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Buchbesprechung: Frank Cottrell Boyce "Millionen"

Cover BoyceLesealter 12+(Carlsen-Verlag 2004, 253 Seiten)

Tja, wer hätte nicht gerne eine Million auf dem Konto? Was man damit alles machen könnte! Meine Güte… Dauerurlaub, immer den neuesten Computer, schnelle Autos (wer es mag – mein Ding ist das nicht), eine richtig ordentliche Hausbibliothek (das schon eher)… Aber, ob man dadurch glücklich wird? Das ist eine andere Geschichte… (Meine Familie schaut übrigens gerade „Wer wird Millionär“, während ich das tippe.)
Der Brite Frank Cottrell Boyce (Vater von sieben Kindern!) hat in seinem ersten Jugendbuch genau dieses Thema aufgegriffen. Ob das Geld dort eher zum Segen oder zum Fluch wird? Erste Hinweise liefert diese Buchbesprechung, wer es genauer wissen will, kommt jedoch nicht umhin, das Buch selbst zu lesen…

Inhalt:

Damian lebt mit seinem Vater und seinem Bruder Anthony nach dem Tod seiner Mutter alleine in einem neu bezogenen Haus. Gemeinsam versuchen sich die drei „Männer“ durchs Leben zu schlagen – wobei Damian immer besonders hervorragend sein will: vor allem seinem Vater will er alles recht machen. Doch Damian hat einen etwas seltsamen Spleen: Er liebt Heilige und geht seiner Umwelt auf den Wecker, in dem er ständig Geschichten von irgendwelchen Heiligen erzählt – sei es von Agatha von Catania, der Schutzheiligen der Bäcker, oder von der heiligen Lidwina, der Schutzheiligen fürs Eislaufen. Manchmal erscheinen Damian sogar die Heiligen und er kann mit ihnen sprechen – aber das weiß nur er selbst.
Eines Tages, ab den einiges schief gelaufen ist, zieht sich Damian in seine so genannte Eremitage, eine kleine Hütte aus Pappkartons, zurück und zweifelt gerade an Gott. Doch während er wegen seiner Zweifel betet, passiert etwas Unerwartetes – und Damian kommt nicht umhin, es als Zeichen Gottes zu verstehen: Aus einem Zug, der vorbeifährt, wird eine Tasche geworfen, die genau vor Damians Hütte fällt – und diese Tasche enthält knapp 230.000 Pfund. Damian ist perplex und spricht kurz darauf mit Anthony, seinem Bruder, über das Geld. Anthony, schon immer ein geschäftstüchtiger Junge, überlegt sofort, was sie mit dem Geld machen könnten – auf jeden Fall will er ihren Vater nicht einweihen.
Das Problem mit dem Geld ist jedoch, dass es nur noch 10 Tage bis zur Umstellung auf den Euro sind – und danach ist das Geld wertlos. Die beiden Jungen bleiben also nur wenige Tage, es auszugeben… Doch das ist einfacher gesagt als getan, vor allem wenn man minderjährig ist.
Zunächst einmal verwenden Anthony und Damian das Geld, um in der Schule Mitschülern alle möglichen Dinge abzukaufen – doch schon bald steigen die Preise dort, da die anderen sehen, dass Anthony und Damian nicht handeln, sondern fast jeden Preis zahlen. Die Schule wird auf einmal ein teures Kaufhaus, denn durch die Käufe der beiden Brüder kommen auch die anderen Schüler zu Geld. Doch neben dem Ausgeben des Geldes haben Damian und Anthony bald auch noch andere Sorgen – denn die eigentlichen „Besitzer“ des Geldes sind ihnen auf der Spur…

Bewertung:

„Millionen“ – das merkt man schon an der obigen Inhaltszusammenfassung – ist ein witziges Experiment in Buchform: Was machen zwei Jugendliche, die eine Tasche voller Pfundnoten finden, mit all dem Geld? Wer würde sich nicht gerne für so ein Experiment zur Verfügung stellen? Den Reiz des Buches macht außerdem aus, dass Frank Cottrell Boyce die skurrile (also sonderbare) Geschichte witzig und rasant erzählt. Ständig schlägt die Handlung Haken und es passiert Unerwartetes.
Die Figuren in dem Buch sind ebenso schräg und komisch: nicht nur Damian, der im Internet nach allem über Heilige stöbert und ständig von diesen erzählt, sondern auch die anderen vorkommenden Personen wie z.B. die Nachbarn von Damian: ein paar scheinheilige Gläubige, die erst einen auf Askese machen und dann nach einem Geldgeschenk von Damian einen teuren Plasmafernseher und einiges mehr kaufen.
Dennoch, so richtig warm bin ich mit dem Buch nicht geworden. Das habe ich unter anderem daran gemerkt, dass ich recht lange für dieses Buch gebraucht habe. An manchen Stellen war mir das Buch mit seiner Witzigkeit und mit dem ganzen Heiligengetue einfach zu aufdringlich.

Fazit:

3-einhalb von 5 Punkten. Frank Cottrell Boyces Buch ist eine unterhaltsame Geschichte darüber, wie Geld Menschen verändern kann. Wer britischen Jugendbuch-Humor mag, liegt mit diesem Buch sicher richtig – mir persönlich war das einfach ein bisschen zu viel des Guten. Letztendlich ist das Unterhaltsame an dem Buch gleichzeitig auch ein bisschen seine Schwäche – denn vor lauter Witz und Spritzigkeit vergibt der Autor eine Chance: dass man etwas darüber ins Grübeln kommt, wie Geld die Menschen verändert. So legt man das Buch schmunzelnd aus der Hand, aber wird nicht richtig dazu verleitet, über die Wirkung von Geld nachzudenken.
„Millionen“ ist ein Buch für Jugendliche ab 12 Jahren, die eine witzige Geschichte lesen wollen und selbst davon träumen, mal eine Million im Koffer zu finden…

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(Ulf Cronenberg, 21.11.2004)

(Wer sich übrigens wie Damian im Internet über Heilige informieren will: Die im Buch erwähnte englische Internetseite http://www.totallysaints.com gibt es wirklich – allerdings wurde sie eigens für das Buch – sozusagen auch als Werbung – eingerichtet.)

Weitere Meinungen

n dieser Geschichte um das große Geld stellt stellt Damian letztlich fest: „Mal rein metaphorisch betrachtet war das Geld zu einer Last geworden.“
Der Drehbuchautor F. C. Boyce hat mit diesem Buch einen großen Treffer gelandet. Es sprüht vor Witz und skurrilem Einfallsreichtum – sprachlich und inhaltlich. Ich kann es mir auch gut als Klassenlektüre (ab der 5. Jahrgangsstufe) vorstellen, da es äußerst unterhaltsam ist und dabei einige Themen zur Diskussion bietet: Arm und Reich, Umgang mit Geld, Moral, Bürgerpflicht, das Leben der beiden Brüder als Halbwaisen u.a.m.
Genial!!! Ich würde mich sehr über weitere Bücher dieses Autors freuen.

(Iris Henninger)

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