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Buchbesprechung: Eoin Colfer "Meg Finn und die Liste der vier Wünsche"

Cover ColferLesealter 11+(List-Verlag 2004, 240 Seiten)

Der irische Jugendbuchautor Eoin Colfer dürfte vielen von den Artemis-Fowl-Büchern bekannt sein. Die drei Jugendromane um den genialen Jungen Artemis Fowl, der mit allen Mächtigen, aber auch mit den unterirdischen Elfen sein gefährliches Spiel treibt, sind witzig und spannend, wenn auch nicht gerade tief schürfend und pädagogisch wertvoll. Dennoch muss ich mich als Artemis-Fowl-Fan outen, denn Eoin Colfers Witz ist etwas ganz Besonderes und sehr amüsant.
Bei seinem neuen Buch „Meg Finn und die Liste der vier Wünsche“ war ich gespannt, ob Colfer seine bekannten Stärken ausspielt oder ob er sich an etwas ganz anderes gewagt hat. Das etwas seltsame Buchcover ließ mich erst mal etwas skeptisch sein, denn es sieht ein wenig sehr nach Kinderbuch aus… Aber auf solche Äußerlichkeiten sollte man, wie wir ja wissen, nicht allzu viel geben.

Inhalt:

In der Geschichte um die vierzehn-jährige Meg Finn geht es gleich richtig zur Sache: Zusammen mit einem Kumpel namens Belch, dem sie etwas schuldet, will sie die Wohnung des alten Mannes Lowrie McCall ausrauben. Doch alles geht schief… Der angeblich fast taube McCall steht plötzlich mit der Schrotflinte vor ihnen – zwar gelingt es Belch und Meg Finn, ihm die Schrotflinte zu entreißen, als sich Belchs Pitbull in Lowrie McCalls Wade festbeißt, entzweien sich jedoch Belch und Meg Finn. Denn Belch ist bereit, McCall umzulegen, während Meg Finn damit nichts zu tun haben will. So geraten die beiden Jugendlichen selbst in Streit. Und als Belch Meg Finn daraufhin mit der Schrotflinte bedroht und einen Warnschuss abgibt, passiert etwas Tragisches (was hier ja nicht zu genau erzählt werden muss) und beide kommen dabei ums Leben.
Von da ab, das ist klar, kann das Buch keine normale Geschichte mehr sein, sonst wäre sie ja beendet. Der Leser begleitet Meg Finn und Belch auf dem Weg in Himmel bzw. Hölle. Bei Belch mit seinem großen Vorstrafenregister ist es nicht verwunderlich, dass er samt seinem Pitbull in der Hölle landet, bei Meg Finn, die auch einiges auf dem Kerbholz hat, dagegen ergibt sich aufgrund des Einsatzes für Lowrie McCall ein Punktegleichstand zwischen Gut und Böse, sie schwebt sozusagen zwischen Himmel und Hölle. Und das heißt für Meg Finn, dass sie eine erneute Chance bekommt: Als Geist soll sie auf die Erde zurückkehren und sich dort bewähren, indem sie Lowrie McCall hilft, sein bald zu Ende gehendes Leben glücklich abzuschließen.
Doch hierbei gibt es natürlich Komplikationen. Zum einen ist Meg Finn nicht gerade angetan davon, einem „alten Opa“ zur Seite zu stehen. Zum anderen will der Teufel mit seinem Untertan Beelzebub Meg Finn unbedingt in der Hölle haben. Und deswegen schickt er Belch, der bei seinem Tod mit seinem Hund verschmolzen ist, ebenfalls als Geist auf die Erde zurück. Belch soll dafür sorgen, dass Meg Finn ihren Auftrag nicht erfüllen kann. Sie soll nämlich Lowrie McCall, der selbst kein glückliches Leben geführt hat, dabei helfen, dass dieser sich vor seinem Tod noch vier Herzenswünsche erfüllen kann. Dann hat Meg Finn die Chance, doch noch in den Himmel zu kommen.
Wunsch eins von McCall ist es z.B., eine alte Jugendliebe, die inzwischen Fernsehstar ist, noch einmal zu küssen – kein leichter Auftrag zumal Belch und ein mitgeschickter Begleiter, Lowrie McCall und Meg Finn auf den Fersen sind…

Bewertung:

Der Beginn von „Meg Finn und die Liste der letzten vier Wünsche“ ist fulminant, also atemberaubend. Es geht gleich richtig zur Sache, wenn Meg Finn und Belch in die Wohnung von Lowrie McCall einbrechen. Das ist toll und spannend erzählt. Das Problem mit solchen Buchanfängen ist jedoch, dass die Bücher danach oft an Fahrt verlieren – und das ist leider auch bei Eoin Colfers Buch so, wenn auch in Maßen. Das Buch kann dieses Tempo leider nicht ganz halten…
Trotzdem ist die Geschichte um Meg Finn spannend und unterhaltsam, auch wenn man den Ausgang des Buches schon während des Lesens (wenn auch nicht mit allen Details) ahnt. Eoin Colfer zeigt wie in seinen bisherigen Büchern viel Sprachwitz (man muss einfach beim Lesen oft schmunzeln oder gar lachen), der Autor erschafft einprägsame und nette Figuren, die oft wie Karrikaturen wirken und dem Buch das Spöttische-Witzige geben.
Mit Meg Finn hat Colfer eine freche, aber zugleich sympathische Figur geschaffen, die Lowrie McCall anfangs wie einen uralten vertatterten Opa behandelt, ihn ständig schräg von der Seite anspricht, sich über dessen Marotten aufregt, ihn nach und nach jedoch schätzen und achten lernt.

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. „Meg Finn und die Liste der vier Wünsche“ ist die Fortsetzung der Artemis-Fowl-Reihe mit anderen Mitteln beziehungsweise Figuren. Der Sprachwitz ist der gleiche, die Figuren des Buches sind skurril und schräg, die Geschichte ist inhaltlich eher harmlos, aber spannend – kurz zusammengefasst: Das Buch bietet spannend-witzige Unterhaltung für Jungen und Mädchen ab etwa 11 Jahren.
Von Eoin Colfer kenne ich bisher immer nur das gleiche Bild auf den Buchumschlägen, aber wenn man da genauer hinsieht, erinnern einen Colfers Gesichtszüge ein bisschen an Mr. Bean (bzw. Richard Atkinson, der ihn spielt). Und wenn man denn Colfers neuestes Buch prägnant charakterisieren soll, so könnte man das wie folgt formulieren: „Meg Finn und die Liste der vier Wünsche“ ist die literarische Umsetzung von Mr. Bean.

(Ach, fünf Punkte hätte es übrigens gegeben, wenn ein bisschen mehr Tiefschürfendes im Buch enthalten wäre… – aber das ist wohl der typische Anspruch eines Erwachsenen.)

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(Ulf Cronenberg, 19.03.2004)

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