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Buchbesprechung: Garth Nix "Sabriel"

Cover NixLesealter 14+(Carlsen-Verlag 2004, 384 Seiten)

Fantasy-Bücher stehen zurzeit zweifelsfrei hoch im Kurs – bei den Verlagen und bei den Lesern. Eigentlich dachte ich mit Garth Nix einen in Deutschland bisher unbekannten Autor kennen zu lernen, aber weit gefehlt… Vom australischen Autor, der „Sabriel“ bereits 1995 geschrieben hat, sind schon einige Bücher ins Deutsche übersetzt worden, wenn auch nicht für Jugendbuchverlage. Sogar „Sabriel“ ist auf deutsch bereits erschienen (im Heyne-Verlag) – jedoch unter dem Titel „Das siebte Tor“. Und das soll grottenschlecht übersetzt gewesen sein…

Inhalt:

Die Welt in „Sabriel“ besteht aus zwei Teilen: dem modernen Ancelstierre, das technisch entwickelt ist, und dem Alten Königreich, in dem Magie eine wichtige Rolle spielt und in dem die Menschen wie im Mittelalter leben. Beide Länder sind durch eine große befestigte Mauer voneinander getrennt – jedoch nicht nur geografisch, sondern sogar der Tag-Nacht-Rhythmus und die Jahreszeiten sind in den beiden Weltteilen unterschiedlich.
Sabriel, ein Mädchen, verbringt gerade die letzten Jahre in einem Internat in Ancelstierre. Ihren Vater, der Abhorsen genannt wird, trifft sie nur zweimal im Jahr, auch wenn sie ihn einmal im Monat mit Hilfe von magischen Kräften spricht und sieht.
Doch eines Monats erscheint ihr Vater nicht, und Sabriel macht sich große Sorgen. In der Nacht passiert jedoch etwas Ungewöhnliches: Ein schwarzes, nicht lebendiges Wesen erscheint vor Sabriel – sie folgt ihm ins Reich des Todes, was jedoch nicht ungefährlich ist. Dort überreicht das Wesen, das auf einmal die Stimme ihres Vaters annimmt, Sabriel einen Sack. Zurück unter den Lebenden stellt sie fest, dass dieser Sack das Schwert ihres Vaters und sein Bandelier (eine Art breiter Schultergurt) mit sieben Glocken enthält. Sabriel ahnt, dass ihrem Vater etwas zugestoßen ist. Am nächsten Tag macht sie sich auf den Weg, um ihn zu suchen – und muss dabei ins Alte Königreich.
Doch auf dem Weg zu ihres Vaters Heim passieren viele Dinge, die nicht Zufall sein können: Sabriel wird mehrmals angegriffen, kurz vor dem Haus Ihres Vaters auch von einem bösartigen Mordicanten. Es gelingt Sabriel gerade noch unbeschadet das gut geschützte Haus ihres Vaters zu erreichen.
Im Haus Ihres Vaters mit einigen magischen Bediensteten geht man davon aus, dass Sabriels Vater inzwischen tot ist und Sabriel wird als seine Nachfolgerin angesehen. Doch Sabriel scheint anderes zu spüren und ist sich sicher, dass ihres Vaters Geist zwar im Reich der Toten gefangen ist, sein Körper aber noch im Alten Königreich ist. Also macht sie sich auf den Weg, den Körper ihres Vaters zu finden, denn wenn sie ihn schnell genug findet, könnte es ihr gelingen, ihren Vater zurück ins Leben zu holen. Doch eine gefährliche dunkle Macht – auch das spürt Sabriel – will das verhindern und bedroht auch ihr Leben…

Bewertung:

„Sabriel“ ist ein ganz besonderes Highlight unter den vielen Fantasy-Büchern der letzten Jahre! Auch wenn die ersten Seiten mit den beiden Weltteilen und den magischen Besonderheiten zunächst einmal etwas verwirrend waren, so taucht man schon nach kurzer Zeit vollständig in diesem Buch ab und will nicht zu lesen aufhören. Der Reiz dieses Buches geht von einer ganz stimmigen Mischung so vieler kunstvoll zusammengefügter Dinge aus: den interessanten, teils sympatischen, teils verabscheuungswürdigen Hauptfiguren, der mystischen zweigeteilten Welt, der fesselnden Story und der geheimnisvollen Magie der Charterzeichen (bei der nicht nur ab und zu ein paar Zaubersprüche aufgesagt werden). Überzeugend an „Sabriel“ ist vor allem auch die Mischung aus positiven Entwicklungen und auftretenden Problemen – nie werden Probleme einfach nur schnell gelöst, sondern die Handlung ist vielschichtig und Erfolge der Hauptpersonen ziehen wieder neue Probleme nach sich. „Sabriel“ ist damit weit entfernt von vielen anderen Fantasyromanen, denen oft ein solches 0815-Muster zugrunde liegt. Man ahnt von Anfang an, dass am Ende des Buches kein reines Happy-End stehen kann (woran sich das Buch auch hält) – und das ist auch gut so, würde die beeindruckende mystisch-geheimnisvolle Stimmung des Buches dadurch doch nur zerstört.

Fazit:

5 von 5 Punkten (und am liebsten würde ich noch einen dazugeben…). „Sabriel“ wird am Ende diesen Jahres – das kann ich schon jetzt im Mai sagen – zu den besten Büchern gehören, die ich dieses Jahr gelesen habe. Fantasy-Fans kommen um dieses Buch einfach nicht herum… Leichte Kost ist das nicht, dazu ist das Buch zu mystisch (deswegen sollte man auch 14/15 Jahre alt sein, um es zu lesen) – aber dafür wird man auch reichlich mit einer packenden und stimmigen Story belohnt.
Die gute Nachricht zum Schluss: Band 2 („Lirael“) und Band 3 („Abhorsen“) gibt es auf Englisch schon. Und wenn man den Lesern von Amazon.com Glauben schenken darf, so sind sie mindestens genauso gut wie „Sabriel“. Da kann man nur hoffen, dass der Carlsen-Verlag mitspielt und auch die beiden Folgebücher veröffentlicht.

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(Ulf Cronenberg, 08.05.2004)

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