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Buchbesprechung: Carl Hiaasen "Eulen"

Cover HiaasenLesealter 12+(Beltz & Gelberg Verlag 2003, 352 Seiten)

„Eulen“ fällt alleine schon wegen seines Buchumschlags auf. Der unauffällige Einband ist im Vergleich zum Stil der Einbände derzeitiger Jugendbücher so auffällig, dass man bei Carl Hiaasens Buch einfach stehen bleiben muss. Geschickt gemacht…
Das Buch über die Kanincheneulen ist übrigens Carl Hiaasens erstes Jugendbuch. Ansonsten arbeitet Hiaasen als Journalist und schreibt Krimis und Thriller für Erwachsene.

Inhalt:

Roy Eberhardt ist Einzelkind und wohnt erst seit kurzer Zeit in einem kleinen Kaff namens Coconut Cove in Florida. Die Busfahrten zur Schule sind für Roy schon bald ein Graus, denn Dana Matherson, der viel stärker und kräftiger als Roy ist, hat es auf den Neuling abgesehen. Regelmäßig bezieht Roy im Bus Prügel von Dana und wird von ihm als „Cowgirl“ bezeichnet.
Auf einer Busfahrt sieht Roy am Gehsteig einen merkwürdigen Jungen barfuß mit seinen blonden Haaren ganz schnell rennen, als wäre dieser auf der Flucht. Roy ist neugierig und versucht die nächsten Tage den unbekannten Jungen, der doch eigentlich auch zur Schule müsste, aufzuspüren; zwar sieht er den Jungen ein weiteres Mal, jedoch gelingt es Roy nicht, ihn zu erwischen. Doch schon bald werden sich die Wege von Roy und dem Jungen ganz zufällig kreuzen…
Das Schikanieren durch Dana Matherson wird immer schlimmer, zumal Roy – von sich selbst überrascht – nicht klein beigibt, sondern sich wehrt und Dana damit zusätzlich provoziert. Eines Tages gelingt es dem wütenden Dana, sich Roy nach der Schule zu schnappen und ihn in einer Besenkammer der Schule fertig zu machen. Doch Roy hat noch einmal Glück, denn Beatrice Leep, eine kräftige Fußballerin und Schulkameradin, die Roy erst vor kurzem kennen gelernt hat, kommt ihm zu Hilfe. Ihr gelingt es Dana nicht nur von Roy fernzuhalten, sondern sie fesselt ihn halbnackt an einen Pfahl. Beatrice und Roy freunden sich an – und als Roy ihr von dem unbekannten barfüßigen Jungen erzählt, erfährt er von Beatrice, dass dies ihr Stiefbruder sei, der jedoch aus seinem Elternhaus und aus einem Internat geflohen ist und sich alleine durchs Leben schlägt.
Zur gleichen Zeit spielt sich auf einem Baugrundstück Ungewöhnliches zu. Curly, ein Wachmann, stellt jeden Morgen fest, dass die Vermessungspflöcke des Vortags in der Nacht aus dem Boden gerissen wurden, so dass sich der Bau einer Filiale von Mama Pauls Pfannkuchenhaus verzögert. Curly schaltet die Polizei ein, um die Übeltäter zu stellen – doch Officer Delinko von der örtlichen Polizei passiert ein peinliches Missgeschick: Während einer Nachtwache am Baugrundstück schläft er in seinem Polizeiwagen ein und als er aufwacht, sind alle Fensterscheiben des Polizeiwagens mit schwarzer Farbe besprüht. Und kurz darauf passieren auf dem Baugrundstück weitere seltsame Dinge: In den Bautoiletten findet der Wachmann kleine Alligatoren, kurz darauf wimmelt es auf dem Grundstück von Giftschlangen, deren Schwanz silber angemalt ist etc.
Dass hinter all diesen Dingen der unbekannte Junge steht, kann man ja schon fast erraten – und was ihn zu diesen Taten antreibt, ist, dass es auf dem Baugrundstück eine seltene Tierart lebt, die geschützt ist: die kleinen Kanincheneulen, die in Bodenlöchern leben. Und die will der geheimnisvolle Junge, über den niemand Genaueres weiß, retten.
Schon bald wird auch Roy in dies ganze Geschichte mit hineingezogen… – was dann passiert, das müsst ihr jedoch schon selbst lesen.

Bewertung:

In den Zeitungsbesprechungen wurde „Eulen“ immer wieder als Umweltkrimi bezeichnet – und das stimmt auch. Denn Roy und seine Freunde setzen sich für die Kanincheneulen ein und stoßen dabei auf nicht ganz saubere Machenschaften. Doch würde man „Eulen“ nicht gerecht, wenn man es nur unter dem Gesichtspunkt „Umweltkrimi“ sieht, denn es geht um Weiteres: um Schikanieren und Mobbing in der Schule, um schwierige Familienverhältnisse, um Freundschaft, um ehrgeizige Konzernmanager etc. Und genau diese Themenmischung macht Carl Hiaasens Buch kurzweilig und interessant und hebt das Buch von manch anderem Jugendbuch ab.
Besonders zu loben sind auch die gut herausgearbeiteten Personen in „Eulen“, denn es treten keine 0815-Personen auf, sondern „Originale“ mit ungewöhnlichen Stärken, aber auch Macken und Meisen: ein flüchtiger Junge, der sich selbst als „Outlaw“ bezeichnet; der ehrgeizige, aber etwas tolpatischige Officer Delinko, der davon träumt, Kriminalkommissar zu werden; Beatrice, ein Mädchen, das sich nichts gefallen lässt; der Wachmann Curly, der um seinen Job bangen muss und gerne übertreibt; …

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. „Eulen“ ist ein Buch, das man liebgewinnen kann, weil die Figuren so sympathisch sind und weil die Geschichte größtenteils spannend angelegt ist. Für die Bestnote von 5 Punkten fehlt der Geschichte um Roy jedoch meiner Meinung nach der letzte Biss, denn ich finde es immer schade, wenn man beim Lesen schon ahnt, wie die Geschichte wohl ausgehen wird – und bei „Eulen“ ist das leider so (auch wenn die Details nicht vorab klar sind). Dennoch: ein empfehlenswertes Buch für 12- bis 14-jährige Umweltfreunde und Vielleser – Jungen wie Mädchen.

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(Ulf Cronenberg, 27.12.2003)

Kommentar (1)

  1. Johannes

    Unsere Lehrerin hat gesagt, dass das Buch spannend wäre, aber das ist es nicht.

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