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Buchbesprechung: Garth Nix "Lirael"

Cover NixLesealter 14+(Carlsen-Verlag 2004, 254 Seiten)

Schon seit längerem habe ich mich auf „Lirael“, den Nachfolger von Garth Nix‘ Fantasy-Jugendbuch „Sabriel“, gefreut. Beim Lesen von „Sabriel„, daran kann ich mich noch genau erinnern, lag ich damals stark verschnupft, mit Fieber und Kopfweh im Bett – das wir nicht gerade angenehm, aber dafür hatte ich Zeit, das Buch in zwei Tagen durchzulesen. Bei „Lirael“ ging es nicht so schnell, dafür waren die Umständen beim Schmökern doch um einiges angenehmer…

Inhalt:

Lirael, ein 13-jähriges Mädchen, wächst bei den Clayr, den Seherinnen, auf. Doch im Gegensatz zu den Clayr, die in Liraels Alter normalerweise schon die „Sicht“ haben, also in die Zukunft schauen können, bleibt die „Sicht“ bei Lirael aus. Sie fühlt sich deswegen und auch wegen ihres für eine Clayr ungewöhnlichen Aussehens einsam und den Clayr nicht richtig zugehörig.
Als Lirael die „Sicht“ an ihrem 14. Geburtstag noch immer nicht erhalten hat, beschließt sie, ihrem Leben ein Ende zu machen. Sie will sich von einem nahe gelegenen Gletscher stürzen. Auf dem Weg zum Gletscher kommt Lirael am Landeplatz der Papiersegler (einer Art Flugzeuge) vorbei und versteckt sich, als sie bemerkt, dass sich ein Papiersegler nähert. Aus dem Flieger steigen ein Mann und eine Frau aus, die kurz darauf von zwei Clayr-Frauen begrüßt werden. Lirael versucht unbemerkt zu bleiben und bekommt dabei mit, wer die beiden Gäste sind: König Touchstone und seine Frau Sabriel (die ja schon aus Band 1 bekannt sind). Ohne alles genau zu hören, bekommt Lirael mit, dass sich Sabriel und Touchstone mit den Clayr über große Schwierigkeiten unterhalten: Dunkle Mächte bedrohen und gefährden das Alte Königreich. Touchstone und Sabriel müssen kurz darauf weiterfliegen, um gegen die dunklen Mächte zu kämpfen – bevor sie abfliegen, weist Sabriel jedoch die Clayr noch darauf hin, dass sie belauscht wurden. So bemerken die Clayr Lirael, die angstvoll aus ihrem Versteck kommt. Doch statt der erwarteten schlimmen Bestrafung zeigen sich die beiden Clayr freundlich. Nachdem sie von Liraels Kummer wegen der ausbleibenden „Sicht“ erfahren, helfen sie Lirael sogar eine Aufgabe zu finden. Lirael wird Bibliotheksgehilfin, was ihrem Leben zumindest einen Sinn verleiht.
Ein paar Jahre später – Lirael hat inzwischen ihre Zauberkünste auf eigene Faust und mit nicht immer ganz erlaubten Mitteln vertieft – wird Lirael im Auftrag der Clayr ausgesandt. Ihre Aufgabe im Kampf gegen die dunklen Mächte ist nicht ganz klar, jedoch scheint Lirael darin eine unbekannte, aber wichtige Rolle zu spielen. Mit ihrer magischen Hündin macht sich Lirael auf einem Schiff auf den Weg und es dauert nicht lange, bis sie in großer Gefahr ist. Außerdem begegnet sie Sameth, Sabriel und Touchstones Sohn, der ebenso wie Lirael von einem Nekromanten und seinen Verbündeten gejagt wird.

Bewertung:

Wie schon bei „Sabriel“ war es auch bei „Lirael“ nicht ganz einfach, in die Geschichte hineinzufinden. Der Anfang – vor allem der Prolog – ist etwas verwirrend und an die Handlung muss man sich langsam herantasten. Aber wer dran bleibt, wird hierfür reichlich belohnt mit einer packenden Geschichte. Es sind weniger die Kämpfe gegen halbtote Geschöpfe und den Nekromanten Hedge, die das Buch lesenswert (und spannend) machen – sondern, was mir vor allem gefällt, ist, dass „Lirael“ mit Tiefe und Ruhe erzählt wird. Garth Nix lässt sich Zeit, die Geschichte und die Figuren zu entwickeln. Mit Lirael und Sameth sind ihm außerdem zwei besondere Hauptpersonen gelungen, die wegen ihrer vielen Zweifel, Ängste und Sorgen so sympathisch sind.
Das Besondere an „Lirael“ wie schon an „Sabriel“ ist nach wie vor die düstere und geheimnisvolle Fantasy-Welt, in der sich die Geschichte zuträgt. Das mag nicht jeder mögen, aber es ist – wie ich finde – in sich stimmig und erzeugt beim Lesen eine ganz besondere Atmosphäre.

Fazit:

5 von 5 Punkten. „Lirael“ reiht sich fraglos in die gerade im letzten Jahr mit „Bartimäus“, „Eragon“ und schon „Sabriel“ immer länger werdende Liste virtuoser Fantasy-Bücher ein. Für Leser (ab 14/15 Jahren), die gerne in Zauber- und Fantasywelten abtauchen, ist „Lirael“ ein Muss – aber Vorsicht: Man sollte vorher unbedingt „Sabriel“ gelesen haben, sonst läuft man Gefahr, manches im Buch nicht so ganz verstehen.
Letztendlich hat „Lirael“ vom nicht ganz einfachen Einstieg abgesehen nur eine kleine Schwäche: nämlich dass die Geschichte nicht richtig zu Ende erzählt ist. Aber eigentlich ist das eher eine Verheißung als ein Manko… – weil das bedeutet, dass noch ein dritter Band folgt. Und nachdem es diesen schon auf Englisch (unter dem Titel „Abhorsen“) gibt, wird der Carlsen-Verlag hoffentlich bald „nachlegen“… Ich freue mich drauf!

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(Ulf Cronenberg, 09.10.2004)

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