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Buchbesprechung: Ned Vizzini "Cool – Und was ist mit Liebe?"

Cover VizziniLesealter 14+Der Bertelsmann-Verlag hatte den 21-jährigen Ned Vizzini als den großen Shooting-Star angekündigt. „Hochoriginell, trendig, witzig, verrückt, amüsant“ steht im Verlagsprospekt zu lesen. Puh, große Vorschusslorbeeren für einen unbekannnten Autor! So etwas kann daneben gehen, wenn das Buch dann gar nicht so toll ist.
Nun, die Zusammenfassung des Buches klang ganz interessant – ein Grund Ned Vizzinis Erstlingswerk einem Test zu unterziehen. Ich war wirklich gespannt, ob das Buch diese hohen Erwartungen erfüllen kann…

Inhalt:

Jeremy ist ein stinklangweiliger Jugendlicher, der ständig von Mädchen träumt, aber bei ihnen bisher kaum ankommt. Im Gegensatz zu seinen Schulkameraden, die zum Teil so richtig cool sind, ist er eher ein schüchterner Außenseiter und Loser, der sich Mädchen nur in Internet-Chaträumen und über Videos nähert. Doch eine Mitschülerin hat es ihm angetan: Christine, mit der er in einer schulischen Shakespeare-Theatergruppe ist. Doch Christine interessiert sich nicht für Jeremy, denn sie geht mit Jake, was wiederum Jeremy nicht verstehen kann, denn Jake ist aus seiner Sicht ein Angeber und Weiberheld und hat Christine nun wirklich nicht verdient.
Von Michael, seinem besten Freund, erfährt Jeremy indirekt etwas vom so genannten „Squip“, der andere Jugendliche cool macht. Jeremy versucht sich im Internet über den Squip zu informieren, findet jedoch wenig darüber. Doch ein Mitschüler kann ihm weiterhelfen und erklärt ihm, was ein Squip ist. Der Squip ist ein kleiner Quantencomputer, den man als Pille schluckt und der sich im Gehirn einnistet. Dort liefert er seinem Besitzer wichtige Informationen darüber, wie man Mädchen rumkriegt und wie man sich verhalten muss, damit man cool wirkt. Jeremy ist einerseits skeptisch, zumal der Squip 600 Dollar kostet, andererseits aber auch fasziniert davon. Nach längerem Überlegen besorgt sich Jeremy die 600 Dollar mit einigen nicht ganz koscheren Tricks und kauft sich die Squip-Pille. Für Jeremy beginnt damit ein ganz neuer Lebensabschnitt: Der Squip, mit dem er in Gedanken Gespräche führen kann, zeigt Jeremy, was dieser machen muss, um cool zu wirken und bei Mädchen anzukommen: Zunächst sind neue Klamotten notwendig (Jeremy plündet hierfür die Kreditkarte seiner Mutter), dann soll Jeremy die Finger von den Sex-Chaträumen lassen und stattdessen Liegestütze zum Muskelaufbau machen. Auch flüstert der Squip ihm in jeder Situation coole Sprüche ein, die schon bald ihre Wirkung auf Mädchen nicht verfehlen. Sogar die bildhübsche Chloe, die bisher für Jeremy nicht mal ein müdes Lächeln übrig hatte, beginnt sich für ihn zu interessieren… Alles läuft so weit nach Plan. Und Christine? Was ist mit ihr? Gelingt es Jeremy mit dem Squip endlich auch bei ihr zu „landen“?

Bewertung:

„Cool“ ist weniger ein Science-fiction-Roman, wie ich anfangs dachte, als ein Buch über Jugendliche und über Liebe (wie es ja auch im Untertitel steht). Und dabei geht es ganz schön zur Sache, denn Ned Vizzini nimmt kein Blatt vor den Mund – nach 60/70 Seiten hat man den Eindruck bei Jungen wie Jeremy dreht sich fast alles nur um Sex und darum, wie man Mädchen ins Bett kriegt. Das hat mich eher ein bisschen genervt.
Als dann der Squip (ab Seite 96) ins Spiel kommt, erfährt das Buch jedoch gottseidank eine Wendung. Es ist interessant, den Zwiegesprächen zwischen Jeremy und seinem Squip (dessen Sätze in anderer Schrift wiedergegeben sind) zu folgen und zu lesen, wie der Squip Jeremy auf Vordermann bringen will, damit dieser cool wird. Das Spannende daran, gerade für Jugendliche, ist, dass man sich als Leser damit auseinander setzt, was nun eigentlich wirklich cool ist, was bei Mädchen (bzw. Jungen) ankommt und wie man selbst überhaupt sein will. Dass Ned Vizzini – so wie das Buch angelegt ist – eigentlich selbst die Frage beantwortet, dass Coolsein eher unwichtig ist, dass es vielmehr darauf ankommt, man selbst zu sein, stört dabei nur wenig.
Ein weiterer Pluspunkt muss schließlich noch erwähnt werden: Gut gefallen hat mir der Schluss des Buches, der nicht nach Schema F ist und ganz anders kommt, als man auf den Seiten vorher denkt.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Nun, dass ein Verlag in seinen Werbeaussagen ein bisschen übertreibt (s.o.), das sei gestattet. Insgesamt ist Ned Vizzini mit der Idee des erfundenen Squips ein interessantes Gedankenspiel über Coolsein und Liebe gelungen, das zum Nachdenken anregt und gleichzeitig unterhaltend ist. Ein bisschen mehr Tiefgang im Randbereich des Buches hätte ich mir noch gewünscht (dann hätte es auch den fünften Punkt gegeben) – irgendwie wirkt Ned Vizzinis Jugendbuch einfach etwas oberflächlich… (obwohl das andererseits ja zum Buchthema passt).
„Cool“ ist ein Buch für 14- bis 16-jährige, coole, noch nicht coole und gänzlich uncoole Jugendliche, die ein bisschen darüber philosophieren wollen, wie man sich verhalten sollte, um beim anderen Geschlecht anzukommen – von daher könnte das Buch einige Leser finden, denn das ist ja ein interesantes Thema in diesem Alter…
Ob man sich den Namen Ned Vizzini merken muss, das kann man wohl erst nach seinem zweiten Buch entscheiden… seien wir gespannt. Der ganz große Wurf ist „Cool“ jedenfalls noch nicht…

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(Ulf Cronenberg, 30.03.2004)

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