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Buchbesprechung: Zoran Drvenkar "Touch the flame"

Cover DrvenkarLesealter 13+(Carlsen-Verlag 2001, 204 Seiten – auch als Taschenbuch erhältlich)

Es gibt Autoren, die entdeckt man erst, wenn sie schon einige Bücher veröffentlicht haben. So war das bei mir auch mit Zoran Drvenkar. Und wenn einem dann das erste Buch sehr gut gefallen hat, dann liest man sich nachträglich durch die früheren Bücher. Manchmal ist das ein Wagnis, denn man geht ja mit großen Erwartungen an so ein Buch heran und oft sind die früheren Bücher schlechter als die neuen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Trotzdem sollte man den Versuch wagen – und die Bücher, die ich bisher von dem aus dem ehemaligen Jugoslawien stammenden Zoran Drvenkar gelesen habe, waren viel versprechend und ließen auf weiteres Gutes hoffen…

Inhalt:

Lukas lebt bei seiner Mutter in Berlin – sein Vater hat sich schon vor vielen Jahren aus seinem und dem Leben seiner Mutter gestohlen. Eines Tages will der Lukas‘ Vater seinen Sohn für ein paar Tage abholen und Lukas fiebert diesem Tag entgegen. Doch leider kommt alles ganz anders, als von Lukas erträumt. Es beginnt damit, dass sein Vater erst Stunden später kommt – Lukas hatte sich vor seinem Wohnhaus bereits die Füße platt gestanden und alle Hoffnung aufgegeben. Und auch danach läuft vieles schief. Der Vater behandelt den eigenen Sohn recht schroff, beim gemeinsamen Besuch bei Lukas‘ Cousine erfährt Lukas außerdem ganz nebenbei, dass sein Vater an Krebs erkrankt ist und dass es ihm recht dreckig geht. Und schließlich wird Lukas von seinem Vater mitten in der Nacht geweckt, um Hals über Kopf mit seinem Vater in Richtung Hamburg abzuhauen. Lukas weiß überhaupt nicht, wie ihm geschieht, vor allem da sein Vater ihm keinerlei Erklärungen gibt. In Hamburg warten einige weitere böse Überraschungen auf Lukas: Er macht Bekanntschaft mit dem Leben seines Vaters und erfährt so einiges, was er nicht erwartet hat. Ein gemeinsames Treffen mit Ruprecht, dem Bruder seines Vaters, läuft ziemlich brutal ab. Ruprecht, der wegen eines Einbruchs fünf Jahre im Gefängnis gesessen hat, schlägt sowohl Lukas als auch dessen Vater ziemlich brutal zusammen, weil er vermutet, dass Lukas‘ Vater sich während Ruprechts Gefängnisaufenthalt die Beute des damaligen Einbruchs unter den Nagel gerissen hat. Doch es kommt vieles noch schlimmer…

Bewertung:

„Touch the flame“ ist ein rasantes Buch, das nie langweilig wird – ständig passiert etwas Neues, nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung. Lukas ist immer wieder am Verzweifeln, weiß nicht, was er tun soll – die widersprüchlichen Gefühle seinem Vater gegenüber (einerseits will er ihm nahe sein, andererseits verachtet er ihn wegen seiner Selbstbezogenheit) werden genau beschrieben. Wie Zoran Drvenkar all das umsetzt, ist eine Meisterleistung, die nicht nur meinen Nerv trifft, sondern auch den von Jugendlichen treffen dürfte. Immer wieder findet man genaue Beobachtungen und sprachliche Bilder, die die Stimmung mehr malen als beschreiben: „das Licht hat einen Zeitschalter, der hektisch tickt, als ob jeden Moment eine Bombe hochgehen würde“ oder „Er ist mir ein Fremder, die Erinnerungen an ihn sind vage Schnappschüsse, Satellitenbilder einer Mondlandschaft.“

Fazit:

5 von 5 Punkten. Keine Frage! „Touch the flame“ ist ein Buch für Jugendliche ab 13 Jahren, die für ein Wochenende aus ihrer eigenen eintönigen Welt in einen Roadmovie aus Buchstaben eintauchen wollen. Ein Buch – als säße man in der Achterbahn und weiß nicht, ob man die Fahrt überlebt. Verbrennt euch nicht die Finger…

blau.giflila.gifrot.gifgelb.gifgruen.gif

(Ulf Cronenberg, 16.10.2003)

Weitere Meinungen:

Ein tolles, schnelles Buch, in dem sich für die Hauptperson, den 15-jährigen Lukas, genauso wie für den Leser, die Ereignisse überschlagen:
Obwohl man sich in die gesamte Situation erst hineinfinden und sich das Gesamtbild nach und nach puzzleartig zusammenbauen muss, ist man dennoch sofort mitten im Geschehen. Dieses Roadmovie wirft Lukas und mit ihm den Leser mit vollem Karacho in die Handlung. Das Buch ist rasant, derb und geheimnisvoll, mit einem genialen Ende. Der Schreibstil ist lebendig, ungemein geistreich und sehr wirklichkeitsgetreu. Die ungezwungene Sprache hat genau das richtige Maß an Flapsigkeit und Umgangssprache, ohne im Buch unangemessen oder aufgesetzt zu wirken. Ebenso sind alle vorkommenden Personen äußerst plastisch und die Atmosphäre unglaublich dicht.

(Iris Henninger)

Lektüretipp für Lehrer!

Ein Buch wie ein Roadmovie, das Themen wie Gewalt, Tod und Freundschaft/Liebe aufgreift… Ein Sohn, der seinen Vater kaum kennt, fährt mit diesem durch Deutschland, besucht Verwandte und erfährt dabei, dass sein Vater krebskrank ist. Und alles läuft anders als geplant…
Wer noch nie etwas von Zoran Drvenkar gelesen hat, ist selbst schuld – kaum jemand schreibt in so treffsicheren sprachlichen Bildern. Ab der 9. Jahrgangsstufe.

Kommentare (0)

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  2. Fiona

    Ich finde das Buch ist klasse!
    Es ist zwar manchmal etwas langweilig, aber hat dann auch wieder Höhen und Tiefen. Muss man gelesen haben.

    Antworten
  3. Laura

    Ich bin ehrlich, ich habe noch nie zuvor ein Buch von Zoran Drvenkar gelesen, geschweige gesehen …
    Ich hab es eher durch Zufall erhalten, und ich muss offen und ehrlich zugeben, dass ich bereits nach den ersten Seiten total gefesselt war und so gut wie mittendrin in der Handlung. Er ist echt der Beste und kann die Situationen so treffend beschreiben; großes Lob an ihn! 🙂

    Antworten
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