all das beschrieben ist, nervt eher, als dass dem Leser die Panik des Mädchens vermittelt werden könnte.
Die fehlende Spannung im Buch bleibt leider bestehen. Zwar wird weiterhin gut die Unterschiedlichkeit der beiden Welten – Amerika und Italien – beschrieben, doch der Rest des Buches reizt einen nicht wirklich zum Weiterlesen. Erst gegen Ende des Buches kommt etwas Spannung auf, wenn man erfährt, warum Jackie entführt wurde und wie die Geschichte ausgeht. Jedoch war mir schon in der Mitte des Buches klar, worauf alles hinausläuft…

Fazit:

3 von 5 Punkten. Letztendlich bleibt „Nur 3 Tage“ hinter dem, was der Werbetext auf der Coverrückseite verspricht, nämlich ein spannendes Buch über die Entführung eines Mädchens in einem fremden Land, deutlich zurück. Die einzige Stärke des Buches ist meiner Ansicht nach, wie die anderen Sitten und Bräuche in Italien aus der Sicht eines amerikanischen Mädchens beschrieben werden. Dies nimmt zwar einen großen Raum in Donna Jo Napolis Buch ein, jedoch ist das als Leseanreiz allein leider zu wenig. Insgesamt hinterlässt „Nur 3 Tage“ das Gefühl, dass hier eine Chance vertan wurde: nämlich einen interessanten Kulturvergleich in eine spannend und gut erzählte Geschichte einzubauen. Schade… (Ab 12 Jahren)

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(Ulf Cronenberg, 24.03.2005)

Weitere Meinungen:

Ein Statement vorweg: Das Buch ist richtig toll. Selten bekommt man so ein Kleinod in die Hände.
Abgesehen davon – das ist der einzige Schwachpunkt des Buches –, dass Antonias Gedanken manchmal zu reif und erwachsen für eine Elfjährige wirken, ist das Buch psychologisch hervorragend aufgebaut und geschrieben. Was tut man in einer Situation (eine Entführung!), die man nur aus Büchern oder Filmen kennt, noch dazu erst elf Jahre alt ist und die Landessprache nicht versteht? Man kann die Beklemmung und Notlage völlig nachvollziehen, mit durchleben. Doch es läuft nicht nur nach diesem einfachen Muster ab. Die Entführer sind ja keine durch und durch schlechten Menschen mit bösen Motiven, sondern Personen mit einer vielschichtigen Psychologie in einer komplizierteren Lebenssituation. Jackie ihrerseits schwankt ständig zwischen Ablehnung einerseits und andererseits Faszination bzw. Neugier gegenüber diesen ihr fremden und immer vertrauter werdenden Menschen, was in sehr feinfühlig erzählten Momenten gezeigt wird. Es geht um schwierige moralische Fragestellungen, die das Kind nach und nach durchschaut und versteht. Die Entwicklung ist sehr schön dargestellt. Ein ganz besonderes Buch und Leseerlebnis!

(Iris Henninger)

Kommentare (0)

  1. Roberta

    Als ich mir dieses Buch mal in der Bücherei ausgeliehen habe, dachte ich zuerst, es sei ein unheimlich spannendes, packendes und trauriges Buch. Die Idee des Buches fand ich eigentlich gut, doch die Sprache hat mir nicht gefallen, sodass man am liebsten einige Seiten einfach überspringen würde.

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  2. sibel k.

    Als ich das Buch gelesen habe, habe ich etwas Gänsehaut bekommen. Aber es war vieles unnötig, z.B. der mittlere Teil …
    Aber sonst fand ich das Buch klasse! 🙂

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