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Buchbesprechung: Margaret Peterson Haddix "Experiment Ewige Jugend"

Cover HaddixLesealter 12+(dtv 2003, 231 Seiten)

Einen verlockenden Titel hat das Buch von Margaret Peterson Haddix: Der Traum vom ewigen Leben oder von der ewigen Jugend ist ein ganz altes Menschheitsthema, das hier mal wieder aufgegriffen wird – und zwar in Form eines Science-fiction-Jugendbuchs.
Margaret Peterson Haddix kannte ich bisher nicht – auch wenn eines ihrer früheren Bücher („Schattenkinder“) gerne als Schullektüre verwendet wird. Auf „Experiment Ewige Jugend“ bin ich durch DIE ZEIT oder die Süddeutsche Zeitung aufmerksam geworden – das weiß ich nicht mehr so genau. Jedenfalls war ich neugierig und wollte das Buch lesen. Es gibt doch nichts über gute Science-fiction-Romane! Doch leider sind sie selten… Ob Haddix‘ Buch dazu gehört?

Inhalt:

Melly und Anny Beth lernen sich unter äußerst seltsamen Umständen im hoch betagten Alter von fast 100 Jahren kennen, nämlich als Teilnehmerinnen eines medizinischen Experiments. Im Jahr 2001 haben zwei Ärzte ein Medikament entdeckt, das die Menschen wieder jünger werden (oder wie es im Buch heißt: „entaltern“) lässt; und zwar im gleichen Tempo, wie sie alt geworden sind.
Für das Experiment wurden 50 alte Leute ausgewählt, die sich angesichts ihres nahenden Lebensendes ohne Probleme zur Teilnahme überreden ließen – und das, obwohl ihnen kaum Vorabinformationen gegeben wurden. Schon bald nach Einnahme des Medikaments erlangen die Teilnehmer wieder Fähigkeiten, die ihnen in den letzten Monaten und Jahren verloren gegangen waren: Sie können wieder besser hören und sehen oder sogar den Rollstuhl in die Ecke stellen.
Das Experiment sieht vor, dass irgendwann die „Rück-Entwicklung“ des Alters durch ein Gegenmittel gestoppt werden soll und man dann ewig jung bleiben kann. Doch diese Hoffnung erweist sich als Trugschluss – genauso wie sich im Laufe des Experiments andere unerwartete Schwierigkeiten einstellen.
Melly und Anny Beth haben sich nach mehreren Jahrzehnten von der Organisation, die dieses Experiment durchführt und auch geheimhält, losgesagt und gemeinsam begonnen ein eigenes Leben zu führen. Doch so einfach ist das mit abnehmendem Alter gar nicht: Im Jahr 2085 sind sie 16 bzw. 18 Jahre alt, damit darf Melly, die jüngere der beiden, nicht mehr Auto fahren. Außerdem machen beide sich langsam Sorgen, wie es weitergehen soll, wenn sie noch jünger werden. Für diese Zeit bräuchten sie Pflegeeltern, die auf sie aufpassen – jedoch ist auch das schwierig, denn sie haben beim Verlassen der Organisation versprochen, dass über das Experiment nichts in der Öffentlichkeit bekannt werden darf.
Und ihr Jüngerwerden ließe sich Pflegeeltern kaum verheimlichen.
Doch es kommen weitere Probleme auf die Anny Beth und Melly zu: Eines Tages finden Sie im Computer eine Nachricht von einer Reporterin, die nach Anny Beth sucht. Beide bekommen Angst, dass ihr wohlgehütetes Geheimnis mit dem Jüngerwerden gefährdet ist. Was sollen und können Anny Beth und Melly tun? Ihr Leben können sie so unbeschwert wie bisher jedenfalls nicht mehr weiterführen…

Bewertung:

Dem Buch liegt ein interessantes Gedankenspiel zugrunde: Was würde sich verändern, wenn wir nicht altern und am Ende sterben müssten, sondern wenn wir stattdessen von hohem Alter ausgehend immer jünger würden. Viele Fragen entstehen daraus, die sich Anny Beth und Melly im Buch auch immer wieder stellen… „Experiment Ewige Jugend“ bietet entsprechend viel Stoff zum Nachdenken über das Altern, über den Sinn des Lebens, den Tod, aber auch über Moral und Ethik in der Wissenschaft.
So gut die Idee vom Buch über das „Entaltern“ ist, ich hätte mir beim Erzählen der Geschichte etwas mehr Tiefe gewünscht. Margaret Peterson Haddix – das ging mir beim Lesen immer wieder so – verschenkt an vielen Stellen wichtige Fragen zu den Folgen eines Jüngerwerdens zugunsten einer etwas oberflächlichen netten Geschichte. Auch bleibt die Zukunft im Jahr 2085 etwas blass: Zwar werden einige wichtige Veränderungen im Leben der Menschen angedeutet (eine grenzenlose Satellitüberwachung der Menschen, selbststeuernde Autos…), aber ein richtiger Zukunftsentwurf steht nicht dahinter. Schade, da hätte die Autorin einfach etwas gründlicher arbeiten müssen.

Fazit:

3 von 5 Punkten. „Experiment Ewige Jugend“ ist ein Buch, das mir wie eine vertane Chance vorkommt. Brav und nett erzählt, liest sich das Buch kurzweilig, und man will wissen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt, aber das ist doch etwas zu wenig. Ein bisschen mehr Tiefgang – vor allem auch in Hinblick auf die Welt im Jahr 2085 – hätte dem Buch gut getan. Für die Grundidee des Buches hätte die Autorin fünf Punkte verdient, doch die Umsetzung hält leider nicht, was die Idee verspricht.
Dennoch: Das Haddix-Buch ist insgesamt unterhaltsam und kann jungen Science-fiction-Lesern ab 12 Jahren empfohlen werden. Nicht jeder hat ja so hohe Ansprüche an Science-fiction wie ich…

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(Ulf Cronenberg, 31.05.2004)

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