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Buchbesprechung: Bruce Coville "Der verflixte Wahrheitszauber"

Cover CovilleLesealter 10+(Ravensburger-Verlag 2004, 239 Seiten)

Ein Totenkopf mit leuchtenden Augenhöhlen und ein Junge, der sich die Ohren zuhält – der Buchumschlag verrät einem schon, dass in dem Buch verrückte und nicht ganz geheure Dinge passieren.
Der Name Bruce Covilles ist für mich neu, auch wenn es schon ein paar Bücher von ihm auf Deutsch gibt. Den Tipp für „Der verflixte Wahrheitszauber“ habe ich von einer Buchhändlerin (übrigens aus diesem Buchladen) bekommen, die von dem Buch ganz angetan war… Ein hinreichender Grund, das Buch einem Selbsttest zu unterziehen… 🙂

Inhalt:

Der 11-jähige Henry, der für seine ständigen Lügen bekannt ist, lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester in einem Haus direkt am Friedhof. Nicht weit von dem Haus entfernt, befindet sich das Tucker Moor – ein Sumpfgebiet, in dem der Vater von Henrys Erzfeind Mark ein Geschäftszentrum bauen will. Doch gegen diesen Bau im Tucker Moor sind viele Menschen, darunter auch Henry, da die Moorlandschaft dadurch zerstört würde. Die Chancen stehen jedoch nicht gut, dies zu verhindern…
Doch das Moor ist zugleich ein geheimnisvoller Ort – als Henry von Mark und seinen Freunden mal wieder gejagt wird, flieht Henry in das Moor, findet jedoch nicht mehr hinaus. Schließlich kommt er, als es schon dämmert, an ein Dorf, wo er einen seltsamen Laden entdeckt: „Eilers Zaubereibedarf“. Er geht in den Laden in der Hoffnung, dort seine Eltern anrufen zu können. Doch tragen sich in dem Laden seltsame Dinge zu. Vor allem fasziniert ist Henry von einem Totenkopf in einer Glasvitrine und ehe er sich versieht, hat er den Totenkopf entwendet und ist aus dem Laden geflohen, ohne dass er das eigentlich wollte. Zu seiner Überraschung befindet sich Henry wieder am Eingang des Moores, als er aus dem Laden tritt.
Schon bald merkt Henry, dass der unheimliche Totenkopf kein gewöhnliches Ding ist – denn er kann sich mit Henry verständigen. Es stellt sich heraus, dass der Totenkopf eine besondere Eigenschaft hat: Sein Besitzer kann nicht mehr lügen, sondern muss die Wahrheit sagen. Und diese Wirkung hat der Totenkopf sogar, wie Henry bald merkt, auf andere Leute in seiner Nähe. Henrys Leben – bis dahin von vielen Lügen begleitet – wird durch den Totenschädel stark verändert, jedoch nicht nur ins Positive. Vielmehr handelt sich Henry einige dicke Schwierigkeiten ein – u.a. als sein krebskranker Freund Gilbert ihn fragt, wie er mit seiner Glatze infolge der Chemotherapie aussehe. Oder als er seiner Klassenkameradin Karen, die gerade nicht so gut auf ihn zu sprechen ist, wahrheitsgemäß seine Liebe gesteht…
Außerdem scheinen auch andere hinter dem Totenkopf der Wahrheit her zu sein.

Bewertung:

„Der verflixte Wahrheitszauber“ ist ein richtig nette, turbulente Geschichte, die immer für eine kleine Überraschung gut ist. Was mir aber besonders gut an dem Buch gefallen hat, ist die Grundidee: Was passiert, wenn Menschen auf einmal immer die Wahrheit sagen müssen. Es ist einfach witzig zu lesen, wenn sich Henrys Familie mit Onkel, Oma etc. – sonst immer gelangweilt beim Familientreffen – plötzlich nicht mehr mit höflichen Floskeln und Platitüden unterhalten, sondern auf einmal die Wahrheit ans Licht kommt. Was man da auf einmal alles erfährt! Dass die Oma mal ….. (pst!) war, dass der Onkel …… (pst!) ist, usw.
Das alles ist eingebettet in eine spannende Geschichte, in der es neben der Wahrheit auch um Liebe, um Umweltschutz und um Lügen in der Politik geht.

Fazit:

5 von 5 Punkten. Mit seinem Buch über Henry und den Totenkopf der Wahrheit hat Bruce Coville eine kurzweilige Geschichte für Jungen und Mädchen ab 10 Jahren geschrieben – und ich sage hier (ohne dass ich Yorick, den Totenkopf, in der Hand halte) die Wahrheit. Interessanter kann ein kleines philosophisches Gedankenspiel über das Thema Wahrheit für 10-Jährige nicht sein. Und wenn Eltern heute (5 Tage vor Weihnachten) noch ein Buch für ihre Kinder zum Vorlesen in den Weihnachtsferien suchen, dann sind sie mit Bruce Covilles Jugendroman sicher gut beraten… – zum Vorlesen ist das Buch auch schon für etwas jüngere Kinder geeignet.

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(Ulf Cronenberg, 19.12.2004)

Lektüretipp für Lehrer!

Eine spannende und immer wieder witzige Geschichte, die man wunderbar dazu heranziehen kann, philosophische Fragen mit einer Klasse zu erörtern: Was ist Wahrheit? Sollte man immer die Wahrheit sagen? Darf man lügen? Eher für die 5. als für die 6. Klasse geeignet. Als Vorlesebuch auch schon in der 4. Klasse…

Kommentare (0)

  1. Isa Lokoto

    Als ich mir hier das erstmal alles durch gelesen hatte, wusste ich: Ich muss mir das unbedingt holen.
    Es ist ein bezauberndes Buch … 🙂

    Antworten

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