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Buchbesprechung: Bali Rai "Die Crew"

Cover RaiLesealter 13+(Sauerländer-Verlag 2004, 254 Seiten)

Bali Rai – das ahnt man ja schon bei dem Namen – ist indischer Abstammung, jedoch in England geboren und aufgewachsen. Sein erstes Jugendbuch mit dem Titel „Bloß (k)eine Heirat!“ wurde in Zeitungen und Besprechungen hoch gelobt – jedoch habe ich es (bisher) nicht gelesen.
„Die Crew“ ist Bali Rai zweites Buch, das ins Deutsche übersetzt wurde, und die Kurzzusammenfassung auf dem Buchumschlag klingt ganz viel versprechend – aber das werdet ihr gleich in der Inhaltszusammenfassung selbst merken…

Inhalt:

Die Crew. So nennen fünf Jugendliche – nämlich Billy, Jas, Della, Will und Ellie – ihre Jugendbande. Sie leben mit ihren Familien im so genannten „Ghetto“, einem Stadtteil mit hoher Kriminalitätsrate und Arbeitslosigkeit, in dem Drogenhandel und Prostitution blühen. Und alleine – ohne Freunde – wäre man hier aufgeschmissen.
Eines Tages finden Will und Jas neben einer Mülltonne eine Tasche mit 15.000 Pfund – Billy und Co. überlegen lange, was sie mit dem Geld machen sollen: behalten oder bei der Polizei abliefern. Nach einigen Tagen der Entscheidungsfindung beschließen die Fünf, das Geld doch bei der Polizei abzugeben. Doch der Polizist, dem sie das Geld übergeben, glaubt der Geschichte vom gefundenen Geld nicht so ganz und nimmt die Mitglieder der Crew auf unverschämte Art und Weise in die Mangel.
Doch anscheinend hat noch irgendjemand anderes mitbekommen, dass Billy, Jas, Della, Will und Ellie das Geld gefunden haben. Als Ellie eines Abends mit ihrem Hund spazieren geht, wird sie von Männern gekidnappt und verschleppt. Billy und seine Freunde wundern sich, dass Ellie so lange mit ihrem Hund unterwegs ist, doch schon bald ahnen sie, dass Ellie etwas passiert sein muss und machen sie große Sorgen. Auch wenn ihnen das nicht von Anfang an klar ist, nach einiger Zeit dämmert es den Crew-Mitgliedern, dass Ellies Verschwinden mit dem gefundenen Geld zusammenhängen könnte. Lange überlegen sie mit ihren Eltern, ob sie die Polizei einschalten sollen, um Ellie – sofern sie noch am Leben ist – zu finden und zu retten… Eine schwere Entscheidung.

Bewertung:

„Die Crew“ ist eines der Bücher, die einen in eine fremde Lebenswelt entführen, nämlich in ein englisches Großstadtviertel mit hohem Ausländeranteil und offener Kriminalität. Das ist nicht die behütete Welt, in der die meisten von uns leben, sondern hier kommt nur durch, wer sich durchzusetzen weiß. Gewalt ist an der Tagesordnung. Bali Rai gelingt es, diese fremde Welt einerseits ohne Beschönigung, andererseits trotzdem liebenswert zu schildern.
Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Sicht von Billy (und zum Teil von Ellie) erzählt – die ganze Story ist dabei von Sprachwitz und Humor durchzogen. Überhaupt, die Figuren sind das Lebendige an „Die Crew“. Nanny z.B. ist Billys Stiefvater, ein Rastafari (ihr wisst schon: Jamaikaner mit Dreadlocks, den langen gedrehten Locken – wie bei Bob Marley), der abends nach seinem Joint meditiert und eine nicht ganz saubere Vergangenheit hat, inzwischen aber ein anderer Mensch zu sein scheint und sich rührend um Billy kümmert. Oder Billys Mutter – früher Sexarbeiterin (wie in Billys Familie die Prostituierten genannt werden), inzwischen eine Sozialarbeiterin, die Frauen weg vom Strich bringen will… Der Blick in die gnadenlose Welt des Ghettos ist ernüchternd, zugleich jedoch amüsant – diese Gradwanderung gelingt Bali Rai sehr gut.

Fazit:

5 von 5 Punkten. Ich habe vor dem Schreiben der Buchbesprechung überlegt, ob ich bei der Wertung einen halben Punkt abziehe, aber während ich diese Rezension verfasse, merke ich doch, dass „Die Crew“ ein wirklich gutes und kurzweiliges Buch ist, an dem es eigentlich nichts auszusetzen gibt. Man kann lachen, ist aber bisweilen aber auch schockiert, welche Dinge in den engen Gassen des „Ghettos“ passieren. Das Verdienst von Bali Rai ist es, den Leser unterhaltsam in eine andere, nicht behütete Welt zu locken.
Wenn ihr euch im Sommer zu Hause oder im Urlaub langweilt (und mindestens 13/14 Jahre alt seit – egal ob Junge oder Mädchen), dann versucht es mit diesem Buch… – und freut euch am Ende, dass ihr nicht im „Ghetto“ lebt, sondern auf dem Handtuch im Freibad oder am Meeresstrand liegen dürft.

blau.giflila.gifrot.gifgelb.gifgruen.gif

(Ulf Cronenberg, 08.08.2004)

Mehr über Bali Rai erfahrt ihr auf seiner englischsprachigen Website: http://www.balirai.co.uk/.

Kommentare (3)

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