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Buchbesprechung: Philip Pullman "Das Bernstein-Teleskop"

Cover PullmanLesealter 12+(Carlsen-Verlag 2001; als Taschenbuch bei Carlsen: 2003, jeweils 590 Seiten)

Großmundig hatte ich Ende Januar versprochen, dass der dritte Band der Pullman-Trilogie um das Mädchen Lyra in ein paar Wochen hier besprochen wird. Nun, inzwischen ist es Juni, aber ich habe es immerhin doch noch geschafft. Nicht, dass ich keine Lust auf das Buch hatte – es war mir bloß immer zu dick zum Mal-zwischendurch-lesen…
Bevor ihr nun diese Buchbesprechung lest, solltet ihr euch vielleicht erst mal die von Band 1 und Band 2 vornehmen oder am besten gleich die beiden Bücher selbst. Warum? Weil eine Inhaltszusammenfassung des vorliegenden Bands 3 möglicherweise das Ende von Band 2 vorweg nimmt. (Ich weiß – das ist ein gut gemeinter Ratschlag, den ich wohl selbst aus Neugierde nicht befolgen würde…)

Inhalt:

Lyra wird von ihrer Mutter, Mrs. Coulter, die bisher immer eher ihre Gegenspielerin als eine Vertraute war, in einer abgelegenen Höhle gefangen gehalten. Mit einem medizinischen Trank hält sie Lyra ständig im Schlaf, weil sie Angst hat, dass Lyra vor ihr wegrennen würde. Mrs. Coulter gibt vor, dass sie Lyra vor ihren Verfolgern, darunter der Kirche, beschützen will – doch so ganz nimmt man das Mrs. Coulter eigentlich nicht ab nach dem, was sie bisher Lyra und anderen Kindern angetan hat.
Will, Lyras Freund, weilt zur gleichen Zeit, nachdem Lyra und er getrennt wurden, noch in einer anderen Welt, wo er von zwei Engeln begleitet wird. Sein wichtigstes Ziel ist es, Lyra wiederzufinden – auch wenn Lord Asriel (Lyras Vater), anderes mit ihm vorhat. Er setzt sich jedoch über diese anderen Begehrlichkeiten hinweg, weil er weiß, dass er und Lyra gemeinsam eine wichtige Aufgabe, die jedoch noch im Dunkeln liegt, zu erfüllen haben.
Nach langer und schwieriger Suche schließlich gelingt es Will mit Hilfe der Engel, Lyra aufzuspüren. Doch Lyra aus der Höhle vor Mrs. Coulter zu retten, erweist sich als nicht allzu einfach, zumal auch Lord Asriels Verbündete und die Kirche Lyra „befreien“ wollen. Alle drei Gruppen – Will und seine Freunde, Lord Asriels Truppen sowie die kirchlichen Beauftragten – treffen fast gleichzeitig bei der Höhle ein und in einem dramatischen Wettlauf und Kampf gelingt es Will, Lyra mit sich in eine andere Welt zu nehmen. Doch zwei Spionen von Lord Asriel, handgroßen menschenähnlichen Wesen, die auf Libellen fliegen, gelingt es, Lyra und Will in die andere Welt zu folgen.
Vor den beiden Jugendlichen liegt eine große Aufgabe, denn laut einer Prophezeiung kann Lyra zusammen mit Will die Welt und das Leben auf ihr retten, wenn es ihr gelingt, einer großen Versuchung zu widerstehen, von der sie jedoch noch nichts weiß. Doch so vieles kann dabei schief gehen, denn die Kirche, die um ihren Einfluss bangt, hat einen Verfolger auf Lyra angesetzt, der sie ermorden soll. Außerdem sammeln sich seltsame Truppen aus Engeln, Hexen und anderen Wesen, um dem Leben in der Welt ein Ende zu bereiten…

Bewertung:

Dass ich für „Das Bernstein-Teleskop” fast vier Wochen gebraucht habe, sagt – auch wenn man anderes vermuten könnte – nichts darüber aus, wie mir das Buch gefallen hat. Zwar fiel es mir etwas schwer, in die Geschichte reinzukommen, doch lag dies unter anderem daran, dass das Lesen der beiden vorherigen Bände schon so lange zurücklag. Jedoch – das muss auch erwähnt werden – stellt Band 3 der Trilogie um Lyra gerade am Anfang recht hohe Anforderungen an den Leser; denn das Buch hat vier oder fünf verschiedene Handlungsstränge, deren Wege im Laufe des Buches zusammengeführt werden. Das macht das Lesen zu Beginn nicht einfach, zeigt jedoch zugleich, dass Philip Pullman ein kunstvoll aufgebautes Werk verfasst hat.
Warum mir „Das Bernstein-Teleskop“ so gut gefallen hat – besser als die anderen beiden Bände -, hat vor allem drei Gründe: Zum einen ist das Buch noch spannender als Band 1 und 2, zum anderen sind neue Figuren hinzugekommen (die oben erwähnten handgroßen Gallivespier und die Mulefa), die sympatisch und interessant angelegt sind. Darüber hinaus hat „Das Bernstein-Teleskop“ eine philosphosische Tiefe, die aus dem Buch etwas Besonderes macht und die nicht wie in „Sophies Welt“ mit der Brechstange, sondern sehr feinfühlig ins Buch eingebaut ist.

Fazit:

5 von 5 Punkten. „Das Bernstein-Teleskop“ ist ein würdiger Abschluss der Pullman-Trilogie. Angeblich waren viele Leser von dem letzten Band eher enttäuscht – das kann ich jedoch in keinster Weise nachvollziehen. Im Gegenteil. Das Buch ist äußerst spannend und zugleich abwechslungsreich geschrieben, regt zum philosophischen Nachdenken an und vermag es, den Leser in eine sympatische Fantasy-Welt zu entführen. Was will man mehr? Gerade Band 3 ist somit auch etwas für erwachsene Jugendbuch- und Fantasy-Fans.
Gewarnt seien vielleicht lediglich recht junge Leser. 10/11-Jährige, die von „Der goldene Kompass“ begeistert sind, tun sich mit dem dritten Pullman-Band wahrscheinlich etwas schwerer als mit den anderen beiden. Daher auch meine Empfehlung des Buches für Leser ab 12 Jahren.

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(Ulf Cronenberg, 28.06.2004)

Kommentare (0)

  1. Roberta

    „Der goldene Kompass“ ist viel leichter zu verstehen als dann „Das Bernsteinteleskop“. Dort wird es ganz schön kompliziert, doch trotzdem macht es Spaß, sich in die Geschichte hineinzuversetzen. Die Sprache ist sehr schön.

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